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„Wir halten jeden Morgen die Luft an“
Schulen blicken auf steigende Corona-Zahlen

Dreimal die Woche werden an allen Schulen der Sekundarstufe Selbsttest durchgeführt. Auch geimpfte Schüler nehmen daran teil.
Immer mit der Hoffnung, dass der Test negativ ausfällt.
  • Dreimal die Woche werden an allen Schulen der Sekundarstufe Selbsttest durchgeführt. Auch geimpfte Schüler nehmen daran teil.
    Immer mit der Hoffnung, dass der Test negativ ausfällt.
  • Foto: Kay-Helge Hercher
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schn Siegen/Bad Berleburg. Viele Eltern sind nervös. Nachmittags alle fünf Minuten ein Blick aufs Smartphone, ob das Labor die – befürchtet – schlechte Nachricht per SMS übermittelt. Dann das Pling: „Pooltest postiv, Lollitest-Rückstellprobe von A.H. ist in Bearbeitung“. Gemeint ist der Einzeltest vom Sohnemann. Was tun, wenn der PCR-Test „positiv“ ausfällt? Wenn das Gesundheitsamt die Sitznachbarn der infizierten Schüler doch in die Quarantäne schickt? Wie geht es weiter im Alltag? Wer betreut zu Hause und managt das Homeschooling? Wer geht zur Arbeit, wer kocht? Stunden später, kurz vor Mitternacht –der Arbeitgeber wäre so oder so nicht mehr erreichbar – die Erleichterung, wieder per SMS: „Befund: negativ!

schn Siegen/Bad Berleburg. Viele Eltern sind nervös. Nachmittags alle fünf Minuten ein Blick aufs Smartphone, ob das Labor die – befürchtet – schlechte Nachricht per SMS übermittelt. Dann das Pling: „Pooltest postiv, Lollitest-Rückstellprobe von A.H. ist in Bearbeitung“. Gemeint ist der Einzeltest vom Sohnemann. Was tun, wenn der PCR-Test „positiv“ ausfällt? Wenn das Gesundheitsamt die Sitznachbarn der infizierten Schüler doch in die Quarantäne schickt? Wie geht es weiter im Alltag? Wer betreut zu Hause und managt das Homeschooling? Wer geht zur Arbeit, wer kocht? Stunden später, kurz vor Mitternacht –der Arbeitgeber wäre so oder so nicht mehr erreichbar – die Erleichterung, wieder per SMS: „Befund: negativ!“

Ergebnisse liegen schneller vor

An der Jung-Stilling-Grundschule werden alle Schüler zwei Mal in der Woche PCR-getestet, jeweils bevor die erste Stunde am Morgen startet. Seit der Umstellung auf das neue Testsystem, bei dem parallel Proben für einen Pool-Test und einen Einzeltest genommen werden, haben sich die Abläufe aus Sicht von Petra Dors, Leiterin der Schule, beschleunigt. Die Ergebnisse, welches Kind tatsächlich infiziert ist, liegen schneller vor. „Das nimmt auch den Eltern einiges an Stress“, sagt Dors. Sie weiß aber auch, dass es in den Familien ein großes Thema ist. Die schnellen Mitteilungen per SMS sind für die Grundschulleiterin ein echter Fortschritt.

Quarantäne in 16 Schulen

„Ich hoffe, dass wir nicht zumachen müssen“, sagt Petra Dors. Seit Montag beobachtet sie einen steilen Anstieg der Infektionszahlen an ihrer Schule. Derzeit müssen die Lehrerinnen und Lehrer „ganz schön wirbeln“, um den Unterricht an der Grundschule aufrecht zu erhalten. Neben den Klassen in Präsenz müssen die Schüler in Quarantäne mit Material versorgt werden. „Das heißt, in der ersten Klasse wird der neue Buchstabe online bereitgestellt“, lacht Petra Dors.

Derzeit sind im Kreis Siegen-Wittgenstein in insgesamt 16 Schulen Quarantänen angeordnet, im Kreis Olpe sind 47 Schulstandorte betroffen, wie die Kreise auf Anfrage mitteilen.

Auch geimpfte Schüler werden getestet

Anders als Grundschulen führen alle Schulen der Sekundarstufe Selbsttests durch, ebenfalls dreimal die Woche. „Es ist gut, dass auch die geimpften Schüler wieder an den Tests teilnehmen. Unser zweiter Fall ist bei einer geimpften Schülerin aufgetreten“, so Petra Scholl, kommissarische Leiterin der „Carl-Kraemer-Realschule“ in Hilchenbach.

Ich erlebe, dass
die Eltern sehr besonnen handeln und keine Ausbrüche in den
Schulen wollen.
Corie Hahn
Städtisches Gymnasium Bad Laasphe

„Wir staunen jeden Tag und halten die Luft an“, beschreibt Scholl die Situation ihrer Schule. Aktuell ist sie in der komfortablen Situation, dass seit den Weihnachtsferien erst zwei Schüler positiv getestet wurden. „Auch alle Kolleginnen und Kollegen sind aktuell an Bord“, so Scholl. Der Unterricht kann derzeit an der Realschule in Hilchenbach fast normal stattfinden. Da es kaum Corona-Fälle an der Schule gibt, ist auch der Stress für Eltern und Schüler überschaubar. „Aber, das kann sich morgen ändern, hier aber explodieren die Zahlen. Deswegen halten wir jeden Morgen die Luft an“, macht die Schulleiterin deutlich.

Der Montag ist immer spannend

Clemens Binder, Schulleiter am Johannes-Althusius-Gymnasium in Bad Berleburg, hat die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern an seiner Schule mitdenken und ihre Kinder kurzfristig nicht zur Schule schicken, wenn eine Kontaktperson positiv auf Corona getestet wurde: „Mein Eindruck ist, dass die Eltern verhindern wollen, dass Infektionen in die Schule eingetragen werden.“ „Ich erlebe, dass die Eltern sehr besonnen handeln und keine Ausbrüche in den Schulen wollen“, bestätigt Corie Hahn, die Leiterin des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe, die Einschätzung. „Die meisten Fälle sind bisher übers Wochenende aufgefallen, in der Schule zum Glück nur wenige. Daher ist immer der Montag spannend“, so Binder.

Für die Schüler ist Präsenzunterricht wichtig

„Die Tests sind in den Schulalltag übergegangen“, sagt Jost Hoffmann, Bezirksschülersprecher für Siegen-Wittgenstein. Aktuell seien drei Selbsttests in der Woche noch akzeptabel, wenn es die Lage erfordere, dann müssten es eben mehr sein. Auch er spricht sich für einen vorsichtigen Kurs aus: „Es ist sicher besser, wenn jemand zwei Tage zu viel nicht zur Schule geht, als ein Risiko in die Schule zu tragen.“ Für die Schülerschaft ist die Beibehaltung des Präsenzunterrichts ein zentrales Anliegen: „Das ist aus so vielen Gründen wichtig. Die Punkte führen wir seit zwei Jahren immer wieder an.“

Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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