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Kommunen bisher kaum aktiv
Schottergärten verbieten ist möglich

Auf lange Sicht seien Schottergärten sogar mehr Arbeit, heißt es seitens der Gemeinde Neunkirchen.

sp Siegen. Kies und Schotter statt Sträucher und Stauden. Eine undurchlässige Folie statt lebendigem Boden. Sie liegen im Trend: Schottergärten. Für die einen sind sie modern, die Hausbesitzer erhoffen sich keine Arbeit. Für die anderen sind sie ein Dorn im Auge, weil die Flächen keinen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten und Wasser nicht versickern kann. Außerdem speichern die Steine Wärme, strahlen sie wieder ab und wirken sich damit negativ auf das Mikroklima aus.Gegen Schottergärten vorgehen„Für Städte und Gemeinden stellt sich die Frage, wie gegen den stetigen Zuwachs von Schottervorgärten effektiv und rechtssicher vorgegangen werden kann“, schreibt der Städte- und Gemeindebund NRW, der eine entsprechende Handlungsempfehlung herausgegeben hat.

sp Siegen. Kies und Schotter statt Sträucher und Stauden. Eine undurchlässige Folie statt lebendigem Boden. Sie liegen im Trend: Schottergärten. Für die einen sind sie modern, die Hausbesitzer erhoffen sich keine Arbeit. Für die anderen sind sie ein Dorn im Auge, weil die Flächen keinen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten und Wasser nicht versickern kann. Außerdem speichern die Steine Wärme, strahlen sie wieder ab und wirken sich damit negativ auf das Mikroklima aus.

Gegen Schottergärten vorgehen

„Für Städte und Gemeinden stellt sich die Frage, wie gegen den stetigen Zuwachs von Schottervorgärten effektiv und rechtssicher vorgegangen werden kann“, schreibt der Städte- und Gemeindebund NRW, der eine entsprechende Handlungsempfehlung herausgegeben hat. Die Kommunen können, so lautet ein Vorschlag, die Verschotterungen der Vorgärten mit Festsetzungen in Bebauungsplänen verbieten. Begründet werden kann die Begrünung und Bepflanzung der Flächen beispielsweise mit dem Arten- und Klimaschutz, und ein Verbot der Versiegelung mit der Vermeidung von Hochwasserschäden. Vorgartensatzungen sind nach einer Erneuerung der Bauordnung NRW seit 2018 nicht mehr gültig.

Aufklärung über Sinn von Vorgärten

Der Städte- und Gemeindebund empfiehlt zudem „vordringlich“, die Bürger über den Sinn der Vorgärten aufzuklären. Wie aber gehen die Kommunen hier in der Region mit dem Thema um? Die SZ fragte nach.
Die Stadt Siegen plant, die Verschotterung mithilfe künftiger Bebauungsplänen zu vermeiden. Die Stadt weist zudem darauf hin, dass nach der Bauordnung NRW (§ 8, Absatz 1) Grundstückseigentümer verpflichtet sind, nicht überbaute Flächen mit gewissen Einschränkungen wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen – wenn durch Bebauungspläne oder andere Satzungen nichts anderes vorgesehen ist. Demnach kann ein Rückbau der bestehenden Schottervorgärten verlangt werden. „Angesichts des enormen Konfliktpotenzials und des erheblichen Verwaltungsaufwandes sollte diese Möglichkeit jedoch nur in Ausnahmefällen herangezogen werden.“ Rechtssicher die Schottergärten zu verhindern, sei nur bei künftigen Planungen möglich, so die Verwaltung.

Schottergärten machen mehr Arbeit

In Neunkirchen gibt es bislang keine „Auffälligkeiten“ und deshalb auch keine rechtliche Regelung. Im Amtsblatt wurden die Konsequenzen eines Schottergartens genauer beleuchtet. Auch wurde darauf hin gewiesen: „Schottergärten machen auf lange Sicht sogar mehr Arbeit! Denn Unkraut, Moos, Algen und Flechten siedeln sich auch auf den Steinen an.“ Sie zu säubern sei aufwendiger, als ein mit Stauden besetztes Beet zu säubern.
Aus dem Rathaus in Wilnsdorf heißt es, dass es bislang keine rechtlichen Regelungen und auch keine Beratung bezüglich der Vorgartengestaltung gibt.

Keine Vorschriften oder Verbote

Auch in der Stadt Kreuztal gibt es keine Vorschriften oder Verbote. Sie sind auch nicht geplant. Die Umweltberaterin greift das Thema allerdings in Beratungsgesprächen und bei Infoständen auf.
Die Stadt Hilchenbach setzt zurzeit nicht auf Regelungen, sondern auf die Information der Bevölkerung. Deshalb verfügt die Stadt nicht über Bebauungspläne, die ausdrücklich die Begrünung der Vorgärten festsetzen. Das ist derzeit auch nicht geplant.

Nachträglich Verbot nur schwer umsetzbar  

In Freudenberg gibt es bislang keine rechtliche Regelung hinsichtlich Schottergärten. Die politische Diskussion zu diesem Thema befinde sich derzeit sicherlich noch am Anfang, sagt Baudezernent Matthias Tanger. Die planerische Festsetzung, auf Schottergärten zu verzichten, sei sicherlich bei der Neuaufstellung eines Bebauungsplanes relativ leicht möglich. „Eine (nachträgliche) Festlegung über eine Ortssatzung scheint mir da erheblich schwieriger, vor allem hinsichtlich der Umsetzung und Kontrolle.“
In Bad Laasphe gibt es keine Satzung zum Verbot von Schottergärten, geplant ist eine solche ebenfalls nicht. „Die Stadtverwaltung sieht hierfür derzeit auch keinen Bedarf, denn Schottergärten sind in der Lahnstadt nicht – wie es in anderen Kommunen der Fall ist – ortsbildprägend.“ Deshalb klärt die Stadt derzeit auch nicht aktiv darüber auf.
Ebenfalls keine rechtlichen Regelungen in Bezug auf dieses Thema hat die Stadt Bad Berleburg. Erhält die Verwaltung Anfragen zu Schottergärten – was selten vorkommt – wird auf Alternativen hingewiesen.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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