Schwäne und Spiegel

Karin Hillmer zeigt die vielen Facetten des Strebens nach Unendlichkeit: „He was perplexed they were 8297 nanoseconds too late“. Fast wie in Olympia!  Foto: gmz
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gmz Siegen. Ob da noch etwas hineinpasst? Ja, doch, in das gesammelte Wissen der Welt, wie wir es in gedruckter Form aus Diderots Encyclopédie kennen, passt immer noch etwas hinein! Per Plastiktrichter filtrieren die Renaissance-Gelehrten dem Buch weiteres Wissen ein, in „Wikipedia-demokratisiertem“ Gewand. „A million and one years to the end of knowledge“ heißt dieses Bild. Wissen wird grenzenlos, aber auch unüberschaubar und bleibt ohne feste Zuordnung.

Witz und Hintergründigkeit zeichnen die Arbeiten von Karin Hillmer aus, die ab heute, 19 Uhr, in der Galerie der IHK im IHK-Gebäude gezeigt werden. „Ad Infinitum“ heißt die Schau, in der die in Weidenau geborene und in der Nähe von New York lebende Künstlerin neue Arbeiten zeigt (in Zusammenarbeit mit der Art Galerie – Helga Oberkalkofen).

Es sind Fotos, die Karin Hillmer zeigt, Fotos, die sie am Rechner mit Bildern eigener Aquarelle oder Gemälde, mit Scans von Ausrissen oder Fotos eigens gebauter Objekte zu neuen Welten zusammenstellt, zu Welten, die zeigen, dass sich Strukturen, Vorstellungen oder Wünsche unendlich fortsetzen, wiederholen (wenn auch in neuem Gewand) oder Zeiten überdauern.

So auch die beiden Cranach-Figuren von Adam und Eva, die sich in einem Urwald-Tümpel mit Rotwangenschildkröten wiederfinden, an dessen Rand europäische Bäume stehen, im Hintergrund eine moderne Vorstand-Wohnsiedlung. Der keineswegs vertrauenerweckende Tümpel geht in einen Gletschersee über. Die beiden Figuren stehen etwas verloren da, vor allem, wenn sie über den Bildtitel nachdenken: „back in paradise for ever and ever and ever“. Mit der gekonnten Verbindung, in überraschender Trompe-l’œil-Tradition in moderner, fotorealistischer Gestalt, von verschiedenen Zeiten überwindet Karin Hillmer Zeit- und Raumgrenzen: „Zeit“, bemerkt die Künstlerin bei der Vorbesichtigung der Ausstellung, „wird immer mehr zusammengedrängt“, und auch fragmentiert, dabei aber scheinbar immer stärker gefüllt, so dass aber letztlich „gefühlt“ immer weniger Zeit da ist. Dagegen stellt sie die Unendlichkeit der Zeit, indem sie Spiegel in ihre Collagen einbaut, die den Bildraum in sich ins Unendliche erweitern. Die Zeit damit ebenso. Gleichzeitig fordert der Spiegel, der manchmal auch nur versteckt auftaucht, die Zeit zu reflektieren, damit sich selbst zu reflektieren. Wozu brauche ich Zeit, ist die Frage?

So wie in dem humorvollen, Bild in dem ein Renaissance-Paar auf einer Uhr steht, ein Schwan sitzt auf der 8. Dahinter verschwindet eine Landschaft im Nebel. „About one-hundred-and-twenty joyful minutes away from infinity“: Die Unendlichkeit beginnt um Acht – wie jeden Abend mit der Tagesschau?! Oder ist da noch mehr? In der Natur ? Im eigenen Erleben?Karin Hillmer zeigt in ihren sorgfältigen Bildern, die teils auch von Borges-Erzählungen inspiriert sind, dass Menschen an einem Punkt angekommen sind, an dem sie sich darauf besinnen müssen, dass alles Wissen, alle Zeit, alle Bestrebungen auch der Frage nach dem Ziel, nach dem eigenen Standpunkt standhalten müssen. Eine Frage, die Karin Hillmer in ihrer Vielschichtigkeit auf ästhetisch packende Weise illustriert.Karin Hillmer. Ad Infinitum.IHK-Galerie, Koblenzer Straße 121,bis 23. April,montags bis donnerstags 8 bis 16.30 Uhr,freitags bis 15.30 Uhr, sowie jeden1. Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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