Sehenswerte Sammlung

Der älteste Brief stammt aus dem Jahr 1670

Siegen. Die Postgeschichtliche Heimatsammlung dokumentiert anhand von Briefen, Stempeln und Dokumenten die Post- und Zeitgeschichte der Stadt Siegen im Verlauf der vergangenen 500 Jahre. Der älteste Brief ist aus dem Jahr 1670 an Monsieur Hatzfeld (1663–1688, Rat und Sekretär in fürstlichen Diensten der ev. Landesherrschaft) gerichtet. So genannte Botenbriefe datieren aus den Jahren 1682, 1750, 1754 und 1785, da eine Post im heutigen Sinne noch nicht bestand.

Wertvollstes Objekt der Sammlung, die zu besonderen Anlässen präsentiert wird, ist nach Aussagen der Vereinsvorstandsmitglieder ein Brief der Fürstin Sophie Polixene zu Nassau (letzte lebende Fürstin im Unteren Schloss zu Siegen) an Monsieur le Comte Regent de Wied&Runkel zu Dierdorff. Der Brief ist abgestempelt mit dem bisher nur einmalig bekannten Negativstempel SIEGEN (gezackter Holzstempel) der Kaiserlichen Post. Dank großzügiger Sponsoren war es möglich, diesen Brief auf einer Auktion für die Heimatsammlung zu erwerben.

1808 bis 1813 gehörte Siegen zum Großherzogtum Berg. Für 33 Postämter, darunter Siegen und Dillenburg, wurden in Paris Poststempel angefertigt. Aus dieser Zeit datiert ein interessanter Feldpostbrief von Langenholdinghausen über Siegen nach Düsseldorf. Soldaten waren mit 80 Pferden unterwegs zum General Blücher in Frankfurt. Mit 41 Pferden, welche nicht angenommen wurden, lagen sie in Langenholdinghausen ohne Vorgesetzte und die Bevölkerung war unwillig. In ihrem Brief baten sie den Präfekten um Hilfe.

Ab 1816 gab es einen zweizeiligen preußischen Aufgabestempel für Siegen. Nur zehn Jahre im Gebrauch war ein Zweikreis-Versuchstempel von 1820 bis 1830. Bei dem geringen Postaufkommen selten. In der Sammlung sind zahlreiche Briefe mit verschiedenen Stempeln vorhanden, beispielsweise Auslandsbrief, Paketbegleitbriefe, Eilbriefe (cito), Citishime (sehr eilig) usw. Es handelt sich alles um Briefe ohne Briefmarken aus vorphilatelistischer Zeit.

Am 1. Januar 1850 wurde die OPD Arnsberg mit sechs Postämtern I. Klasse eingerichtet: Arnsberg, Dortmund, Hagen, Hamm, Iserlohn und Siegen. Am 15. November 1850 erschienen in Preußen die ersten Briefmarken, Währung in Silbergroschen.

Die Entwertung der Briefmarken erfolgte mit einem so genannten Vierringstempel mit einer Nummer von 1 bis 1987. Siegen erhielt die Nr. 1395. In der Heimatsammlung sind diese Briefe mehrmals dokumentiert. Am 1. Januar 1868 kam Siegen zum Norddeutschen Postbezirk. Marken und Stempel änderten sich entsprechend. Das Deutsche Reich übernahm am 1. Januar 1872 die Posthoheit. Als erste Marken erschienen die »Brustschildausgaben«, Hoheitsadler mit Brustschild. Der Postamtsneubau 1892 am Unteren Schloss (heute Museum für Gegenwartskunst) war ein bedeutender Schritt in der Postgeschichte der Stadt Siegen, dokumentiert durch ein Karte mit Dienstsiegel.

In diese Zeit fällt auch das Ende der Postkutschenzeit. 1861 war die Eisenbahnstrecke Hagen–Siegen eröffnet worden. Die Streckenöffnung Deutz–Gießen über Haiger erfolgte ein Jahr später. Ab da übernahm die »Bahnpost« die Beförderung von Briefen und Paketen.

Die Postgeschichte wurde in den nächsten Jahrzehnten durch die wechselvolle politische Entwicklung bestimmt. Kaiserzeit mit »Germania«-Marken, Erstem Weltkrieg und Feldpost sowie die Inflation in den Jahren 1923/24 bestimmten auch das philatelistische Geschehen. An den Postschaltern wurden Marken mit Werten in Millionen- und Milliarden-Höhe verkauft. Waren keine Marken zur Hand, mussten die Portosätze handschriftlich eingetragen werden. Ebenfalls in in der Heimatsammlung dokumentiert: Propagandamarken aus dem »Dritten Reich«, Feldpost aus dem Zweiten Weltkrieg, Nachkriegszeit und Währungsreform.

In den vergangenen 40 Jahren hat der Verein für Briefmarkenkunde und Postgeschichte 1908 durch Herausgabe von Sonderstempeln nicht nur die Postgeschichte, sondern auch die Heimatgeschichte in der Sammlung dargestellt. Die Dokumentation von Post- und Zeitgeschichte soll neben dem Sammeln von Briefmarken und Briefen auch weiterhin eine feste Vereinsaufgabe sein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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