Schnaufendes Stahlross war durstig

 Eine Dampflok, Jahrgang 1935, machte am Samstag in Kreuztal Station, wo sie von der örtlichen Feuerwehr am Bahnhof schon erwartet wurde. Diese stillte den Durst des Stahlrosses. Foto: bjö
  • Eine Dampflok, Jahrgang 1935, machte am Samstag in Kreuztal Station, wo sie von der örtlichen Feuerwehr am Bahnhof schon erwartet wurde. Diese stillte den Durst des Stahlrosses. Foto: bjö
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bjö - Als ein durstiges Stahlross am Samstagmorgen in Kreuztal Station macht, hilft die Feuerwehr – nicht ganz ohne Mühen. „Die macht Stimmen, als ob ein Elefant stirbt“, empört sich der sechsjährige Leander über den Höllenlärm der Dampflok, die am Samstagmorgen mit knapp 30-minütiger Verspätung in den Bahnhof Kreuztal einfährt.

Eine Handvoll Feuerwehrleute des Löschzugs Kreuztal steht seit 10 Uhr bereit, hat eine Schlauchleitung durch die Bahnhofsunterführung gelegt, denn der Durchreisende mit mächtig Durst ist seit einigen Tagen angekündigt: eine Dampflok, Jahrgang 1935, die auf Einladung der Eisenbahnfreunde Witten am frühen Morgen in Münster gestartet ist und knapp 500 Fahrgäste zu einer Spaßfahrt über Gießen bis nach Marburg aufgenommen hat. Als der Tross um 10.52 Uhr auf Gleis 3 des Kreuztaler Bahnhofs einfährt, ist guter Rat teuer: Die 169 Tonnen schwere Lok hält nicht etwa in Höhe der üblichen Einstiegsstelle der Fahrgäste, bis wohin die Feuerwehr die Lok-Oase, nämlich den Verteiler der Wasserleitung, gelegt hat: Mit acht Personenwaggons im Gepäck kommt das dampfende Wesen erst da zum Stehen, wo der Bahnsteig schon längst nicht mehr gepflastert ist und sich noch nie ein Fahrgast hin verirrt haben dürfte.

Während viele Türen aufgehen und sich gut gelaunte Fahrgäste auf dem Bahnsteig eine Raucherpause gönnen, kommen die Wehrleute noch einmal ins Schwitzen: Ungeplant müssen sie einige 100 Meter Schlauch mehr verlegen als gedacht. Eine Haspel wird zusätzlich auf Gleis 3 geschleppt, die Absprachen mit den Zugbegleitern sind schnell getroffen: Um die Schlauchleitung nicht endlos werden zu lassen, trennt sich die Lok für ihre „Trinkkur“ vom Rest des Zuges, wechselt das Gleis hinter der Langenauer Brücke, schnauft zurück und „parkt“ auf einem Gleis neben den Waggons.

Unter einem von ihnen zieht die Feuerwehr die Versorgungsleitung her, bis die Betankung der Lok endlich beginnen kann. 34 Kubikmeter Wasser kann die Lok in ihrem „Bauch“ bevorraten, um daraus den Dampf für die bis zu 120 Stundenkilometer schnelle Fahrt zu produzieren. Nicht ganz die Hälfte muss die Kreuztaler Feuerwehr auffüllen – mit Hilfe von zwei für einen Oldtimer luxuriösen Einfüllstützen in Form einer feuerwehrkompatiblen C-Kupplung. Unzählige Fotoapparate klicken in jenen Minuten am Kreuztaler Bahnhof – auf dem Bahnsteig, aber auch aus den Fenstern der historischen Waggons und des Barwagens.

Während die Feuerwehr mehrere 1000 Liter Wasser spendiert, gibt es vom Zugchef Carsten Ott für die Helfer Getränke. Anders als im „normalen“ Zugebetrieb scheint sich am Samstagmorgen niemand über die bislang halbstündige Verspätung zu ärgern. Das historische Gespann muss im Zweifelsfall dem regulären Bahnbetrieb den Vorrang lassen, was nichts weiter bedeutet, als dass sich die Aufenthalte auf den Weihnachtsmärkten in Gießen und Marburg etwas verkürzen könnten.

Noch schnell ein Gruppenfoto der Feuerwehrleute vor der ungewöhnlichen Kulisse, und dann ist kurz nach halb zwölf der Zwischenstopp eines Gefährts aus der Vergangenheit am Kreuztaler Bahnhof selbst wieder Geschichte: Die mächtigen Dampfwolken im Langenauer Mittagshimmel sind längst verzogen, als die Feuerwehrleute alle Spuren eines auch für sie „historischen Einsatzes“ beseitigt haben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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