SZ

Erstmals gibt es eine Chronik
SGV-Bezirk Siegerland wird 125

In Gemeinschaft die Natur erkunden – das ist es, was die vielen Mitglieder des Sauerländischen Gebirgsvereins verbindet. Diese Foto entstand vor über einem Jahrhundert. Es zeigt Aktive der SGV-Abteilung Weidenau anno 1911 während einer Wanderung von Kaan nach Volnsberg.
4Bilder
  • In Gemeinschaft die Natur erkunden – das ist es, was die vielen Mitglieder des Sauerländischen Gebirgsvereins verbindet. Diese Foto entstand vor über einem Jahrhundert. Es zeigt Aktive der SGV-Abteilung Weidenau anno 1911 während einer Wanderung von Kaan nach Volnsberg.
  • Foto: SGV
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja Siegen. „Der Sauerländische Gebirgsverein SGV ist der Wegbereiter des Tourismus“, sagt Udo Reik-Riedesel und meint dies nicht nur mit Blick auf die Kennzeichnung der vielen Wanderwege, für die SGV-Aktive verantwortlich zeichnen, sondern damit einhergehend auch im übertragenen Sinn. Der Deuzer ist Vorsitzender des SGV-Bezirks Siegerland und froh über das Engagement der ehrenamtlichen Mitstreiter in den heute 18 Abteilungen, die in diesem Jahr allen Grund zum Feiern hätten: Fand die Gründung des Bezirks doch am 8. April 1896 und somit vor 125 Jahren statt. Fünf Jahre, nachdem der Dachverband in Hagen aus der Taufe gehoben worden war. Mit im Boot auf Bezirksebene von Anbeginn: die Abteilungen Krombach, Siegen, Wilnsdorf und Burbach.

nja Siegen. „Der Sauerländische Gebirgsverein SGV ist der Wegbereiter des Tourismus“, sagt Udo Reik-Riedesel und meint dies nicht nur mit Blick auf die Kennzeichnung der vielen Wanderwege, für die SGV-Aktive verantwortlich zeichnen, sondern damit einhergehend auch im übertragenen Sinn. Der Deuzer ist Vorsitzender des SGV-Bezirks Siegerland und froh über das Engagement der ehrenamtlichen Mitstreiter in den heute 18 Abteilungen, die in diesem Jahr allen Grund zum Feiern hätten: Fand die Gründung des Bezirks doch am 8. April 1896 und somit vor 125 Jahren statt. Fünf Jahre, nachdem der Dachverband in Hagen aus der Taufe gehoben worden war. Mit im Boot auf Bezirksebene von Anbeginn: die Abteilungen Krombach, Siegen, Wilnsdorf und Burbach.

Udo Reik-Riedesel und Dieter Tröps erstellen SGV-Chronik

Im Jubiläumsjahr haben Reik-Riedesel und sein Vorstandskollege, Kulturreferent Dieter Tröps, Pionierarbeit geleistet: Das Duo grub sich tief in die unterschiedlichsten Archive ein – und erstellte die allererste Chronik. Dokumente aus den ersten Jahren verbrannten im Zweiten Weltkrieg infolge eines Bombenangriffs. Die Recherche aber hat sich gelohnt: Entstanden ist ein hochinteressantes Buch, das viel mehr als das Vereinsleben mit seinen Höhen und Tiefen beschreibt und dabei auch dunkle Kapitel wie die Zeit des Nationalsozialismus nicht ausspart, als mit Landgerichtspräsident Otto Schneider ein überzeugter Nazi den Vorsitz, genauer gesagt die „Bezirksführung“, innehatte.

Udo Reik-Riedesel (l.) und Dieter Tröps vom Vorstand des SGV-Bezirks haben Pionierarbeit geleistet und eine Chronik erstellt.
  • Udo Reik-Riedesel (l.) und Dieter Tröps vom Vorstand des SGV-Bezirks haben Pionierarbeit geleistet und eine Chronik erstellt.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Der Vorsitzende aus Deuz spricht selbst von einem Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung von der Kaiserzeit bis heute. Von einer Zeit also, in der selbst ein Fahrrad Luxusgegenstand und das Wandern eine der wenigen möglichen Freizeitbeschäftigungen war, bis in die digitalisierte Welt von heute, in der ein Virus vielen Menschen die Schönheit der Natur vor der eigenen Haustür wieder nahe brachte.

SGV-Bezirk Siegerland will Feier 2022 nachholen

Apropos Corona: Nach 125 Jahren wollte der heute rund 2200 Mitglieder zählende Bezirksverein – er sieht sich als Bindeglied zwischen Dachverband und den Abteilungen – zum zweiten Mal nach 1971 Jubiläum feiern. „Erst kam die Weltwirtschaftskrise dazwischen, 1946 war auch kein richtiger Zeitpunkt und 1996 scheint niemand auf die Idee gekommen zu sein. Und nun macht Corona einen Strich durch die Pläne“, so Reik-Riedesel: „Das holen wir aber 2022 hoffentlich nach.“

Wandern und geselliges Miteinander – daran denken wohl viele, wenn vom SGV die Rede ist. Die erste „Amtshandlung“ des Siegerländer Bezirks, so ist dem SZ-Archiv zu entnehmen, bestand darin, eine Lizenz zum Ausschank für das Forsthaus Hohenroth zu beantragen. 1904 dann warf ein bedeutender Meilenstein seine Schatten voraus: Der SGV sammelte Geld für den Bau eines Aussichtsturms auf dem Kreuztaler Kindelsberg, dessen Fertigstellung drei Jahre später gefeiert wurde. Erweiterungen und Modernisierungen hin zum heutigen Gasthaus folgten. Derzeit wird mit der Krombacher Brauerei über einen Erbpachtvertrag verhandelt.

