Siegener in Antalya verhaftet

 Özel Sögüt sitzt in der Türkei im Gefängnis – ihm werden Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen. Foto: privat
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sz - Seit Jahren arbeitet der früher in Birlenbach ansässige Özel Sögüt in der Türkei. Das Unternehmen des Deutschen vertreibt in Antalya und Umgebung Solar- und Bioenergieanlagen. Seit dem Putschversuch vom 15. Juli hat sich die Lage in dem Land drastisch verschlechtert. Zehntausende Menschen wurden wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verhaftet. Zahlreiche Unternehmen wurden geschlossen. Auch die Firma von Sögüt wurde vor wenigen Wochen beschlagnahmt.

Der türkischstämmige Sögüt, der deutscher Staatsbürger ist, wollte das nicht akzeptieren. Am 7. Dezember ging er zur Staatsanwaltschaft in Antalya und wollte den Grund für die Enteignung erfahren. Der Staatsanwalt aber nahm den Siegener fest. Der Vorwurf: Er soll Mitglied der Terrororganisation FETÖ sein, der sogenannten „Fethullahschen Terrororganisation“. Seitdem sitzt Sögüt im Gefängnis.

Hinter der FETÖ soll der in den USA lebende Prediger Fethullah Gülen stehen. Er und seine Anhänger sollen den Putschversuch vom 15. Juli organisiert haben, lautet der Vorwurf von Präsident Erdogan. Rund 100 000 Menschen wurden seit dem Umsturzversuch unter demselben Vorwurf im Sommer verhaftet – unter den Verhafteten viele Lehrer, Polizisten, Ärzte und Journalisten.

Ayse Sögüt will nicht akzeptieren, dass ihr Mann nicht zurück nach Siegen kann. War er bislang immer einmal im Monat zu seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern (19, 16 und zwölf Jahre alt) nach Birlenbach gekommen, kann er das jetzt nicht mehr. Ayse weiß seit Dienstag, dass ihr Mann im Gefängnis sitzt. Da kam er, so ihre Information, erstmals vor einen Untersuchungsrichter, der die weitere Haft für den 50-Jährigen anordnete.

Das Auswärtige Amt teilte auf Anfrage mit, dass das deutsche Konsulat in Antalya bereits seit mehreren Tagen in Kontakt mit den zuständigen türkischen Stellen und den Angehörigen stehe. „Ein Haftbesuch ist geplant, um den Deutschen schnellstmöglich konsularisch betreuen zu können“, erklärte die Behörde. Ayse Sögüt hingegen beteuert, dass niemand vom Generalkonsulat in Antalya oder dem Auswärtigen Amt mit ihr Kontakt aufgenommen habe.

Gerade das macht der Ehefrau Ayse große Sorgen. „Mein Mann ist doch nur ein Unternehmer, der Anlagen zur Gewinnung alternativer Energien baut“, erzählt sie. „Mein Mann ist kein Terrorist. Er kann nicht mal einer Fliege etwas antun.“

Zum Verhängnis wurde ihrem Mann offenbar, dass die türkischen Behörden ihn für einen Anhänger von Fethullah Gülen halten. Gülen und seine Anhänger seien Vaterlandsverräter und Terroristen, lautet der Vorwurf des türkischen Präsidenten Erdogan.

Um ins Fadenkreuz der Sicherheitsbehörden zu kommen, reiche es inzwischen vollkommen aus, wenn die eigenen Kinder in eine der zahlreichen Schulen gegangen seien, die von Gülen-Anhängern gegründet wurden. Auch ein Konto bei der Bank Asya könne genügen, um als Mitglied der FETÖ zu gelten. Das Geldhaus wurde ebenfalls von Anhängern Gülens gegründet.

Für den Unternehmer, der früher in Siegen gelebt und dort einen Lebensmittelhandel und ein Immobiliengeschäft betrieben hat, bedeutet das nichts Gutes. Diejenigen, die wegen Mitgliedschaft bei der FETÖ im Gefängnis sitzen, gelten als Staatsfeind Nr. 1. Erschwerend kommt hinzu, dass im Land Ausnahmezustand herrscht. Es werde praktisch nur noch per Dekret regiert, kritisieren Menschenrechtler.

Ayse Sögüt ist verzweifelt und hofft auf diplomatische Hilfe. „Ich bitte um die Solidarität der Siegener und unseres Außenministers“, appelliert sie. Erkan Pehlivan

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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