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Bei Corona-Demo in Siegen
Schwere Vorwürfe eines Mediziners - Klinik widerspricht

Der Arzt nahm an der Demonstration teil und trug dabei ein Plakat mit sich, das sich gegen eine Impfpflicht richtete.
  • Der Arzt nahm an der Demonstration teil und trug dabei ein Plakat mit sich, das sich gegen eine Impfpflicht richtete.
  • Foto: Kay-Helge Hercher
  • hochgeladen von Michael Sauer

tip Siegen. Ein Arzt des St.-Marien-Krankenhauses Siegen hat sich am Montagabend im Rahmen einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen und die aktuell diskutierte Impfpflicht zu Wort gemeldet. Darin behauptet er, die Impfungen könnten “lebensgefährlich” sein, auch für gesunde und junge Menschen. Eine Impfpflicht sei “absurd und falsch”. Ein Video der Rede liegt der Siegener Zeitung vor. Sein Arbeitgeber distanzierte sich in einer ersten Stellungnahme von den Äußerungen des Mediziners.

Der Mann stellt sic

tip Siegen. Ein Arzt des St.-Marien-Krankenhauses Siegen hat sich am Montagabend im Rahmen einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen und die aktuell diskutierte Impfpflicht zu Wort gemeldet. Darin behauptet er, die Impfungen könnten “lebensgefährlich” sein, auch für gesunde und junge Menschen. Eine Impfpflicht sei “absurd und falsch”. Ein Video der Rede liegt der Siegener Zeitung vor. Sein Arbeitgeber distanzierte sich in einer ersten Stellungnahme von den Äußerungen des Mediziners.

Der Mann stellt sich am Mikrofon auf dem Scheinerplatz vor dem Apollo-Theater als Christoph Nicklaus vor. Er sei Oberarzt im Marien-Krankenhaus. Die Klinik bestätigte diese Angaben, der Mann ist auf der Homepage als Mitglied der Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin aufgeführt. Er “fühle sich verantwortlich”, Dinge, die er im Klinikalltag erlebe, “zu kommunizieren. Man darf sie nicht unter den Tisch fallen lassen”.

Kritiker der Corona-Maßnahmen erneut auf der Straße

Seit zwei Jahren sei ihm eine “massive Häufung an Lungenembolien” aufgefallen. Für ihn sei dies unerklärbar, denn es handele sich dabei um kerngesunde Menschen, die mit schweren Symptomen ins Krankenhaus kämen. In zwei Fällen habe dies auch zum Tod geführt, wobei in einem Fall eine Myokarditis - also eine Herzmuskelentzündung - ursächlich gewesen sein soll. Nicklaus: “Da mutmaße ich einfach, dass da ein Zusammenhang besteht mit der Johnson&Johnson-Impfung, zum Beispiel.” Weiter: “Ich behaupte, aufgrund meiner klinischen Erfahrung, dass diese Impfung nicht trivial, sondern möglicherweise lebensgefährlich ist. Und das nicht nur für alte Leute.” Der Zusammenhang sei für ihn offensichtlich.

Wahrscheinlich, so der Mediziner, hätten junge und gesunde Menschen mit der Infektion durch das Coronavirus “viel weniger Probleme als mit der Impfung”. “Diese Menschen zu zwingen, sich impfen zu lassen, finde ich absurd und falsch”, sagt Nicklaus. Kinder zu impfen sei “irrsinnig”. Auf dem Plakat, das der Arzt im Rahmen der Demonstration trug, stand “Ich bin Arzt und Demokrat und lehne die Impfpflicht ab”. Weiterhin behauptet Nicklaus, Kollegen würden nicht alle auffälligen Fälle in Zusammenhang mit Impf-Komplikationen an das Paul-Ehrlich-Institut melden.

Marien-Krankenhaus distanziert sich von den Aussagen

Das St.-Marien-Krankenhaus Siegen teilt mit, dass die im Video getroffenen Aussagen “in einem Gegensatz zu der von uns artikulierten Auffassung zu Notwendigkeit und Wirksamkeit eines Impfschutzes gegen die Coronaerkrankung stehen”. Man bedauere, “dass ein Mitarbeiter aus unserem Krankenhaus den Anschein erweckt hat, auf einer Demonstration für unser Haus zu sprechen und durch seine Ausführungen für Verunsicherung gesorgt hat”.

Den Aussagen möchten wir entschieden widersprechen. Sie decken sich nicht mit unseren Erkenntnissen.
Christian Stoffers
Sprecher St.-Marien-Krankenhaus

Sprecher Christian Stoffers: “Den Aussagen möchten wir entschieden widersprechen. Sie decken sich nicht mit unseren Erkenntnissen.” Vor einer abschließenden Bewertung werde man nun allerdings das Gespräch mit dem Oberarzt suchen.

Daten ausgewertet

Das St.-Marien-Krankenhaus in Siegen hat nach eigenen Angaben die Aussagen des Arztes hinsichtlich der angeblich aufgetretenen Komplikationsraten geprüft. Prof. Dr. Michael Buerke, Chefarzt der Kardiologie: „Wir haben die medizinischen Daten der vergangenen Jahre ausgewertet und verglichen.Eine signifikante Häufung von Thrombosen und Lungenembolien können wir nicht erkennen. Ferner ist keinerlei direkter Zusammenhang zwischen einer Impfung und einer Thrombose in irgendeinen Fall im St.-Marien-Krankenhaus zu erkennen.“

Das Herz- und Gefäßzentrum des Klinikums behandelt jährlich über 7000 Fälle und ist damit eines der Hochleistungszentren in Südwestfalen. Sprecher Christian Stoffers teilte mit, dass man "die durch die getroffenen irreführenden Ausführungen entstandene Verunsicherung" wieder abzubauen versuchen werde.

Schnell machte nach der Online-Berichterstattung der Siegener Zeitung das Gerücht die Runde, der Mediziner sei von seinen Aufgaben entbunden oder suspendiert worden. Das Krankenhaus als Arbeitgeber widerspricht: Christoph Nicklaus arbeite bis zur Klärung des Vorfalls "ganz normal weiter".

Autor:

Tim Plachner

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