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Hilfsprojekt als Beitrag gegen Corona
Seife für Afrika

Durch die Unterstützung von Utho Ngathi kann der 25-jährige Katlego Gaobakwe wieder raus an die frische Luft und die Sonne <jleftright>genießen. Der gesponserte Rollstuhl lässt den jungen Mann wieder mehr am sozialen Leben teilhaben.
  • Durch die Unterstützung von Utho Ngathi kann der 25-jährige Katlego Gaobakwe wieder raus an die frische Luft und die Sonne <jleftright>genießen. Der gesponserte Rollstuhl lässt den jungen Mann wieder mehr am sozialen Leben teilhaben.
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sabe Siegen. Totaler Lockdown bis Ende April. Stand jetzt, Anfang Juni, beginnen Städte und Provinzen im südlichen Afrika mit stufenweisen Lockerungen. Die komplette wirtschaftliche Destruktion soll vermieden und wieder mehr Freiheiten gewährt werden.
Seit 30 Jahren in Südafrika„Wir sind jetzt gerade da, wo ihr vor zwei Monaten wart.“ Die SZ erreicht Andreas Wörster in seinem Büro in Soweto. Vor drei Jahrzehnten hatte der Siegener seine ersten Berührungspunkte mit der afrikanischen Kultur, dem Land, den Menschen. „Das war damals ein Projekt mit dem CVJM Weidenau“, sagt er. „Jugendarbeit.“ Er ist geblieben. Im 30. Jahr macht Wörster sich für die Entwicklungshilfe stark, arbeitet in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen, einmal im Jahr reist er zurück in seine Heimat.

sabe Siegen. Totaler Lockdown bis Ende April. Stand jetzt, Anfang Juni, beginnen Städte und Provinzen im südlichen Afrika mit stufenweisen Lockerungen. Die komplette wirtschaftliche Destruktion soll vermieden und wieder mehr Freiheiten gewährt werden.

Seit 30 Jahren in Südafrika

„Wir sind jetzt gerade da, wo ihr vor zwei Monaten wart.“ Die SZ erreicht Andreas Wörster in seinem Büro in Soweto. Vor drei Jahrzehnten hatte der Siegener seine ersten Berührungspunkte mit der afrikanischen Kultur, dem Land, den Menschen. „Das war damals ein Projekt mit dem CVJM Weidenau“, sagt er. „Jugendarbeit.“ Er ist geblieben. Im 30. Jahr macht Wörster sich für die Entwicklungshilfe stark, arbeitet in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen, einmal im Jahr reist er zurück in seine Heimat. Knapp drei Monate bleibt er dann in Siegen, hält Vorträge in Schulen oder Kirchenkreisen. In diesem Jahr wird er wohl nicht kommen können – Covid 19 ändert Abfolgen. Darüber sei er traurig, sagt er, hat sich aber vor der Grenzschließung bewusst gegen eine Rückholaktion nach Deutschland entschieden: „Die Arbeit hier muss einfach weitergehen, auch und vor allem während Corona.“

Menschen mit Behinderung unterstützen

Vor 15 Jahren hat er Utho Ngathi initiiert. Ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit Behinderungen zu unterstützen, und dabei einen Brückenschlag bis ins ferne Siegerland schafft. Auch hier ist der Verein vertreten, generiert Spenden, hilft aus der Ferne. „Ohne die Unterstützung aus Deutschland könnten wir das in dieser Form nicht leisten“, sagt der Physiotherapeut. Gerade in den ländlichen Gebieten des südlichen Afrikas lebten Menschen mit Behinderungen oft isoliert und benachteiligt, erzählt Wörster im Gespräch. „Obwohl jetzt, 2020, schon von einer ganz anderen Offenheit gesprochen werden kann.“ Noch vor einigen Jahren sei die Situation für Menschen mit Beeinträchtigung eine andere gewesen. Ihr Leben wurde als wenig lebenswert wahrgenommen. „Ich habe oft erlebt, dass ein Kind mit schweren Behinderungen in eine Ecke abgestellt wurde.“

Corona verschärft die Lage maßgeblich

Das, so weiß es Andreas Wörster aus jahrelanger Erfahrung, sei Überbleibsel eines Gedankengutes aus wenig geleisteter Inklusionsarbeit, wenig Aufklärungsarbeit. Jetzt, bei Hausbesuchen (die unter anderem zum breit angelegten Spektrum des Vereins gehören), würden er und sein Team von den Familien freundlich empfangen – offen, nett, aufnahmebereit. „Manche wissen gar nicht, dass mit ein paar einfachen physiotherapeutischen Übungen die Behinderung gemildert werden kann.“ Die Zahl der Menschen mit Behinderungen, die in den Ländern des südlichen Afrikas leben, wird auf mehr als zwölf Millionen, also 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung, geschätzt, hiervon haben nur knapp 2 Prozent Zugang zu der für sie so notwendigen Unterstützung. Corona verschärft die schwierige Lage noch.

Hygieneartikel sind Mangelware

Trotz Shutdown, die Infektionszahlen steigen. Leben auf engstem Raum, in manchen Dörfern kein fließendes Wasser. Der Ausbruch von Covid-19 in Schwellen- und Entwicklungsländern multipliziert Krisen. Wörster und sein Team wollen helfen, einen Beitrag leisten. Das Projekt „Soap for Africa“ wird geboren und in die Strukturen des Vereins gebettet. Seife, Mundschutz, Desinfektion – wichtige Schlüssel im Kampf gegen das Virus, allerdings im ganzen Land Mangelware und für viele Menschen, die, wie in Soweto, in großer Armut leben, absolute Luxusproduke. Wörster und sein Team verteilen Hygienepakete an Familien, sind auf den Straßen unterwegs, erklären die so wichtigen Hygieneregeln.

Aufklärungsarbeit leisten

„Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich mir von meinem Monatsgehalt eine Maske oder ein Stück Brot kaufe, entscheide ich mich für letzteres, gerade wenn ich die Notwendigkeit nicht sehe.“ Die Dramatik der Lage, so führt Wörster aus, sei bei vielen Menschen – auch aufgrund fehlender Aufklärungsarbeit – noch nicht angekommen. Es seien zwar, wie in Deutschland, Gesetze zur Maskenpflicht in Supermärkten erlassen, das so wichtige Social Distancing allerdings, allein mit Blick auf die Wohnsituation vieler in Soweto, kaum einhaltbar. „Ein viel zu enges Blechhaus und eine riesige Großfamilie ...“ Gerade in solche Situationen will Utho Ngathi Hilfestellung leisten, im Einzelnen Großes bewirken, Situationen entzerren, Teilhabe am Leben schenken. Wie bei Katlego Gaobakwe und seiner Familie. Alle wurden mit den so wichtigen hygienischen Mitteln ausgestattet, gehört Katlego doch zu einer besonders gefährdeten Risikogruppe – der 25-jährige hat eine multiple Mehrfachbehinderung.

Teilhabe am Leben schenken

Neben Mundschutz und Masken hat Andreas Wörster für den jungen Mann, der von der Organisation nun schon seit Längerem betreut wird, noch eine andere Überraschung im Gepäck. „Wir haben ihm einen Rollstuhl besorgt, er war vorher seit einiger Zeit nicht in der Sonne, an der frischen Luft, war völlig unbeweglich.“ Katlegos Vater habe ihm dann später im Gespräch gesagt, er habe seinen Sohn endlich wieder lachen sehen.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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