Schritt aus dem »Tal der Zitternden«

Siegens erster Regionalliga-Sieg 2003 / Koch-Comeback im Tor / Zotts erstes Tor für Siegen

geo Siegen. Zugegeben, Journalisten neigen auf der Suche nach der Schlagzeile des Tages manchmal zu Voreiligkeit. Hieß das Generalmotto um 15 Uhr am gestrigen Sonntag nämlich noch etwa so: »Siegen noch ohne Sieg in 2003«, so war man 90 Minuten später gerne bereit ins »andere Lager« über zu schwenken und etwa folgendes von sich zu geben: »Siegen in 2003 noch ungeschlagen!«

Wie immer liegt die Wahrheit genau dazwischen, besser gesagt in der Kontinuität. Was sich nämlich schon beim Heimspiel gegen Erfurt vor 14 Tagen – wenn dort auch nur ansatzweise – andeutete und sich dann 70 Minuten lang in Schweinfurt fortsetzte, fand seine geradlinige Fortsetzung beim gestrigen 2:0 gegen den SC Pfullendorf. Die »Sportfreunde« spielen wieder Fußball, sie verstehen dieses schöne Spiel als eine sinnvolle Abfolge von Passspiel, Laufweg und Torschuss. Und sie sind auch bereit, mit der nötigen Hingabe für Nachdruck und Eindruck beim Gegner zu sorgen.

So stimmte beim gestrigen Sieg lediglich die Höhe nicht, denn auf Grund hochkarätiger Torchancen musste die Ausbeute an Treffern eindeutig höher sein. Aber so hebt wenigstens niemand ab, denn der erste »Dreier« in dem seit nunmehr drei Monaten laufenden Kalenderjahr war eben nur ein »Dreier«, und wenn am Mittwoch um 18 Uhr das Nachholspiel gegen das nächste Team aus Baden-Württemberg im Leimbach-Stadion angepfiffen wird, ist der Lorbeer des gestrigen Tages schon verwelkt.

Dabei könnte es so weiter gehen. Das Spiel war so recht nach dem Geschmack der immerhin noch gut 2000 Zuschauer. Und zu deren Freude standen auch zwei Spielernamen gestern sinnbildlich für das Stichwort Kontinuität. Denn zum einen stand der mit acht Treffern immer noch die interne Torschützenliste anführende Andreas Nauroth nach im Trainingslager erlittenem Jochbeinbruch erstmals von Anfang an auf dem Platz, und zum anderen kehrte Torhüter Andreas Koch nach überstandenem Kreuzbandriss in sein Team zurück. Genau 316 Tage nach seinem letzten Auftritt in der Regionalliga Süd in Burghausen feierte der Zerberus einen Einstand nach Maß und ließ gleich »die Null stehen«.

Das war freilich nicht unbedingt sein Verdienst, denn dafür agierten die Pfullendorfer zu schwach und Kochs Vorderleute zu stark. Obendrein ließ er bei seinen Mitstreitern und den Zuschauern ungewollt zweimal den Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen. In der 49. Minute schoss er bei einer Rettungstat Marco Barlecaj den Ball ans Schienbein, von wo das Leder per Bogenlampe über das Tor flog. Und knapp 20 Minuten später forderte er Abwehrchef Cem Islamoglu zur Kopfballrückgabe auf, stolperte dann aber auf dem holprigen Rasen und konnte nur mit einer Akrobatik-Einlage erneut vor dem blassen Barlecaj retten.

Es waren die aus Pfullendorfer Sicht unfreiwilligen Höhepunkte der Gäste. Dafür gab es auf der Gegenseite viel mehr zu bestaunen. Andreas Nauroth hatte nach einem von Sascha Bäcker abgefangenen Ball die erste Großchance, scheiterte in der 23. Minute aber an Torhüter Hermanutz. Und sechs Minuten später stand der kleine Westerwälder im Abseits, als er - immerhin - schon mal ins Tor traf. Besser machte es dann Jens Truckenbrod in der 40. Minute mit einem Freistoßtor, als er das Leder aus 18 m präzise zum 1:0 in den äußeren Torwinkel zirkelte.

Dass die Siegener gestern nicht den Hauch eines »Schweinfurt-Syndroms« aufkommen lassen wollten, dokumentierten sie schon in der 1. Minute der 2. Halbzeit, als erst Keeper Hermanutz den schönsten Spielzug des Tages mit abschließendem Nauroth-Schuss stoppte. Und doch war es dann wieder das 2:0, das bei einigen Akteuren »Flugzeuge im Bauch« kribbeln ließ. Doch zunächst die Schilderung dieses Treffers, ausgehend von einer Ecke, die der sehr gute Bruno Custos mal ans lange Eck zirkelte. Andreas Nauroth zog volley ab, traf den Ball aber nicht richtig, der so in die Strafraummitte zu Romas Cirba »eierte«. Der drehte sich cool um die Achse, doch wurde sein nicht sehr fester Schuss zunächst abgeblockt. Dann aber spritzte Tobias Zott dazwischen und markierte mit letztem Einsatz sein erstes Regionalliga-Tor im Siegener Dress überhaupt (62.).

Aber wie gesagt: danach schien das Siegener Team ein wenig zu schwächeln, befiel den einen oder anderen die Angst vor der eigenen Courage. Allein: entweder war Pfullendorf für eine entscheidende Schlussoffensive zu schwach oder das Siegener Selbstvertrauen dafür zu stark. Denn es brannte nichts mehr an. Im Gegenteil. Nach tollen Kontern über Custos und Nauroth schoss zunächst Til Bettenstaedt völlig frei daneben. Dann traf Nauroth mit einem Kunstschuss nur die Unterkante der Latte. Wirklich schlimm war das aber nicht mehr.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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