Grüne sehen bei Gebäudepflege Nachholbedarf
Siegener Altstadt mit Licht und Schatten

Mit einem einheitlichen Erscheinungsbild kann die Siegener Altstadt leider nicht aufwarten. Viele Häuser sind top in Schuss, andere wiederum verfallen. Die Siegener Grünen sehen darin einen Auftrag für Politik und Verwaltung.
  • Mit einem einheitlichen Erscheinungsbild kann die Siegener Altstadt leider nicht aufwarten. Viele Häuser sind top in Schuss, andere wiederum verfallen. Die Siegener Grünen sehen darin einen Auftrag für Politik und Verwaltung.
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Marc Thomas

goeb Siegen. Die Fraktion der Grünen im Stadtrat Siegen macht sich Gedanken über den Zustand der Siegener Altstadt. Dort konzentriere sich eine teils mehrere hundert Jahre alte Bausubstanz, der Kern des historischen Siegen – geschätzt sowohl von Einheimischen als auch von Touristen aus nah und fern.
Viele Häuser machen nach Dafürhalten der Fraktion einen guten und gepflegten Eindruck, davon habe man sich bei einer Begehung vor Kurzem überzeugen können, allerdings gebe es auch die „Kehrseite der Medaille“.

Gerade beim Denkmalschutz der verhandenen Wohnhäuser seien gravierende Unterschiede bemerkt worden, schreiben sie an den Bürgermeister, der den Punkt auf die Tagesordnung der Ratsversammlung am 22. September setzen soll.

Tolle Siegener Altstadt gefährdet

Die Grünen wünschen sich von der Stadtverwaltung eine Bestandsaufnahme, also eine Art Kataster des historischen Kerns, und in einem zweiten Schritt Überlegungen, was man zur Erhaltung bzw. Verbesserung der weniger gut und zum Teil schlecht erhaltenen Wohnhäuser tun kann. In Einzelfällen, warnen sie, seien sogar baufällige Gebäude im Häuserensemble zu beklagen. „Unsere tolle Siegener Altstadt ist gefährdet, die nächsten Jahrzehnte zu überstehen“, ließ sich Fraktionssprecher Michael Groß im SZ-Gespräch ein. 80 Prozent machten einen zufriedenstellenden oder guten Eindruck, geschätzt ein Fünftel der Häuser aber leider nicht.

"Unsere tolle Siegener Altstadt ist gefährdet,
die nächsten Jahrzehnte zu überstehen."

Michael Groß
Grünen-Fraktionssprecher

Zum Hintergrund: Das Eigentumsrecht sieht die Gebäudererhaltung in erster Linie in Händen der Besitzer. So gibt es in fast jedem Ort Gebäude – bewohnt oder nicht – , die in äußerst schlechtem Zustand sind und vielfach einen Stein des Anstoßes bieten. Nicht selten sind die Mittel der öffentlichen Hand aber begrenzt, wenn von dem Gebäude keine Gefahr (etwa durch Einsturz) ausgeht. Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn Gebäude unter Denkmalschutz stehen.

Neben Vorteilen auch Nachteile

Neben einigen Vorteilen, die denkmalgeschützte Häuser für die Eigentümer bieten, zum Beispiel steuerlich absetzbare Sanierungs- und Renovierungskosten, Fördergelder und günstigere KfW-Kredite sowie relative Preisstabilität beim Immobilienwert und eventuell höhere Mieten, gibt es aber auch Nachteile.

Die Kosten für die Renovierung sind in der Regel überdurchschnittlich hoch und die Auflagen der Denkmalbehörde müssen bei Renovierung, Umbau und Nutzung beachtet werden. Auch können die Unterhaltskosten für solche Immobilien über dem Schnitt liegen (Heizkosten). Und schließlich: Eigentümer sind verpflichtet, Baudenkmäler in einem guten Zustand zu halten.

Für Erhalt der Häuser Eigentümer zuständig

„Wenngleich uns klar ist, dass für den Erhalt der Häuser die Eigentümer zuständig sind“, schreiben die Grünen über die Altstadt allgemein in ihrem Antrag, „halten wir es doch für unser Gemeinwesen unabdingbar, das stadtbildprägende Ensemble unserer Altstadt auch in Verwaltung und Politik im Auge zu behalten“.

Man trage Verantwortung, heißt es abschließend. Gerade die Stadt Siegen verfüge u. a. aufgrund der umfangreichen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der folgenden Jahre aufgrund von städtebaulichen Interessen nur über wenige historische Gebäude. „Deren Erhalt liegt uns sicher allen am Herzen.“

Eigentümer nicht in Öffentlichkeit zerren

„Wir wollen nicht einzelne Eigentümer in die Öffentlichkeit zerren“, sagte Groß weiter. „Wir sollten stattdessen gemeinsam überlegen, was wir tun können.“ Klar sei beim Thema Sanieren aber auch: „Es gibt die, die es finanziell nicht können, und die, die den letzten Euro rausziehen.“

Groß nahm damit Bezug auf ein Thema, das schon länger in der Altstadt schwelt und über das die SZ bereits berichtet hat: Kauf von Altgebäuden und Vermietung an Studenten ohne Bereitschaft, in die jeweiligen Häuser irgendetwas zu investieren.

Dass der Ensembleschutz vorbildhaft funktionieren könne, zeige die Nachbarschaft, etwa in Freudenberg. Groß: „Vielleicht können wir uns bei anderen etwas abschauen.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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