"Click and meet" wenig wirtschaftlich
Shoppingerlebnis "light"

Juwelier Michael Grimm will erst mal schauen, wie es anläuft mit „Click and Meet“. Er ist jedenfalls froh, wieder Kunden im Laden begrüßen zu können.
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  • Juwelier Michael Grimm will erst mal schauen, wie es anläuft mit „Click and Meet“. Er ist jedenfalls froh, wieder Kunden im Laden begrüßen zu können.
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sabe/ako/win Siegen/Olpe/Bad Berleburg. Einfach vorbeikommen ist nicht, Terminvereinbarung (Click and meet) ist angesagt. Auch für die SZ. Der ist via Telefon unkompliziert abgemacht, Ulrike und Michael Grimm haben zumindest am Vormittag noch Plätze frei. Im Siegerland-Center herrscht recht geschäftiges Treiben, einige Maskierte schauen durch Schaufenster, vor manchen Geschäften bilden sich erste Schlangen. Angekommen vor dem „Juwelier Grimm“ darf nach den bekannt-eingeübten Schutzmaßnahmen und einem freundlichen „hereinspaziert“ das erste Mal nach Wochen ein Einzelhandelsgeschäft betreten werden. Der abgemachte Termin öffnet die Pforten zu schmucken Uhren, zarten Ketten und einer handvoll Habtik. Endlich darf wieder anprobiert werden!

"Es geht eher um Bedarfskäufe"

Mit dem Terminshopping, das bei passendem Inzidenzwert seit dem Wochenstart auch den heimischen Einzelhändlern zarte Lockerungen ermöglicht, kommt sowohl für Käufer sowie Verkäufer zumindest ein wenig Shoppingflair zurück in die Läden – aber: „es ist nicht das Shoppingerlebnis schlechthin, das ist ganz klar“, fasst Karina Brühmann vom Handelsverband Nordrhein-Westfalen den ersten Eindruck vieler heimischer Händler zusammen. „Es geht eher um Bedarfseinkäufe.“ Aber dennoch sei es zumindest ein wenig Umsatz, der da passiere. „Trotzdem bringt das die Betriebe nicht aus dem Schneider.“ Manche, so Brühmann, hätten sich – Zeitpunkt jetzt – auch noch nicht in Gänze organisieren können. Es gebe auf beiden Seiten noch viele Unsicherheiten, auch die Inzidenzregelungen spielten da mit rein.

Viele wollen Angebot nutzen

Die aktuellen Trendumfrage zur Lage des Einzelhandels in NRW spiegelt die Einschätzung. Der durchschnittliche Umsatzeinbruch im Lockdown-Handel liegt bei 66 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche. Immer noch sehen sich knapp 40 Prozent der Geschäfte in einer existenzbedrohlichen Lage. Die eingeräumte Möglichkeit von Einkauf durch Terminvergabe wird dabei unterschiedlich bewertet: 16 Prozent der Umfrageteilnehmer erhoffen sich deutlich positive Umsatzeffekte, weitere 40 Prozent immer noch nennenswerte Umsatzeffekte. Ein knappes Drittel der Befragten erwartet hingegen, dass die durch „click and meet“ generierten Umsatzerlöse die hierdurch entstehenden Kosten nicht vollständig kompensieren werden. Dennoch haben fast 95 Prozent der Befragten angegeben, das Einkaufen durch Terminvergabe anbieten zu wollen.

Keine wirkliche Wirtschaftlichkeit

Auch das Ehepaar Grimm sieht im „click and meet“ keine wirkliche Wirtschaftlichkeit. „Dafür ist der Aufwand viel zu hoch.“ Allerdings: „Es ist trotz allem besser als nichts“, so Ulrike Grimm, die sich freut, ihre Kunden endlich wieder beraten zu dürfen – und zwar im Warmen. Die Prognosen für den Erfolg des Lockerungskonzepts im weiteren Verlauf bleiben dennoch zurückhaltender Natur. Auch, wenn erste Termine, vor allem für Trauringanproben, bereits im Kalender stehen. Man muss erstmal schauen, wie das anläuft.“ Die Menschen, glaubt Michael Grimm, seien durch die ganzen Regelungen rund um Richtwert und Inzidenz verunsichert: „Was darf ich jetzt und was nicht?“

