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Geschätzte Kosten von 80 Millionen Euro
Siegbergtunnel doch wieder aktuell

Selbst außerhalb des Berufsverkehrs herrscht auf dem Hohlen Weg in Siegen täglich dichter Verkehr. Die Route durchs Wohngebiet ist kurz, das wissen Wilnsdorfer, die nach Weidenau oder Geisweid fahren wollen, nur zu gut.
  • Selbst außerhalb des Berufsverkehrs herrscht auf dem Hohlen Weg in Siegen täglich dichter Verkehr. Die Route durchs Wohngebiet ist kurz, das wissen Wilnsdorfer, die nach Weidenau oder Geisweid fahren wollen, nur zu gut.
  • Foto: Michael Roth
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir Siegen. Donnerstag am Mittag: Eigentlich keine Rush-Hour in Siegen. Am Hohlen Weg suche ich eine Parkbucht, sofort ertönt von hinten eine Hupe. Laut und deutlich. Platz da.
Szenenwechsel: Früher haben auf dem Hohlen Weg die Anwohner Federball gespielt, so ruhig gelegen war die Wohnstraße. Sagt Dr. Gunhild Müller-Zimmermann, und die weiß es vom ehemaligen Besitzer ihres jetzigen Wohnhauses.
Stau auf dem Hohlen WegHeute hängt ein Auto dem nächsten Pkw fast an der Stoßstange, im Berufsverkehr stauen sie sich vom Abzweig Giersbergstraße zurück bis zur Welterstraße. „Wer von Wilnsdorf nach Weidenau und Geisweid will oder zurück, der fährt durch den Hohlen Weg“, das erlebt die Anwohnerin jeden Tag. „Den Umweg über Kochs Ecke mit Staus nimmt keiner in Kauf.

mir Siegen. Donnerstag am Mittag: Eigentlich keine Rush-Hour in Siegen. Am Hohlen Weg suche ich eine Parkbucht, sofort ertönt von hinten eine Hupe. Laut und deutlich. Platz da.
Szenenwechsel: Früher haben auf dem Hohlen Weg die Anwohner Federball gespielt, so ruhig gelegen war die Wohnstraße. Sagt Dr. Gunhild Müller-Zimmermann, und die weiß es vom ehemaligen Besitzer ihres jetzigen Wohnhauses.

Stau auf dem Hohlen Weg

Heute hängt ein Auto dem nächsten Pkw fast an der Stoßstange, im Berufsverkehr stauen sie sich vom Abzweig Giersbergstraße zurück bis zur Welterstraße. „Wer von Wilnsdorf nach Weidenau und Geisweid will oder zurück, der fährt durch den Hohlen Weg“, das erlebt die Anwohnerin jeden Tag. „Den Umweg über Kochs Ecke mit Staus nimmt keiner in Kauf.“
Der dichte Verkehr im Wohngebiet ist kein Zufall. „Seit in der Innenstadt am Kölner Tor weniger Autos fahren, hat sich alles extrem verschlimmert“, so Müller-Zimmermann. Nicht allein Autos sind auf dem Hohlen Weg in Massen unterwegs. An das Lkw-Verbot hält sich kaum jemand, 40-Tonner tauchen immer wieder dort auf.

Siegbergtunnel die Lösung?

Sich selbst begeben die Anwohner täglich in höchste Gefahr, wenn sie denn tatsächlich versuchen, ein Auto aus der eigenen Garage zu fahren. Müller-Zimmermann hat ihre eigene Technik: „Ich taste mich nach Geräusch vor.“ Ein gefährliches Unterfangen. Weil vom Giersberg aus gerne mal Radfahrer lautlos ins Tal fahren, meistens mit Tempo. Was tun? Abhilfe schaffen könnte ein Siegbergtunnel.
Seit 2005/2006 ruht das Projekt. „Ich bin mir sehr sicher, dass wir darüber noch intensiv diskutieren werden. Der Tunnel ist eine Option, die man nicht ohne Weiteres ad acta legen sollte“, sieht Bürgermeister Steffen Mues in die Zukunft. Mit Grund: Der Autoverkehr nimmt jedes Jahr zu. Mues ist fest davon überzeugt, dass im bald vorliegenden Verkehrsentwicklungsplan zum Siegbergtunnel einige Aussagen stehen werden. „Vielleicht auch der Halbsatz, das ein Tunnel finanziell nicht zu realisieren sein wird.“

