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Offenburg als Vorbild
Siegen setzt in Schulen erstmals auf dezentrale Belüftung

Die Stadt Offenburg macht es vor: Bei jeder Schule, die sie saniert, wird ein dezentrales Lüftungssystem eingebaut. Das, was gegen überhitzte Klassenräume und stickige Luft hilft, dürfte auch beim Kampf gegen unliebsame Aerosole helfen.
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  • Die Stadt Offenburg macht es vor: Bei jeder Schule, die sie saniert, wird ein dezentrales Lüftungssystem eingebaut. Das, was gegen überhitzte Klassenräume und stickige Luft hilft, dürfte auch beim Kampf gegen unliebsame Aerosole helfen.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen. Die Schulen füllen sich wieder. Nach und nach soll der Lockdown gelockert werden, aus dem Digitalunterricht geht es irgendwann zurück in die Präsenz. Egal um welche Jahrgangsstufe es sich handelt, alle Stundenpläne haben dabei eines gemeinsam: das regelmäßige Lüften. Bei Wind und Wetter, ob frühlingsmild oder bitterkalt, müssen unliebsame Aerosole raus aus dem Klassenraum. Wird das stete Aufreißen der Fenster nun auf alle Zeit zum neuen Alltag gehören? Möglich.
Dezentrale Belüftung für die Jung-Stilling-Schule
Technische Hilfe für eine Dauerlösung könnte künftig jedenfalls mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Die Stadt Siegen beispielsweise hat vor, bei der Erweiterung ihrer Jung-Stilling-Schule auf neue Wege zu setzen.

js Siegen. Die Schulen füllen sich wieder. Nach und nach soll der Lockdown gelockert werden, aus dem Digitalunterricht geht es irgendwann zurück in die Präsenz. Egal um welche Jahrgangsstufe es sich handelt, alle Stundenpläne haben dabei eines gemeinsam: das regelmäßige Lüften. Bei Wind und Wetter, ob frühlingsmild oder bitterkalt, müssen unliebsame Aerosole raus aus dem Klassenraum. Wird das stete Aufreißen der Fenster nun auf alle Zeit zum neuen Alltag gehören? Möglich.

Dezentrale Belüftung für die Jung-Stilling-Schule

Technische Hilfe für eine Dauerlösung könnte künftig jedenfalls mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Die Stadt Siegen beispielsweise hat vor, bei der Erweiterung ihrer Jung-Stilling-Schule auf neue Wege zu setzen. Das Sanierungs- und Anbauprojekt, durch das die Weidenauer Grundschule fit gemacht werden soll für den offenen Ganztagsbetrieb, steht in den Startlöchern.

Mehr Kinder, steigende Herausforderungen

Bei der Feinplanung, so bestätigt die Verwaltung, soll der Architekt ein dezentrales Belüftungssystem berücksichtigen. Die Pandemie ist der Schulträgerin eine Lehre. Corona dürfte schließlich nicht das letzte Virus sein, das uns beschäftigt.
Wie genau dieses Vorhaben an der Stilling-Schule umzusetzen ist, wird in den kommenden Monaten zu überlegen sein. Architekt Stephan Almasi hatte der Politik bereits im Dezember von einer Kommune berichtet, die hier als Vorbild dienen könnte. Die Stadt Offenburg im sonnenverwöhnten Baden setzt seit einiger Zeit auf ein dezentrales Belüftungssystem, das nunmehr bei jedem Schulsanierungsprojekt zum Tragen kommen soll.

Stadt Offenburg als Vorbild für Siegen

Die SZ hat nachgefragt in der Kreisstadt des Ortenaukreises. „Wir haben genau das erreicht, was wir erreichen wollten“, berichtet Architekt Hans-Jürgen Schneble vom strategischen Energiemanagement im Offenburger Rathaus. Seit etwa fünf Jahren hat sich die Verwaltung auf Beschluss des Gemeinderates auf den Weg gemacht, dicke Luft aus den Klassenräumen zu verbannen. Nicht Corona war die Triebfeder, sondern die klimatischen Bedingungen im Südwesten der Republik. Da, wo Deutschland am wärmsten ist, sorgten insbesondere hitzige Sommertage für unerträgliche Bedingungen in Klassenräumen. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Hochschule und Energieversorger hat die Stadt Messungen durchgeführt – und Konsequenzen gezogen.
Nicht nur die Hitze stellte nämlich ein Problem dar, sondern auch die CO2-Konzentration in der Luft. Um genau die bei bestehenden Gebäuden in den Griff zu bekommen, wurden unterschiedliche Belüftungsmethoden ausprobiert. Einige schieden aus, erwiesen sich als nicht praktikabel. Schlussendlich habe sich ein dezentrales System herauskristallisiert, das eigentlich für Wohnhäuser konzipiert – in Offenburg aber erstmals auch auf Klassenstärke gebracht wurde.

Kosten: 15.000 Euro pro Klassenraum

Die Belüftungsanlage kommt ohne zentrales Rohrsystem aus und kann damit bei einer Sanierung in die Fassadendämmung integriert werden. Als Testobjekt stattete die Stadt Offenburg eine Förderschule aus den 70er-Jahren mit dem Frischluftsystem aus. Pro Klassenraum wurden vier Wärmetauscher mit je zwei Lüftern über die Fensterfront verteilt. Die sorgen für permanenten Luftaustausch; automatisch reguliert mit einem CO2-Sensor, aber auch manuell verstellbar. Und in der Tat: Die Ergebnisse waren so überzeugend aus Sicht des Schulträgers und wurden von den Nutzern so gut akzeptiert, dass inzwischen drei weitere kommunale Schulen auf diese Weise ausgestattet wurden.
Zum Nulltarif ist das natürlich nicht zu haben. Rund 15.000 Euro pro Klassenraum mussten die Offenburger zusätzlich in die Hand nehmen, das waren etwa 17 Prozent der Sanierungskosten. Hinzu kommen Wartungs- und Stromkosten. Auch mit einer gewissen Geräuschkulisse müssen Schüler und Lehrer leben: mal mehr, mal weniger, abhängig von der notwendigen Drehzahl. „Bei Stillarbeit ist es zu hören“, räumt Schneble ein. Dann hätten die Lüfter etwa die Lautstärke eines Computers.
Auch wenn die Anlage zunächst wegen „dicker Luft“ in die Fassade gebracht wurde, so rechnet Hans-Jürgen Schneble auch für gute Effekte bei der Vertreibung von Viren. „CO2 und Aerosole verhalten sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich.“
André Schmidt, Schuldezernent der Stadt Siegen, kann sich gut vorstellen, dass Belüftungssysteme bei den Schulbaurichtlinien der Zukunft eine wesentliche Rolle spielen dürften – ähnlich wie schon jetzt das Thema Barrierefreiheit. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir die Standards überdenken müssen.“ Bis es so weit ist, hilft nur eins: ordentlich lüften.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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