Schweinekopf auf Moschee-Baustelle

In Hachenburg muss die Polizei klären, wer den Schweinekopf auf der Moschee-Baustelle abgelegt hat.

damo - Weil Schweine im Islam als unrein gelten, wiegt die Provokation doppelt schwer.

Ein Sprecher der Polizei sagte am Mittwoch, dass die Ermittlungen aufgenommen wurden. Welches Delikt im Raum steht, konnte der Pressesprecher der Polizeiinspektion Montabaur auf Nachfrage der SZ aber nicht sagen: „Wir lassen durch die Staatsanwaltschaft prüfen, wo es sich unterbringen lässt.“ Und noch ein Punkt wird von der Polizei aktuell geklärt: nämlich der, ob es sich wirklich um einen Schweinekopf handelt. Weil auch diese Untersuchung nicht ins klassische Betätigungsfeld eines Polizisten fällt, hat die PI Montabaur einen Veterinär ins Boot geholt.

Aber selbst wenn der Tierkopf nicht der eines Schweines ist, spricht die Aktion eine klare Sprache. Und die Aussage ist für Hachenburg nicht neu: Schon mehr als einmal war die Stadt durch fremdenfeindliche Aktionen in den Fokus geraten - zuletzt im  Dezember 2016. Auch damals war der geplante Moschee-Bau der Aufhänger für Protestkundgebungen in der Innenstadt. 

Noch ist völlig unklar, auf wessen Konto die makabre Aktion mit dem Tierkopf geht. Fakt ist aber: Auch in Kreisen, die viel eher der politischen Mitte als dem rechten Rand zuzuordnen sind, stößt der Bau des Gebetshauses nicht auf ungeteilte Zustimmung. Zum einen hatte die Nachbarschaft des geplanten Gebetshauses um einen möglichst schlichten Baustil, also ohne Minarett oder Kuppel, gebeten – diesem Ansinnen wird Rechnung getragen. Zum anderen macht der Bauherr nicht glücklich: Hinter dem Bauvorhaben steht eine Ditib-Gemeinde – und diese stehen bekanntlich unter Verdacht, ein verlängerter Arm Erdogans zu sein.

Hachenburgs Stadtbürgermeister Stefan Leukel bestätigte gestern im Gespräch mit der SZ, dass gegen den Bauherrn sehr wohl „Vorbehalte in der Stadt bestehen“. Aber: Gerade deshalb sei es wichtig, im Dialog zu bleiben. Entsprechende Versuche gab es bereits: So wurde schon vor geraumer Zeit ein Runder Tisch geschaffen, an dem neben Kommunalpolitikern auch Vertreter der Kirchen und Schulen saßen – und natürlich die Ditib-Gemeinde. Aber deren Vertreter haben sich aus dem Gremium zurückgezogen. „Dort herrschte zuletzt nicht das beste Klima“, ließ Leukel durchblicken – wohl auch, weil das Gremium nicht paritätisch besetzt war. Daher ist es Leukels Anliegen, eine neue Gesprächsplattform zu finden: „Die Frage ist nicht, ob wir Gespräche führen, sondern wie.“

Losgelöst von dem weiteren Procedere ließ Leukel aber keinen Zweifel daran, dass am Dienstag „Grenzen überschritten“ worden sind: „Diese Aktion ist absolut inakzeptabel“, verurteilte das Hachenburger Stadtoberhaupt die Schmähung der islamischen Gemeinde scharf. „Jeder Mitbürger verdient Respekt und Wertschätzung“, sagte er: Das sei für ein „friedliches Miteinander“ eine unabdingbare Voraussetzung.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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