Deutlich höhere Kosten zu erwarten

1988 sind schon einmal die Kosten für einen Siegbergtunnel von der Juliusstraße (als Verlängerung der HTS-Abfahrt an Reichwalds Ecke) bis zur Wallgrabenstraße/Marienborner Straße errechnet worden. 40 Millionen DM. Seitdem hat sich alles immens verteuert, auch die technischen Anforderungen haben sich erhöht. So müsste ein solcher Tunnel aktuell zwei Röhren haben.

Verkehr um Stadt herumleiten

Bewusst für die Planung und den Bau eines Siegbergtunnels sprechen sich die Sozialdemokraten aus. Ingmar Schiltz: „Wenn wir die Verkehrsberuhigung in der Innenstadt ernst nehmen wollen, müssen wir den Verkehr um die City herumleiten. Am besten geht das durch den Siegberg.“ Siegen müsse sich innerstädtisch zur Fußgängerzone entwickeln. Mit dem Ziel, dass sich die Menschen, auch die von außerhalb, hier gerne aufhalten und ihre Einkäufe so nebenbei erledigen.
Ohne Zuschüsse kann sich die Stadt Siegen ein solches Bauprojekt nicht leisten. Das ist Schiltz sehr bewusst. Förderprogramme des Landes und des Bundes müssten möglich sein, mit denen die Aufenthaltsqualität in Innenstädten erhöht und die Belastung der Menschen durch Kfz-Abgase reduziert werde. Schiltz: „Es wird auch ein Umdenken bei den Fördergebern nötig sein.“

Initiative gegen den Siegbergtunnel

Immer noch wachsam sind die Aktiven der Initiative gegen den Siegbergtunnel. Sibylle Klappert gehört zu den Frauen und Männern der ersten Stunde, die unter allen Umständen einen Tunnel verhindern wollen. Hohe Baukosten sprächen mit Sicherheit dagegen, sie geht von 80 Millionen Euro aus. Sollten sich die Prioritäten bei Bund und Land ändern, sei Gefahr im Verzug. „Ich will das nicht ins Reich der Fabel verweisen“, sagt Klappert. Die Initiative existiere weiterhin, auch wenn die Sommerfeste nicht mehr stattfinden. „Wir befinden uns zwar im Dornröschenschlaf, aber wenn sich beim Siegbergtunnel etwas tun sollte, werden wir unsere Stimme erheben.“

Kosten auf 80 Millionen Euro geschätzt

Zu den Tunnelgegnern zählen zu 100 Prozent die Grünen. „Einem solchen unfinanzierbaren Projekt werden wir nie zustimmen“, redet Michael Groß Klartext. Auf bis zu 80 Millionen Euro schätzt auch er die Kosten. Finanziell würde ein solches Projekt Siegen seiner Ansicht nach ruinieren. „Siegen hat schon einmal versucht, dem Land NRW einzureden, so ein Projekt sei eine Landesstraße, das hat nicht geklappt.“ Dass der Hohle Weg belastet ist, gesteht Groß ein. Generell müssten Kreuzungen optimiert und Einbahnregelungen gefunden werden.

Tunnel für Entlastung der Innenstadt

In der Vergangenheit noch zählten die Liberalen zu den Gegnern eines Siegbergtunnels. Jetzt wirbt die FDP dafür. Dieser Tunnel oder alternative Lösungen seien für die Entlastung der Innenstadt unverzichtbar. Man könne nicht mehr 20, 30 Jahre warten, steht im Wahlprogramm. Kurzfristig müssten für die belasteten Anwohner Lösungen gefunden werden: „Die möchten wir im neuen VEP sehen.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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