Nach zwölf "braunen" Jahren musste SGV-Bezirk Siegerland neu starten

Der Bezirk besitzt zwei weitere Türme: auf dem Rabenhain zwischen Volnsberg und Bürbach (er ist 125 Jahre alt) sowie auf dem Pfannenberg bei Eiserfeld. Und auch jener auf der Lauseiche bei Siegen, oberhalb des Hermelsbacher Friedhofs, 1894 vom SGV Siegen erbaut, befand sich ab 1938 in Bezirkshänden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel er aber nach und nach.
Die Wanderbewegung der 1920er-Jahre bescherte dem SGV immer größeren Zulauf; Tagesausflüge mit bis zu 400 Teilnehmern, oft mit anschließendem Tanz in der Natur, waren laut Chronik-Duo keine Ausnahme. Diese Zeiten sind vorbei.

Nach den zwölf „braunen“ Jahren fiel ein politisch unbelasteter Neustart offenkundig schwer: Nicht nur der Vater des Jugendherbergswesens, Wilhelm Münker aus Hilchenbach, argumentierte dagegen, dass mit Emil Reusch ein ehemaliges Mitglied der NSDAP und Wegbegleiter Schneiders den Vorsitz übernahm. Die Wahl erfolgte 1946 dennoch. In seine Fußstapfen trat bis 1969 Dr. Lothar Irle – ein weiterer Mann mit NSDAP-Vergangenheit.

In den 1980er-Jahren avancierte der Bezirk Siegerland mit nahezu 5000 Mitgliedern zum größten innerhalb des SGV. Themen damals waren u. a. das Bewahren von Naturschutzgebieten und die Sorge vor dem geplanten Weiterbau der A 4. Stellungnahmen zu politischen Entwicklungen, die Auswirkungen auf die heimische Landschaft haben, gab es in der Folge immer wieder. Zuletzt vor einigen Wochen, nachdem im Entwurf des Regionalplans von Windrädern am Kindelsberg zu lesen war.

Kreuztal wehrt sich gegen Regionalplan

SGV-Bezirk Siegerland macht "Natur wanderbar"

Was sind für Udo Reik-Riedesel und Dieter Tröps die Hauptaufgaben des SGV? „Wir machen die Wege in der Natur wanderbar“, sagt der Vorsitzende. „Wir beschildern sie und sorgen für Ruhebänke.“ All dies geschieht ehrenamtlich, betont Tröps. Der SGV finanziert seine Aktionen über Mitgliedsbeiträge; allein die Kennzeichnung von Wegen in Naturparks wird refinanziert.

Die Wegemarkierung war schon immer ein Hauptaugenmerk des SGV. Diese alte Aufnahme vom Oktober 1911 zeigt die Abteilung Weidenau auf dem Wanderweg nach Crottorf.
  • Die Wegemarkierung war schon immer ein Hauptaugenmerk des SGV. Diese alte Aufnahme vom Oktober 1911 zeigt die Abteilung Weidenau auf dem Wanderweg nach Crottorf.
  • Foto: SGV
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

„Wer wandern will, muss heute natürlich keinem Verein angehören“, weiß Reik-Riedesel. Trifft er auf einer seiner vielen Touren durch die Natur auf junge Leute oder Familien, die mithilfe von GPS ihr Ziel ansteuern, kann er es sich oft nicht verkneifen, sie auf den SGV aufmerksam zu machen: „Wir digitalisieren schließlich auch die Wanderwege. Ohne unser Ehrenamt wüsste der Satellit nicht, wo sich der Wanderer befindet, ohne uns wäre die Infrastruktur für den Wandertourismus in unserer Region nicht vorhanden.“ Dies bewusst zu machen und ständig um neue Mitglieder zu werben, sei eine der Hauptaufgaben. Damit der Verein auch das nächste Jubiläum noch feiern kann.

Die Ziele des SGV-Bezirks Siegerland

Zu den Zielen des SGV zählen:

  • Pflege und Förderung des Wanderns,
  • Markierung der 1540 km Wanderwege,
  • Heimat- und Brauchtumspflege,
  • nachhaltige Sicherung der Natur als Lebensgrundlage und zur Erholung,
  • Einsatz für Natur- und Umweltschutz, aktive Landschaftspflege und vorausschauende Landschaftsplanung,
  • Jugendpflege.

In den 125 Jahren übernahmen diese Männer den Vorsitz im Bezirksvorstand:
Gottlieb Kranold (1896 - 1897)
Ernst Günther (1897- 1898)
Franz Schuster (1898 - 1905)
Martin Roedig (bis 1920)
Otto Schneider (bis 1945)
Emil Reusch (bis 1952)
Dr. Lothar Irle (bis 1969)
Heinz Engels (bis 1984)
Gerhard Bensberg (bis 1986)
Jost Peter Weiß (bis 2006)
Jürgen Althaus (2008 bis 2013)
Udo Reik-Riedesel.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen