Einwohner-Arztpraxen-Relation
"Si-Wi" und Olpe schneiden schlecht ab

Der Kreis Olpe schneidet in der Einwohner-Arztpraxen-Relation im Landesvergleich am schlechtesten ab. Auch Siegen-Wittgenstein steht nicht viel besser da.
  • Der Kreis Olpe schneidet in der Einwohner-Arztpraxen-Relation im Landesvergleich am schlechtesten ab. Auch Siegen-Wittgenstein steht nicht viel besser da.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ap Siegen/Olpe. Laut statistischem Unternehmensregister gab es im Jahr 2019 in NRW insgesamt 18 621 Arztpraxen. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, entfielen demnach rein rechnerisch 964 Menschen auf jede Arztpraxis. Trauriges Schlusslicht in der Statistik: der Kreis Olpe. Mit 1381 Einwohnern je Praxis schneidet er im NRW-Vergleich am schlechtesten ab. Auch bei der Bevölkerungsgruppe der 60- bis 79-Jährigen liegt die Quote in Olpe am höchsten (293).

Ähnliche Zahlen für Siegen-Wittgenstein: Mit 1184 Einwohnern, die sich auf je eine der insgesamt 234 Praxisstandorte verteilen, landet der Kreis im Ranking nur auf Platz 48 von 53. Die Quote bei der älteren Bevölkerung liegt bei 259.

In städtischen Ballungsräumen hingegen waren die Zahlen aufgrund der höheren Konzentration von Arztpraxen deutlich niedriger als im ländlichen Raum: Bonn (562 Einwohner je Praxis), Münster (637) und Düsseldorf (642) wiesen landesweit die niedrigsten Quoten auf.

"Rein theoretische Zahlen"

„Das sind rein theoretische Zahlen, die mit dem Bedarf vor Ort manchmal wenig zu tun haben“, erklärt Dr. Martin Junker von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf SZ-Anfrage. Die Bedarfsplanung erfolge auf Basis „uralter“ Zahlen für den gesamten Kreis und durch einen eigenen Zulassungsausschuss, nach dem sich die KV richten müsse. „Da kommen manchmal obskure Dinge bei raus“, kritisiert der Bezirksstellenleiter Lüdenscheid, räumt aber ein: „Manchmal gehen die Interessen eben auseinander.“

Dass die Ergebnisse zwar einen Überblick über die regionale Verteilung der Praxisstandorte in NRW geben, aber keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die konkrete ärztliche Versorgungssituation zulassen, sagen auch die Statistiker. Hierfür sei nicht die Zahl der Praxen, sondern die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ausschlaggebend.

Diese werde aber in ländlichen Regionen immer weniger, warnt Junker. Insbesondere altersbedingte Praxisschließungen finden aus seiner Sicht bei der Planung des Bedarfs nicht genügend Berücksichtigung. „Man kann heute damit rechnen, dass man so kurzfristig keinen Nachfolger findet“, erklärt er.

Attraktivität der Region entscheided

Selbst in Regionen, in denen eine drohende Unterversorgung vorliege und Zuschüsse von bis zu 100 000 Euro zu erwarten sind, sei es schwierig, junge Ärzte zu bekommen. „Man sieht, dass das Finanzielle nicht mehr im Vordergrund steht“, erzählt Junker.

Eine gute Work-Life-Balance mit geregelten Arbeitseiten und einem ansprechenden Freizeitangebot, aber auch das Betreuungsangebot innerhalb der Gemeinden spielten heutzutage eine deutlich größere Rolle als noch vor 15 Jahren. „Darauf muss man sich einstellen und da müssen Kommunen, Industrie und alle anderen Player mitspielen“, so die Forderung des KVWL-Bezirksstellenleiters. Diese Aspekte sollten seiner Ansicht nach künftig deutlich mehr Berücksichtung in der Bedarfsplanung finden. „Das sind alles Zahlenspielchen am Schreibtisch. Die haben mit der Realität wenig zu tun“, resümiert Junker.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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