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Prozess um sexuellen Missbrauch
"Schweigen ist Gold"

Zeitweise herrschte ein reger Briefwechsel zwischen dem Onkel und seiner Nichte.

sos Siegen/Bad Laasphe. Zahlreiche Briefe und Postkarten, die der Angeklagte seiner heute 30-jährigen Nichte früher geschickt hatte, las Richterin Elfriede Dreisbach am Mittwoch im Rahmen der Verhandlung vor. Anhand des Schriftverkehrs sollte das Verhältnis zwischen dem Onkel und dem Mädchen deutlicher werden, das – so deutete Verteidiger Dirk Löber die Briefe jedenfalls – „sehr herzlich“ gewesen sei. Sein 64-jähriger Mandant muss sich derzeit vor der 1. großen Strafkammer verantworten: Ihm wird vorgeworfen, zwei seiner Nichten aus Bad Laasphe zwischen 1999 und 2010 missbraucht zu haben.
Briefe des Angeklagten an die NichteDie vorgelesenen Schriftstücke stammten aus den Jahren 1997 bis 2004.

sos Siegen/Bad Laasphe. Zahlreiche Briefe und Postkarten, die der Angeklagte seiner heute 30-jährigen Nichte früher geschickt hatte, las Richterin Elfriede Dreisbach am Mittwoch im Rahmen der Verhandlung vor. Anhand des Schriftverkehrs sollte das Verhältnis zwischen dem Onkel und dem Mädchen deutlicher werden, das – so deutete Verteidiger Dirk Löber die Briefe jedenfalls – „sehr herzlich“ gewesen sei. Sein 64-jähriger Mandant muss sich derzeit vor der 1. großen Strafkammer verantworten: Ihm wird vorgeworfen, zwei seiner Nichten aus Bad Laasphe zwischen 1999 und 2010 missbraucht zu haben.

Briefe des Angeklagten an die Nichte

Die vorgelesenen Schriftstücke stammten aus den Jahren 1997 bis 2004. Immer wieder schrieb der Angeklagte, dass er das junge Mädchen vermisse, schickte Küsse und Umarmungen. Antworten seiner Nichte gab es auch, zumindest bezog sich der Mann zwischendurch auch auf Fragen von ihr. Immerhin ein Brief von der damals 13-Jährigen war gestern auch dabei; in diesem bedauerte sie, dass ihr Onkel gerade nicht da sei.

Die Antworten blieben aus

Im April 2003 hatte er noch geschrieben, dass er oft an sie denken müsse, wenn er die Sterne betrachte, und gemeinsame Reisepläne geschmiedet. Später im selben Jahr wunderte er sich, dass seine Nichte nichts mehr von sich hören ließ. 2004 fragte er dann nach, ob sie nur schreibfaul sei oder ob ihre Mutter – seine Schwester – sie kontrolliere und die Post abfange.

Der letzte Brief kam 2004

Die junge Frau sagte gestern aus, dass sie sich an einen Brief noch genau erinnere, und zwar an den letzten, den ihr Onkel ihr schrieb. Im April 2004 wünschte er der Familie einen „schweigsamen Sommer“ nach dem Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Damit sei die Sache für sie endgültig beendet gewesen, ohnehin habe sie längst nicht mehr auf seine Briefe geantwortet. Grundsätzlich sei die Post von ihm unregelmäßig gekommen, „vielleicht immer, wenn er wieder Lust auf ein kleines Mädchen hatte“, so die heute 30-Jährige.

"Permanente Angst" in der Familie

Verteidiger Löber befragte gestern sowohl das Opfer als auch die Mutter erneut zu den Vernehmungen bei der Polizei: Wer war wann anwesend, was wurde mit wem besprochen, hat der Polizeibeamte gesagt, dass ein Haftbefehl ausgesprochen wurde? Die Frage, ob Ermittlungsergebnisse je Thema gewesen seien, bejahte die Mutter. Der Beamte habe ihr mitgeteilt, dass der Angeklagte gestellt worden sei. Diese Information habe er dann auch an ihre Angehörigen weitergegeben, als Entwarnung: „In der Familie herrschte eine permanente Angst.“

Briefe aus dem Wohnmobil vermisst

Löber kündigte an, zu einem späteren Zeitpunkt noch einen Beweisantrag zu stellen: Sein Mandant habe angegeben, dass sich in seinem Wohnmobil eine Kiste mit Briefen der Familie befunden habe – „den Inhalt halte ich schon für wichtig“, so der Verteidiger. Bei der Durchsuchung der Polizei wurde jedoch nichts dergleichen entdeckt.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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