Auflagen des Gesundheitsministeriums schlichtweg zu hoch (Update)
Siegener Impfstudie ad acta gelegt

Mit der geplanten Studie für die Corona-Impfung von zwölf- bis 15-jährigen Kindern machte das Siegener Impfzentrum bundesweit Schlagzeilen. Düsseldorf aber gibt noch kein grünes Licht.
  • Mit der geplanten Studie für die Corona-Impfung von zwölf- bis 15-jährigen Kindern machte das Siegener Impfzentrum bundesweit Schlagzeilen. Düsseldorf aber gibt noch kein grünes Licht.
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+++ Update 22.30 Uhr +++

ihm Siegen/Düsseldorf. Am Dienstagmorgen sollte es an der Eiserfelder Straße losgehen mit der Impfung von Kindern ab zwölf Jahren gegen Corona. Aber schon der Start scheiterte an der fehlenden Genehmigung des NRW-Gesundheitsministeriums. Am Abend kam das endgültige Aus für die Impfungen der Zwölf- bis 15-Jährigen im Impfzentrum. Die Auflagen aus Düsseldorf seien nicht erfüllbar, teilte die Kreisverwaltung mit.
Damit ist die große Impfstudie ad acta gelegt. Am Freitag hatten die Akteure – dazu gehören die Universitäten Siegen, Bochum und des Saarlandes, Fachkliniken und Ärzte sowie der Kreis Siegen-Wittgenstein als Betreiber des Impfzentrums – das Projekt auf einer bundesweit beachteten Pressekonferenz angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt aber lag noch keine Genehmigung des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) vor.

Gehrke: "Informationen liegen Düsseldorf vor"

Die Reaktion aus Düsseldorf: Man wollte es genauer wissen und schickte einen Fragenkatalog nach Siegen. Dr. Thomas Gehrke, der medizinische Leiter des Impfzentrums, berichtet von Fragen nach dem Studien-Design, nach der Stellungnahme der Ethikkommission, nach zusätzlichem Personalbedarf und den Kosten. Gehrke: „Das liegt aber alles in Düsseldorf bereits vor.“
Das MAGS dagegen erklärt, dass nach einer ersten Information über das Vorhaben „eine erneute Abstimmung mit dem MAGS – insbesondere über die Nutzung des Impfzentrums für die Durchführung der Studie – nicht erfolgt ist“. Dies aber wäre angezeigt gewesen. „Erst Ende letzter Woche hat das MAGS erfahren, dass am Dienstag die Impfungen im Impfzentrum starten sollten. Die notwendigen Informationen zur Prüfung sind erst am Wochenende beim MAGS eingegangen.“

Siegen soll sich an Stiko-Empfehlungen halten

Das Ergebnis der Prüfung in Gestalt eines Sondererlasses enthält nicht die erhoffte generelle Genehmigung, Kinder ab zwölf zu impfen, sondern de facto das Gegenteil. Die Siegener müssten sich, so schreibt das Ministerium, weiter nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) richten.
Die Stiko empfiehlt die Impfung ab zwölf nur für Kinder mit genau definierten Vorerkrankungen oder für Kinder mit durch Covid besonders gefährdeten Angehörigen. Ein Schlupfloch gibt es: Die Impfung von Jugendlichen ohne Vorerkrankungen „wird derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder Jugendlichen bzw. der Sorgeberechtigten möglich“.

Vorgaben verhindern Studie im Impfzentrum

Der Düsseldorfer Erlass enthält zudem praktische Auflagen: Es muss abgetrennte Bereiche für die Studienteilnehmer mit separatem Eingang zum Impfzentrum geben. Ärztliches und medizinisches Personal der Kassenärztlichen Vereinigung darf im Rahmen der Studie nicht impfen.
Der Kreis zieht daraus die Konsequenz: „Im Ergebnis müsste eine vollständige örtliche, organisatorische, finanzielle und personelle Trennung zwischen Impfzentrum und der Impfung im Rahmen der Studie erfolgen.“ Das sei nicht möglich, man könne die Studie wegen der hohen Auflagen nicht im Impfzentrum durchführen.

+++ Erstmeldung +++

ihm Siegen/Düsseldorf. Im Siegener Impfzentrum sollte die Studie für die Corona-Impfung von zwölf- bis 15-jährigen Kindern und Jugendlichen bundesweit für Furore sorgen und Daten für die politischen Entscheidungen auf oberster Ebene liefern. Daraus wird erst mal nichts. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat die Studie, die am heutigen Dienstag beginnen sollte, vorerst gestoppt. Offenbar fehlen dem Ministerium mit Minister Karl-Josef Laumann (CDU) an der Spitze noch Informationen. Deshalb kam aus Düsseldorf noch am Freitag ein Fragenkatalog in  Siegen an. 

"Tief enttäuscht"

"Ich bin tief entttäuscht", sagte der medizinische Leiter des Impfzentrums Dr. Thomas Gehrke der SZ am Telefon. "Das hätte so gut laufen können: Aus ganz Deutschland hatten wir Anfragen." Bis zu  30.000 Kinder und Jugendliche hätte man in Siegen impfen und ihre Daten erheben und wissenschaftlich auswerten können. Drei Universitäten, Fachkliniken und Kinderärzte waren mit im Boot. Als aber am vergangenen Freitag absehbar wurde, dass Düsseldorf sich querstellt, habe man keine Termine vergeben. 

Gehrke: Informationen liegen vor

Thomas Gehrke versichert, dass alle angeforderten Informationen im Ministerium vorlägen. "Das haben wir alles bereits geliefert." Insofern versteht der Chef des Impfzentrums nicht, dass er nun weiter auf der Impfbremse stehen muss. Obwohl reichlich Impfstoff vorhanden ist,  kann er derzeit nur an Menschen ab 16 verabreicht werden. "Heute Vormittag  werden wir 150 Leute impfen, am Nachmittag vielleicht etwas mehr, wenn mehr kommen. Das ist für das Impfzentrum doch gar nichts!"

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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