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Tag eins des Neustarts
Schulsystem auf wackligen Beinen

Not macht erfinderisch: Am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in Siegen findet Unterricht jetzt auch in der Sporthalle statt. Lehrer Daniel Kring stehen dafür alle nötigen Hilfsmittel zur Verfügung.
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  • Not macht erfinderisch: Am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in Siegen findet Unterricht jetzt auch in der Sporthalle statt. Lehrer Daniel Kring stehen dafür alle nötigen Hilfsmittel zur Verfügung.
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cs Siegen. Die Kritik war heftig, die Diskussion groß. Am Donnerstag öffneten die Schulen in NRW die Türen für ihre Prüflinge, um den Schulbetrieb während der Corona-Krise zumindest ein Stück weit wieder aufzunehmen. Auch die Berufskollegs auf dem Fischbacherberg in Siegen nahmen erstmals nach dem fast fünfwöchigen Shutdown wieder Schülerinnen und Schüler in Empfang, die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen stellte die Einrichtungen dabei vor einen wahren organisatorischen Kraftakt. Die SZ stattete den Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung sowie Allgemeingewerbe, Hauswirtschaft und Sozialpädagogik (AHS) einen Besuch ab. Erstes erfreuliches Zwischenfazit: Das Prozedere klappt bestens, die Schülerschaft ist sich ihrer Verantwortung zu großen Teilen offenbar bewusst.

cs Siegen. Die Kritik war heftig, die Diskussion groß. Am Donnerstag öffneten die Schulen in NRW die Türen für ihre Prüflinge, um den Schulbetrieb während der Corona-Krise zumindest ein Stück weit wieder aufzunehmen. Auch die Berufskollegs auf dem Fischbacherberg in Siegen nahmen erstmals nach dem fast fünfwöchigen Shutdown wieder Schülerinnen und Schüler in Empfang, die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen stellte die Einrichtungen dabei vor einen wahren organisatorischen Kraftakt. Die SZ stattete den Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung sowie Allgemeingewerbe, Hauswirtschaft und Sozialpädagogik (AHS) einen Besuch ab. Erstes erfreuliches Zwischenfazit: Das Prozedere klappt bestens, die Schülerschaft ist sich ihrer Verantwortung zu großen Teilen offenbar bewusst.

Enorme logistische Herausforderung

„Wir sind froh, zumindest in Teilbereichen wieder unterrichten zu können“, sagt Bardo Nußbickel, Schulleiter des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung. Es sei gut, dass die Abschlussjahrgänge ihre Prüfungen in Angriff nehmen könnten – Ziel sei es, dass jeder bis Ende Juni sein Zeugnis in den Händen hält. Der Neustart stellt die Einrichtung dabei allerdings vor enorme logistische Herausforderungen. Zu „normalen“ Zeiten zählt die Berufsschule 2950 Schüler, pro Tag sind im Zuge der dualen Berufsausbildung maximal 1600 von ihnen in den Räumlichkeiten am Stadtwald zugegen. Seit Donnerstag nun werden insgesamt 1091 Schüler wieder beschult, „ein Drittel ist also wieder an Bord“, rechnet Nußbickel vor. In einem organisatorischen Kraftakt habe man die Abläufe so takten können, dass sich in der Schule nie mehr als 250 Schüler gleichzeitig aufhalten. Der Unterricht wird so gut es geht verteilt, die einzelnen Tage zudem in zwei Korridore – von der ersten bis zur sechsten und von der siebten bis zur zwölften Stunde, also bis 18.30 Uhr – aufgeteilt.

Sporthalle zum Klassenzimmer umfunktioniert

So sei dafür Sorge getragen, dass alle Abstandsregelungen eingehalten würden; auch die Turnhalle wurde kurzerhand zum Klassenzimmer umfunktioniert. Insgesamt sieht Bardo Nußbickel seine Schule gut gerüstet, zumindest hinsichtlich der aktuellen Schülerzahlen. „Wenn bald mehr Schülerinnen und Schüler dazu kommen sollten, stoßen wir aber an unsere Grenzen“, stellt der Schulleiter klar. Schließlich zählten vom 137-köpfigen Kollegium 45 Lehrer zur Corona-Risikogruppe und dürfen nicht eingesetzt werden, „von sieben Mathelehrern habe ich momentan nur noch einen“. So habe geprüft werden müssen, welche Mathestunden unbedingt notwendig seien, um die verbliebene Lehrkraft sinnvoll einzusetzen.

Am AHS fallen 20 von 92 Lehrern aus

243 der regulär 1316 Schülerinnen und Schüler trudelten am Donnerstag am AHS ein – „schon eine Menge“, findet Susanne Liedtke-Zöller. Natürlich habe man ebenfalls umfangreiche Vorkehrungen getroffen, berichtet die Vertretung der Schulleitung, dass der viel zitierte 1,50-Meter-Abstand eingehalten werden könne, da sich in den Räumen nie mehr als neun bis maximal zwölf Schüler aufhielten. Überall dasselbe Spiel: „Das bedeutet, dass eine 27er-Klasse ab jetzt drei Räume benötigt“, umreißt Liedtke-Zöller das organisatorische Problem, und von den eigentlich 92 Lehrern fallen derer 20 aus. Beim Schreiben des neuen Stundenplanes habe man Schwerpunkte gebildet, die Fachoberschule zum Beispiel bevorzugt, da hier am Montag die Prüfungsphase beginnt. Am Montag dann stoßen Berufsschüler hinzu, etwa Bäckereifachverkäufer. Und die Schüler des beruflichen Gymnasiums werden erst am Nachmittag ab 14.45 Uhr unterrichtet.

Susanne Liedtke-Zöller (l.) und Sonja Kunze hatten mit der Erstellung des neuen Stundenplanes in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun.
  • Susanne Liedtke-Zöller (l.) und Sonja Kunze hatten mit der Erstellung des neuen Stundenplanes in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun.
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Unterstützt bei den umfangreichen Aufgaben wurde Liedtke-Zöller von Sonja Kunze, Abteilungsleiterin des beruflichen Gymnasiums. „Was heute gilt, kann ab dem 4. Mai schon wieder ganz anders aussehen“, meint Kunze. Die eigenen Hausaufgaben habe man erledigt, Sorge bereitete durchaus die Frage, ob sich die Schüler an alle Vorgaben halten würden, vor allem beim Fußmarsch auf den „Fischi“. Liedtke-Zöller berichtet am Vormittag jedoch von erfreulichen Beobachtungen.

"Das wird nicht möglich sein"

Ähnliches lässt das Berufskolleg Technik verlauten. Dessen Schulleiter, Manfred Kämpfer, konstatierte, dass alles wie geplant angelaufen sei und man die „herausfordernde Situation“ zum Start gut gemeistert habe, In der ersten Phase des „Hochfahrens“ werden hier wieder 800 Schüler unterrichtet (nie mehr als 500 gleichzeitig). „Draußen wird sich aber nicht ganz an die Abstandsregeln gehalten“, legt Kämpfer den Finder in die Wunde – das bereitet hinsichtlich möglicher Infektionen Sorge.
Der Schulleiter stößt übrigens ins gleiche Horn wie sein Kollege Bardo Nußbickel. Man hoffe schon, dass nicht gleich zum 4. Mai die nächste Phase eingeläutet und die Anzahl der zu unterrichtenden Schüler deutlich ausgeweitet werde. „Da können wir gleich nach dem ersten Tag sagen: Das wird nicht möglich sein.“
Die weiteren Entscheidungen des NRW-Schulministeriums dürften die Berufskollegs der Krönchenstadt also gespannt verfolgen.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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