Siegen liegt Timo Schlabach zu Füßen

»Sportfreunde« machten aus 0:1 noch 4:1:

Fußball wie im Rausch: alle vier Tore vorbereitet / Aber weiterhin Abwehrschwächen

geo Siegen. Wenn Fußball-Experten in Erklärungsnotstand geraten, retten sie sich gerne in diese Phrase: »Der hat einfach einen Lauf!« Aber wie sonst soll man die rasante Leistungsexplosion des 22-jährigen Timo Schlabach erklären, der in der letzten Saison über sporadische Kurzeinsätze nicht hinaus kam und derzeit einen Spieltag nach dem anderen die Regionalliga Süd in Grund und Boden spielt? Wären die knapp 3200 Zuschauer Trainer, würden sie den Siegener Spielern für die kommenden schweren Spiele (in Saarbrücken und im DFB-Pokal gegen LR Ahlen) vermutlich folgendes Rezept empfehlen: Spielt jeden Ball auf »Schlabbi«, dann fallen die Tore schon von selbst!

Nun heißt aber einerseits der Trainer Michael Feichtenbeiner, und andererseits ist Fußball eben alles andere als logisch. So war es zwar in der Tat eine Augenweide, ja eine Pracht, wie der junge Wittgensteiner das Schweinfurter Abwehrgebilde in 90 Minuten in einen Trümmerhaufen verwandelte, doch bei aller Freude darf niemand die Augen verschließen vor weiter ungelösten Ungereimtheiten in der Siegener Hintermannschaft. Als Optimist könnte man die These vertreten, das werde jedes Spiel ein wenig besser. Als Pessimist erschrickt man hingegen vor den Namen der nächsten Gegner und bemüht eilig den in der gemeinen Fußball-Rhetorik schon reichlich strapazierten Begriff von der »fehlenden Zuordnung«

Unsöld mit neuem »Rechtsdrall«

Trainer Feichtenbeiner hatte sich gegen die Nordbayern etwas Neues einfallen lassen und seinen »Kapitän« Oliver Unsöld aus der Abwehrmitte auf die rechte Abwehrposition beordert. Ein erstaunlicher Schachzug, bei dem sicher auch die Hoffnung auf größere Kopfballstärke der »längeren« Islamoglu und Zott ein wenig Vater des Gedankens ist. Diese Qualitäten waren gegen die klein gewachsenen Popovic und Georgiev eher nicht gefragt, um so bitterer, dass das überraschende 0:1 nach 13 Minuten durch eine Kopfballvorbereitung Georgievs auf Adil Er Barhami fiel, der mühelos einschieben konnte.

Spielaufbau über rechts gediegener

Freilich hatte die Abwehrumstellung, die im Übrigen mit jeder Minute mehr auch ein wenig mehr »passte«, auch ihr Gutes. Denn der Spielaufbau über den routinierten und technisch versierten Unsöld auf rechts wirkte weitaus gediegener als in den Vorwochen. Der spielte mit Kopf, auch wenn er in der 2. Halbzeit einige Male des Guten zu viel riskierte und Fehlpässe schlug. Auch Peter Nemeth griff entschiedener in die eigene Spielgeometrie ein, bot sich jedem Mitspieler zum Anspiel an und schlug 60-m-Pässe, die in der präzisen Ausführung ihresgleichen suchen.

Nutznießer war meist Timo Schlabach, der ständig unterwegs war und über seine vier Torvorbereitungen hinaus noch zahllose andere Angriffsaktionen inszenierte. Siegens Teamleitung ist daher gut beraten, a) dafür zu sorgen, dass dieses Juwel schön brav auf dem Teppich bleibt und b) Augen und Ohren offen zu halten, denn die »Häscher« (sprich: Spielerbeobachter) saßen bereits gestern auf der Tribüne. Gutes spricht sich schnell herum.

Gut ist freilich noch untertrieben, schildert man die Entstehung des 1:1. An der Mittellinie erkämpfte sich Schlabach, der praktisch keinen Zweikampf verliert, bissig das Leder, marschierte entschlossen durch die gegnerische Hälfte und hatte dann das Auge für den Querpass zu Jozef Kotula, der nicht minder entschlossen zum Ausgleich traf. Tor Nr. 2 ging nur der Hauch einer Ballberührung Schlabachs voraus, mit der er elegant Lars Toborg am Strafraum frei spielte. Der zögerte einmal, zögerte zweimal und schoss dann doch präzise an den entgegen gesetzten Innenpfosten - der Bann war in der 61. Minute gebrochen. Nur zwei Minuten später wuchtete John van Buskirk einen Schlabach-Eckball mit Urgewalt per Kopf zum 3:1 in die Maschen. Und beim 4:1 war Schlabach, mittlerweile auf den rechten Flügel »ausgewandert«, nach Nemeth-Steilpass abermals entwischt. Sein Pass nach innen drückte Andreas Nauroth aus drei Metern eher ungeschickt in Richtung Tor, so dass Thomas Boden noch herankam. Doch der Schweinfurter rettete nicht, sondern zentrierte die Kugel erst recht in die eigenen Maschen.

Kochs Parade war der Wendepunkt

Dazwischen hatte vor allem Lars Toborg noch hundertprozentige Chancen, gegen die desorganisierte Gäste-Abwehr, doch der Neuzugang versiebte. Das halbe Dutzend wäre demnach am Ende durchaus drin gewesen, doch sollte die Freude über so viel Angriffslust und -kunst nicht die noch ungelösten Probleme übertünchen, denn nicht alle Gegner sind so schwach wie Schweinfurt 05. Vor allem die Zone vor der Vierer-Abwehrkette muss besser mit den Hintermännern kooperieren. Fortschritte waren erkennbar, wenn auch nur geringe. Ein großer Fortschritt auch: Andreas Koch im Tor erinnerte an allerbeste Zeiten. Die Glanztat, mit der er das mögliche 0:2 in der 23. Minute verhinderte, war vielleicht sogar der Wendepunkt im Spiel!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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