Pflegenotstand?
Seniorenbeirat funkt SOS

Der Pflegenotstand ist ein Dauerthema. Unter anderem bei Pflegedemos in der Siegener City (Bild) oder bei Veranstaltungen der Martini-Kirchengemeinde.
  • Der Pflegenotstand ist ein Dauerthema. Unter anderem bei Pflegedemos in der Siegener City (Bild) oder bei Veranstaltungen der Martini-Kirchengemeinde.
  • Foto: Michael Roth (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Hoffmann (Redakteur)

ch Siegen. Die Schlagzeilen ähneln sich landauf und landab, prangern zumeist den sogenannten Pflegenotstand in fetten Lettern an: „Alarm im Altenheim”. „Pflege-TÜV versagt”. „Personalmangel, schlechte Gehälter und Überforderung: In vielen Einrichtungen brennen die Mitarbeiter aus, während die Patienten unter menschenunwürdigen Bedingungen leiden”. Auch der Siegener Seniorenbeirat funkt SOS. Nicht etwa, weil die Pflegeeinrichtungen in der Krönchenstadt eine unzureichende Patientenversorgung bieten, „sondern weil wir schlicht und einfach nicht wissen, was abgeht”, beklagten jetzt Dr. Maria Czell und Dr. Wolfgang Bauch im Gespräch mit der Siegener Zeitung stellvertretend für den Arbeitskreis „Gesundheit und Pflege” des Beirats.

Seit Jahren, genauer: bereits seit der vergangenen Seniorenbeirats-Wahlperiode 2012 bis 2017, versucht die gewählte Interessensvertretung für Siegens Bürger ab 60 sich ein ehrliches Bild zu verschaffen. Mit Hilfe von Besuchen von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, betrieben von Diakonie, Caritas und privaten Anbietern. Per Blick hinter die Kulissen von Krankenhäusern. Mit Hintergrundgesprächen zur medizinischen und pflegerischen Versorgung Älterer in den Hospizen. Dr. Maria Czell: „Wir haben mit vielen gesprochen, mit Chefärzten, Stationsleitern, Einrichtungschefs, Vertretern der Krankenkassen und Politikern. Fast immer haben wir zu hören bekommen, dass die Lage in der Pflege zwar angespannt sei, aber dass man im Alltag alles im Griff habe.”

Dazu kämen die positiven Gutachten und die guten Benotungen des Pflege-TÜV und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen, besser bekannt als MDK, dessen Job die Überprüfung bestimmter Qualitätsstandards in Pflegeeinrichtungen ist: „Jede Einrichtung erhält nach wie vor am Ende des Tages eine Schulnote zwischen 1,2 und 1,5, das hat wenig Aussagekraft. Transparenz sieht anders aus. Vor allem dann, wenn wir später punktuell und inoffiziell vom Personal erfahren, wo der Schuh drückt. Es kann einfach nicht sein, dass eine Nachtschwester, rechnerisch unterstützt von einer halben Stelle eines Auszubildenden, sich um 80 Patienten bzw. zu Pflegende kümmern muss. Was ist bei kritischen Problemlagen, wenn unvorhergesehen zwei Patienten gleichzeitig den Notknopf drücken? Was ist, wenn der Hausarzt, wie heute leider die Regel, nicht erreichbar ist?”, fragt Dr. Bauch besorgt. Es gehe nicht darum, Panik zu verbreiten. Doch unter dem Strich, so Czell und Bauch unisono, seien politische Forderungen flugs formuliert und höchstwahrscheinlich berechtigt und längst überfällig: Entweder der Personal- oder der Patientenschlüssel in den Pflegeeinrichtungen, je nach Betrachtungsweise, müsse geändert werden, „Zeit und Geld müssen ins System, damit die Mitarbeiter von der Aufnahme bis zum Entlassungsmanagement ihren Job machen können!”

Doch diese Forderung möchte der Arbeitskreis, der alle sechs bis sieben Wochen im Haus Herbstzeitlos zusammenkommt, gerne mit Situationsschilderungen unterlegen. Deshalb ruft er alle Bewohner bzw. Patienten und auch deren Angehörigen auf, ihre – guten wie schlechten – Erfahrungen und Erlebnisse mit Pflegeeinrichtungen in der Krönchenstadt zu teilen bzw. mitzuteilen.

Am besten schriftlich, adressiert an die Regiestelle „Leben im Alter“, Geschäftsstelle des Seniorenbeirates (Weidenauer Straße 211-213, 57076 Siegen, Stichwort: Pflege). Czell und Bauch abschließend: „Umso mehr Rückmeldungen wir bekommen, desto mehr Argumente haben wir an der Hand, um mit unserem Anliegen einer verbesserten Pflege durchzudringen – sei es bei den Leistungserbringern, bei den Kostenträgern oder bei der Politik!”

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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