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Ökologische Sünde im Neubaugebiet
Siegen will Schottergärten verbieten

Steingärten wie dieser in Niederschelden sorgen immer wieder für Diskussionen. Die Stadt Siegen möchte den Schotterwüsten in Zukunft einen Riegel vorschieben.
  • Steingärten wie dieser in Niederschelden sorgen immer wieder für Diskussionen. Die Stadt Siegen möchte den Schotterwüsten in Zukunft einen Riegel vorschieben.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

goeb Siegen. Der Steinschmätzer wäre wohl die einzige Vogelart, die – theoretisch – auf Schottergärten im Siegerland fliegen würde. Doch der drosselartige Singvogel kommt nur in der steinigen Berg- und Küstentundra vor. Lebensfeindlich ist noch geprahlt, wenn es um den ökologischen Wert dieser „Gärten“ geht. Obwohl die vermeintlich pflegearmen Schottergärten sich in der Region einer gewissen Beliebtheit erfreuen, vor allem wenn neu gebaut wird, möchten viele Kommunen sie am liebsten verbieten.

Besonders im Frühling wird in den Städten und Gemeinden gerne über die grauen Halden debattiert. „Schottergärten sind politisch nicht gewollt und ökologisch kontraproduktiv“, sagt Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann. „Wir hatten diese Diskussion immer wieder mal, zuletzt vor fünf Monaten.

goeb Siegen. Der Steinschmätzer wäre wohl die einzige Vogelart, die – theoretisch – auf Schottergärten im Siegerland fliegen würde. Doch der drosselartige Singvogel kommt nur in der steinigen Berg- und Küstentundra vor. Lebensfeindlich ist noch geprahlt, wenn es um den ökologischen Wert dieser „Gärten“ geht. Obwohl die vermeintlich pflegearmen Schottergärten sich in der Region einer gewissen Beliebtheit erfreuen, vor allem wenn neu gebaut wird, möchten viele Kommunen sie am liebsten verbieten.

Besonders im Frühling wird in den Städten und Gemeinden gerne über die grauen Halden debattiert. „Schottergärten sind politisch nicht gewollt und ökologisch kontraproduktiv“, sagt Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann. „Wir hatten diese Diskussion immer wieder mal, zuletzt vor fünf Monaten. Bei allen künftigen Planungen werden wir so etwas nicht mehr zulassen.“

Problematisch in vielerlei Hinsicht

Damit würde Siegen ein Exempel statuieren. Die steinigen Vorgärten gelten als ökologischer Sündenfall, seit sie immer mehr Verbreitung finden. Sie sind in weiten Teilen bewuchsfrei, Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel machen einen weiten Bogen um sie, die Steine speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts wieder ab. Am schlechten Mikroklima in heißen Sommern leiden dann nicht nur die Besitzer selbst, Städte und Siedlungen mit ohnehin hohem Versiegelungsgrad bekommen zusätzliche Probleme. Ob sie auch ein ästhetisches Desaster sind, darüber gehen die Meinungen natürlich auseinander, sonst wären sie nicht so populär.

Bebauungsplan als Reglement

„Es stellt sich die Frage“, schreibt der Städte- und Gemeindebund NRW, „wie gegen den stetigen Zuwachs von Schottergärten effektiv und rechtssicher vorgegangen werden kann“. Einen Riegel können die Rathäuser den Steinfriedhöfen nur mit entsprechenden Festsetzungen in den Bebauungsplänen vorschieben. Henrik Schumann hält nichts von der Idee, gegen Besitzer schon bestehender Schottergärten rechtlich vorzugehen. Da befinde man sich juristisch auf dünnem Eis, gibt er zu bedenken.

Auch ein offenkundiger Verstoß gegen die Bauordnung NRW, die Hausbesitzer dazu verpflichtet, überbaute Flächen mit gewissen Einschränkungen wasserdurchlässig zu gestalten (§ 8, Absatz 1) liegt nicht in jedem Fall vor. „Es ist nicht immer eine wasserundurchlässige Folie, die verbaut worden ist“, schildert der Stadtbaurat. „Es gibt Geotextile, die sehr wohl Wasser durchlassen.“

Man müsste also in Vorgärten herumschnüffeln, Folien untersuchen. Niemand will das. Die Bauordnung NRW befinde sich in der Novellierung. Die Auflagen, so sei zwar zu erkennen, sollen klarer und schärfer werden. Laut Schumann soll die Anlage solcher Anlagen künftig besser über Festsetzungen in entsprechenden Bebauungsplänen sichergestellt werden. Die Städte Dortmund und Paderborn gehen bereits diesen Weg.

"Schottergärten sind politisch nicht gewollt
und ökologisch kontraproduktiv."

Henrik Schumann
Stadtbaurat in Siegen

Schottergärten werden auch angelegt, weil sie preiswert und pflegeleicht sein sollen. Beides stimmt nicht, betont Ulrich Banken vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Siegener ist klarer Gegner dieser Steinwüsten. Zum einen ließen sich Gartenbaubetriebe Schottergärten gut bezahlen, zum anderen gebe es nichts, worauf bestimmte Luftsamen wie Disteln nicht wachsen könnten. Auch Algen und Flechten besiedeln inzwischen angejahrte Geröllhalden.

„Und wenn die Hausbesitzer die aus der Steinwüste entfernen wollen, kann es sehr ungemütlich für sie werden.“ Banken befürwortet die Initiative der Stadt, hat das im Umweltausschuss selbst unterstützt. Ein bisschen ketzerisch müsse er aber doch sein, sagt er. Das Grünflächenamt der Stadt Siegen lasse Blumenbeete anlegen – regelmäßig im Schotterbett. „Konsequent ist das nicht.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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