Siegener Bordellbetreiber angeklagt

afp/ch - Weil sie im großen Stil Menschen zur Prostitution gezwungen haben sollen, hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Anklage gegen fünf mutmaßliche Bordellbetreiber erhoben. Die fünf Männer und Frauen im Alter zwischen 49 und 63 Jahren – die Anführerin und der Anführer der Bande stammen aus Siegen – sollen Teil einer bundesweit agierenden Menschenhändlerbande gewesen sein, teilte die Anklagebehörde am Mittwoch mit. Insgesamt wird noch gegen 49 weitere mutmaßliche Mitglieder ermittelt.

Die Ermittler werfen den fünf Angeschuldigten das bandenmäßige Einschleusen von Ausländern, Ausbeutung, Zuhälterei, Veruntreuung und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor. Sie sollen zwischen Juli 2012 und Dezember 2017 mit weiteren Tätern das Netzwerk aufgebaut haben, um Frauen und transsexuelle Frauen nach Deutschland einzuschleusen und zur Prostitution zu zwingen.

Im April vergangenen Jahres wurden immerhin 62 Bordelle, Wohnungen und Büros in zwölf Bundesländern durchsucht. Bei dem Großeinsatz mit über 1500 Beamten der Bundespolizei – der bislang größte Einsatz ihrer Geschichte – wurden knapp 250.000 Euro Bargeld gefunden. Die fünf Angeschuldigten sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Daneben wurden noch zwei weitere Tatverdächtige festgenommen, gegen die separat ermittelt wird. Seit 2016 wurde gegen die Gruppe ermittelt. Bei einer Kontrolle eines Bordells in Maintal wiesen sich damals drei Prostituierte mit einem thailändischen Reisepass und einem abgelaufenen Schengenvisum aus.

Die 60-jährige Hauptangeschuldigte soll in Thailand gezielt transsexuelle Frauen angeworben haben. Laut Anklage wurden ihnen Schengenvisa für Touristen gegeben. In Deutschland seien die Opfer in drei Bordellen in der Krönchenstadt für sexuelle Dienstleistungen eingesetzt worden. Die Bordelle seien von der 60-Jährigen und ihrem 63-jährigen Lebensgefährten geführt worden. Die Einnahmen habe die 60-Jährige für sich behalten, um die angeblich durch die Schleusung verursachten Kosten zu begleichen.

Später seien die Frauen im Rotationsverfahren in andere Bordelle des Netzwerks gebracht worden. Die 60-Jährige habe den Austausch maßgeblich organisiert, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. 39 eingeschleuste Frauen und Transsexuelle konnten bisher ermittelt werden. Insgesamt seien bundesweit aber noch viel mehr Menschen eingeschleust worden.

Der 60-Jährigen wirft die Anklage Veruntreuung von Arbeitsentgelt vor. Sie soll die in Siegen beschäftigten Prostituierten und weitere Mitarbeiter nicht zur Sozialversicherung angemeldet haben. Den Schaden beziffert die Generalstaatsanwaltschaft auf 1,7 Mill. Euro. Hinzu kommt der Vorwurf der Steuerhinterziehung, bei dem insgesamt ein Schaden in Höhe von 2,73 Mill. Euro entstanden sein soll.

Den drei weiteren Angeschuldigten werden das Einschleusen von Ausländern, Ausbeutung und Zuhälterei vorgeworfen. Eine 49-Jährige soll die Prostituierten überwacht und die Einnahmen kassiert haben. Zwei 51- und 53-jährigen Schwestern wird die Veruntreuung von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Die beiden Betreiberinnen des Bordells im hessischen Maintal sollen damit einen Schaden von 135.000 Euro verursacht haben.

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