"Click and Meet" noch nicht bei jedem angekommen

Auch bei Christine Acker, Geschäftsführerin der Stadtparfümerie Acker mit Filialen in Bad Laasphe und Bad Berleburg, sind am Montagmittag erste Termine vereinbart worden. Was das Verkaufsgeschäft angeht, sei das „Click and Meet“-Konzept kurz nach dem Öffnungsstart allerdings noch nicht bei jedem Kunden „angekommen“. Die Termin-Vergabe erfolge deshalb in den meisten Fällen spontan an der Ladentür. Wenn sich zum gegebenen Zeitpunkt keine Person im Geschäft aufhält, könne der Kunde auch direkt eintreten und seine Personendaten in die Liste eintragen: „Wir rechnen mit 30 Minuten pro Kunde, aber man muss das individuell anpassen. Wenn ein Kunde nur etwas abholen möchte, dauert das nicht so lange. Für die Beratung muss mehr Zeit eingeplant werden“, erklärt Christine Acker, die die neuen Lockerungen als eine „erste Erleichterung“ einstufte: „Wir haben nun die Möglichkeit wieder näher an den Kunden heranzutreten und beratend tätig zu sein. Aber wir können immer noch nicht so, wie wir gerne würden.“ Erfreulich ist die hohe Nachfrage nach Kosmetikbehandlungen, hier seien bereits fast alle Termine vergeben: „Das Telefon steht nicht still“, so die Geschäftsführerin.

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Juwelier Michael Grimm will erst mal schauen, wie es anläuft mit „Click and Meet“. Er ist jedenfalls froh, wieder Kunden im Laden begrüßen zu können.
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hnlich funktioniert es „im Großen.“ Bei Galeria Kaufhof in Siegen können ebenso Termine vor Ort, aber auch via Telefon oder online gebucht werden. „Wir freuen uns mit neuer Frühjahrsware unsere Kunden begrüßen zu dürfen. Wir haben auf unseren großen Flächen mit einem bewährten Hygienekonzept alles dafür getan, dass das Einkaufen so sicher wie nur möglich ist!“

Funkklingel fürs "Corona-Einkaufen"

Bei Klaus Sommer, Inhaber des Olper Spielwaren-Fachgeschäfts "Purzelbaum", funktioniert das "Corona-Einkaufen" hingegen über eine an die Ladentür geklebte Funkklingel. So kann die nötige Anmeldung auch recht spontan beim Vorbeigehen erledigt werden. Ihm fehlen genau 10 Quadratmeter, um zwei Kunden ins Geschäft zu lassen: 40 müssen es pro Kunde sein, 70 Quadratmeter ist der "Purzelbaum" groß. Dennoch ist er optimistisch, dass die erweiterte Öffnung gegenüber dem bisherigen "Click and meet" den Kundinnen und Kunden gerecht wird. "Das wird auch stark von der Witterung abhängig sein", so Klaus Sommer: Bei gutem Wetter könne er sich gut vorstellen, dass es auch zu Spontankäufen kommen werde, weil beim Flanieren etwas im Schaufenster entdeckt wird und dies dank der auch persönlich möglichen Anmeldung dann sofort mitgenommen werden kann. Ist ein Kunde im Geschäft, um etwas auszusuchen oder sich beraten zu lassen, schließt Sommer ab - "sonst kann ich ja nicht garantieren, dass eine ganze Familie spontan in den Laden kommt".

Vorteile im Ladengeschäft

Somit könne es sein, dass sich Kundinnen und Kunden auf kurzfristiges Warten vor der Tür einstellen müssen. Gerade bei Babyartikeln, die sich als Geschenke für Neugeborene oder Säuglinge eignen, weiß Sommer, dass die Kundinnen und Kunden die Ware gern vor dem Kauf anfassen und prüfen: "Das geht im Internet nicht", weist er auf einen der Vorteile des Ladengeschäfts hin. Und das während der harten Lockdown-Phase eingeführte Bestellen von Ware per Telefon oder Internet mit anschließender kontaktloser Übergabe an der Ladentür führt Sommer selbstverständlich weiter: "Wenn die Inzidenz nochmal steigt, werden wir ja wieder dorthin zurückkommen", erklärt der Einzelhändler.

Juwelier Michael Grimm will erst mal schauen, wie es anläuft mit „Click and Meet“. Er ist jedenfalls froh, wieder Kunden im Laden begrüßen zu können.
Juwelier Michael Grimm will erst mal schauen, wie es anläuft mit „Click and Meet“. Er ist jedenfalls froh, wieder Kunden im Laden begrüßen zu können.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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