Schwarzwälder, Cognac und ab...!

Waltraud und Mariechen erstmals in Siegen / Ablachen mit Heißmann und Rassau

Siegen. »Nedde« Menschen, die Franken! Denen verzeiht das Publikum gerne den »gendeschnischen Defeggt«, dass Hochdeutsch bei ihnen einfach nicht geht. Ganz zu Anfang verteilt Martin Rassau Bonbons an die Siegerländer. Das Haltbarkeitsdatum der Plombenzieher ist zwar längst abgelaufen, aber immerhin... Es ist die Geste, die zählt. Das Eis ist schnell gebrochen bei der ersten Expedition von Heißmann&Rassau an die Ufer der Sieg. Im Süden ist das Komödianten-Duo längst »Kuld«, der Rest der Republik soll jetzt erobert werden. Die rund 300 Menschen im Gläsersaal der Siegerlandhalle leisten jedenfalls keinen nennenswerten Widerstand, sondern lachen rund zwei Stunden lang. Und das ist gesund, wie Volker Heißmann weiß: »Jedes Lachen verlängert das Leben, Sie gewinnen also heute ein paar Stunden!«

So gesehen waren die Siegener am Dienstagabend wirklich Gewinner. Wer die Komiker vom Bayern-Fernsehen kennt, bekommt, was er erwartet: Klassische Sketche inklusive phantasievoller Kostüme und Grimassen. Ein Höhepunkt ist zum Finale der Auftritt von Waltraud und Mariechen, die mit »Gehwächele« und Hilfe der Malteser aus Köln angedackelt kommen. Seit das Witwen-Duo den »Musikantenstadl« aufmischt, sind die im Tiger-Look aufgebrezelte Waltraud (Martin Rassau) und das ein wenig schusselige, aber bauernschlaue Mariechen (Volker Heißmann) auf dem Weg zu nationalem Ruhm. Vom Erfahrungsschatz der »Damen« können dabei durchaus auch jüngere Menschen profitieren. Mariechen zum Thema Zärtlichkeiten im Alter (möglichst originalgetreue Übersetzung aus dem Fränkischen): »In unserem Alter hast du keine Zeit mehr noch SMS zu schicken. Das muss so gehen: Schwarzwälder Kirsch, einen Cognac und dann ab...!«

Volker Heißmann und Martin Rassau spielen seit 1991 zusammen und haben bei rund 300 Auftritten pro Jahr sichtlich immer noch viel Spaß an dem, was sie so treiben. Das Duo mit eigenem Theater in Fürth (»Comödie«) schaut dem Volk aufs Maul und dreht Alltagsprobleme durch den Kabarett-Comedy-Wolf. Politik kommt nur am Rande vor, wird dann aber auf den Punkt gebracht. Etwa wenn Ede Stoiber, »der selbst keinen ganzen Satz rausbringt«, Sprachtests fordert. Rassau: »Da haut es uns doch gleich nach den Sachsen raus!« Gut beobachtet auch Rassaus Autofahrer-Nummer, die in einer bizarr-realistischen Reisebus-Raststätten-Horrorshow gipfelt: »9000 Jahre quillen aus dem Bus...«

Nicht nur optisch ein Highlight ist Heißmanns Auftritt als Quotenmann des Frauenstrickkreises. Brunos Bärenschwester besänftigt der verständnisvolle Franke nach dem Motto »Make Love, Not War«, denn »in Fürth schießt man höchstens auf einen Clubberer« (Anhänger des 1. FC Nürnberch).

»Allmächdnaa« (so der Titel des Programms), die Franken waren da. Und sie wollen wiederkommen. Vor allem wohl wegen der Lampen im Gläsersaal, die es Heißmann und Rassau angetan haben und als Running-Gag den ganzen Abend über beleuchtet wurden. Volker Heißmann: »An sich sind die Lampen sehr schön, nur an dürfen sie nicht sein.« Ein wenig Spott mussten sich auch die Menschen in den ersten Reihen gefallen lassen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht und dafür dann länger lebt...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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