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Kinderarzt plädiert für schnelle Wiedereröffnung von Schulen und Kitas
Shutdown ist Therapie mit Nebenwirkungen

js Siegen. Wann werden die Schulen und Kitas wieder aus dem Shutdown herausgeholt? Wie lange werden Homeschooling und -office unter einem Dach oder gar im selben Zimmer noch weitergehen? Der Antwort auf diese Fragen dürften derzeit Millionen von Eltern entgegenfiebern – am Mittwoch könnten aus Berlin erste Signale kommen, wenn die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten.

Aus Sicht von Dr. Ansgar Schmidt, der bis im vergangenen Jahr als Kinderarzt in Siegen tätig war, ist es höchste Zeit, einen breiteren Blick auf die Pandemiefolgen zu werfen.

js Siegen. Wann werden die Schulen und Kitas wieder aus dem Shutdown herausgeholt? Wie lange werden Homeschooling und -office unter einem Dach oder gar im selben Zimmer noch weitergehen? Der Antwort auf diese Fragen dürften derzeit Millionen von Eltern entgegenfiebern – am Mittwoch könnten aus Berlin erste Signale kommen, wenn die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten.

Aus Sicht von Dr. Ansgar Schmidt, der bis im vergangenen Jahr als Kinderarzt in Siegen tätig war, ist es höchste Zeit, einen breiteren Blick auf die Pandemiefolgen zu werfen. Dazu gehöre nicht zuletzt, die Bildungseinrichtungen für den Nachwuchs schnellstmöglich wieder in Betrieb zu nehmen: „Aus meiner Sicht gibt es keine Alternative: Kindergärten und Schulen sind unter vernünftigen Hygiene- und Schutzbedingungen zu öffnen.“

Kinder sind die Verlierer

Schmidt, der sich auf den am Samstag in der SZ dokumentierten offenen Brief einer unter den Corona-Belastungen leidenden Mutter zu Wort meldet, hat durchaus Verständnis für die in Schulen und Kitas Tätigen, die Sorge vor einer Gefährdung hätten. Aber insbesondere seien leider die Kinder die Verlierer in dieser angespannten Situation. „Dabei gibt es inzwischen gute und mehrfach bestätigte Studien, die belegen, dass keineswegs die Kinder die Treiber der Infektion sind.“ Bei fast allen Covid-19-Fällen in Schule und Kindergarten seien es die Erwachsenen gewesen, von denen die Infektion in die Einrichtung gebracht worden sei. 

In seiner Ansicht wird der erfahrene Kinderarzt gestützt von einer aktuellen gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Auch diese beiden Institutionen sagen, dass „der Erhalt des Betriebs von Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche die höchste Priorität haben“ müsse und auch umgesetzt werden könne.

Kinder keine Treiber der Pandemie

„Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen nehmen am SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen teil, sind aber selbst keine Treiber der Pandemie.“ Die Effektivität von Kita- und Schulschließungen zur Senkung des Infektionsgeschehens sei in der Literatur nicht belegbar. Die Kollateralschäden der Schließungen der für Kinder und Jugendliche systemrelevanten Einrichtungen seien „in ihrer weitreichenden Dimension bislang zu wenig berücksichtigt worden“, heißt es in dem Schreiben. Ansgar Schmidt befürchtet, dass die Kinder in der aktuellen Phase zunehmend abgehängt würden. „Man sollte nicht einfach mit der Rasenmähermethode arbeiten, sondern alles intelligenter regeln“, meint der Kinderarzt. Es müsse genau hingesehen werden bei den einzelnen Maßnahmen, was denn nun wirke und was nicht. Kinder mit vernünftigen Konzepten wieder in die Schulen und Kitas zu bringen, hält er für gerechtfertigt. Es bringe nichts, sie reflexhaft als Infektionstreiber anzusehen.

„Wichtig ist, dabei auf alles zu achten“, appelliert der Mediziner. Es könne ja beispielsweise nicht angehen, dass im vergangenen Jahr weniger Schlaganfälle behandelt worden seien im Shutdown – die seien ja nicht einfach seltener geworden. Und, galt für ihn in seinem Berufsleben genauso wie für die politischen Weichenstellungen in der Pandemie: „Wenn man eine Therapie macht, dann muss man eben auch alle Nebenwirkungen bedenken.“

Auch Psychologen warnen vor Folgen der Corona-Maßnahmen In einem offenen Brief warnen jetzt auch Psychologen, Kinder- und Jugendtherapeuten sowie -psychiater vor den Auswirkungen der Corona-Einschränkungen auf den Nachwuchs. In ihrem Berufsalltag beobachten sie seit Pandemiebeginn einen Anstieg psychischer Belastung bei Kindern und Jungendlichen aller Altersgruppen. Die Rede ist von vermehrten Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen, Essstörungen und Substanzgebrauch. Alarmierend sei die Zunahme von Ängsten, Spannungen im häuslichen Umfeld, häuslicher Gewalt, Leistungsabfall und Versagensängsten sowie ein stark erhöhter Medienkonsum und Gewichtszunahme. Die Unterzeichner fordern, dass die „erhebliche Not dieser Generation endlich ein Gehör finden“ müsse. Zu den konkreten Wünschen gehört auch die „sichere Öffnung von Kitas und Schulen“. Dies sei wichtig, da sich das Ende der Pandemie noch nicht abzeichne. Es brauche dringend Konzepte, wie der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden könne. Zudem müsse personelle Verstärkung in der Jugendhilfe und in den Jugendämtern her. Es müssten auch pandemiegerechte Freizeitangebote ermöglicht werden.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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