Siegen sucht neuen Kämmerer

Dirk Käsbach (l.) und André Jethon stellten sich am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss vor. Beide bewerben sich um das Amt des Kämmerers der Stadt Siegen. Fotos: ch
  • Dirk Käsbach (l.) und André Jethon stellten sich am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss vor. Beide bewerben sich um das Amt des Kämmerers der Stadt Siegen. Fotos: ch
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ch - Es war bislang ein fairer Kampf. Vielleicht, weil das Auswahlverfahren bislang hinter verschlossenen Türen lief. Nun wurde die Suche nach dem neuen Kämmerer bzw. nach dem ersten Beigeordneten der Stadt Siegen öffentlich. Erste Runde: In den Ring im großen Saal des Geisweider Rathauses stiegen Dirk Käsbach aus dem Saarland und André Jethon aus Münster. Sie präsentierten sich in einer kurzen Vorstellungsrunde vor den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses; sie schlugen sich tapfer, aber ob sie überzeugen und sich als Nachfolger für den in den Ruhestand wechselnden Kämmerer Reinhold Baumeister empfehlen konnten, das werden die Ringrichter, Pardon: die Ratsfrauen und -männer in zwei Wochen entscheiden – in der zweiten Runde.

Mittwoch, am frühen Abend, sah es nach einem leichten Punktsieg für Jethon aus, der in seinem Bewerbungvortrag sprachlich versiert und in der Sache strukturiert rüberkam. Jethon (41), verheiratet, lebt und arbeitet in Münster. Seit 20 Jahren ist er beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beschäftigt, die inhaltliche Klammer seiner Aktivitäten ist das kommunale Haushaltsrecht und die Einführung des Neuen kommunalen Finanzmanagements, kurz NKF. Seit diesem Sommer ist der Volkswirt Büroleiter des LWL-Kämmerers Matthias Löb.

Jethon bewies vor den HFA-Mitgliedern, dass er sich einiges über das Oberzentrum Siegen, den Wirtschaftsstandort Südwestfalen, die Stadt- und Kreispolitik und vor allem über den Versuch der Haushaltskonsolidierung der Krönchenstadt angelesen hatte. Er wolle mit seinen dezidierten Kenntnissen und seiner Praxiserfahrung Siegen „durch die schwierige Phase der Haushaltsicherung“ führen – dabei gehe es nicht allein „ums Sparen und schmerzhafte Einschnitte, sondern auch um kreative Lösungen. Ich möchte beweisen, dass Konsolidierung auch Freude bereiten kann!“

Spaß an der Arbeit habe auch er bzw. wolle er jederzeit verbreiten, betonte Dirk Käsbach, der sich als zweiter Kandidat dem Auswahlverfahren stellt. Der 41-Jährige ist derzeit Dezernent (und damit auch Kämmerer) beim Landkreis Merzig-Wadern. Erst im März hatte er den Job in der Kreisverwaltung im Saarland angetreten, zuvor war er Ordnungsamtsleiter in Rüsselsheim – und davor Teil der Gründungsmannschaft der Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen (Herne). In dieser Rolle sei Käsbach z. B. als Finanzprüfer in Siegen aktiv gewesen, berichtete er in seinem frei gehaltenen, manchmal zähen, mit Seitensprüngen behafteten Vorstellungsbeitrag.

Käsbach erläuterte den (potenziellen) erneuten Jobwechsel mit zweierlei Anmerkungen: Zum einen ist Käsbach geschieden, Ex-Frau und die drei Kinder leben im Bergischen Land – „die räumliche Nähe könnte mir helfen, meiner väterlichen Verantwortung gerecht zu werden!“ Zum anderen wolle er ebenfalls Verantwortung in Sachen Haushaltskonsolidierung in Siegen übernehmen, „da sehe ich mich als Experte“, sagte Käsbach, der für sich in Anspruch nahm, im Wesentlichen die Entschuldung Rüsselsheims vorbereitet zu haben. Die Stelle als 1. Beigeordneter Siegens habe er zunächst versucht, zu ignorieren, „dann aber hat sich mich angeleuchtet. Es ist eine große Chance, die man ergreift und annimmt und nicht verstreichen lässt!“ Ob dieser Satz ein Leuchten in den Augen der HFA-Mitglieder erzeugt hat oder eher nicht, ließ sich im Rund des Ratssaals nicht erkennen. Zumindest wird die Diskussion über die Kandidaten nach dieser Vorstellungsrunde nun kontroverser geführt werden. Die Kernfrage dabei: Geht es um eine für die Stadt äußerst wichtige Personalie oder bloß um politisches Geplänkel?

Denn die drei Jamaika-Fraktionen (CDU, Grüne und FDP) favorisieren naturgemäß den von ihnen ins Gespräch gebrachten Dirk Käsbach – und sie hätten auch die notwendige Mehrheit, ihn „durchzudrücken“. Die Sozialdemokraten hätten dann mit ihrem Mann das Nachsehen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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