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"Wann macht ihr wieder auf?"
Siegener Partyszene kämpft ums Überleben

In seinem Element: Mohammed Kssama sorgt vor Corona in der Siegener Night-Life-Szene für rhythmische Beats und volle Tanzflächen. Corona hat ihm die Ausübung seiner Leidenschaft vorerst und auf unbestimmte Zeit genommen. Mit der SZ spricht er über die Sorgen der Szene, über das Siegener Nachtleben, Kultur und sich selbst.
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  • In seinem Element: Mohammed Kssama sorgt vor Corona in der Siegener Night-Life-Szene für rhythmische Beats und volle Tanzflächen. Corona hat ihm die Ausübung seiner Leidenschaft vorerst und auf unbestimmte Zeit genommen. Mit der SZ spricht er über die Sorgen der Szene, über das Siegener Nachtleben, Kultur und sich selbst.
  • Foto: Wolkenkuckucksheim
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sabe Siegen. Buntes Shirt, freundliches Lachen. Mohammed „Mo“ Kssama wartet vorm „Opa Adam“ in der Sonne der Siegener Oberstadt. Er ist gut drauf, das steckt an. Am Tisch gibt's Masken, Kaffee und guten Smalltalk. Mo erzählt, was er so macht. Von seinem Studium und seiner Halbtagsstelle im Krankenhaus.
Als "DJ Scar" im "Wolkenkuckucksheim"Er sei dankbar, dass er sich damit auf ein zweites finanzielles Standbein stützen kann. Eigentlich ist seine Leidenschaft aber das Auflegen. Mo ist DJ und als „DJ Scar“ in Clubs, Diskotheken oder Bars unterwegs. Oft in Siegen, im „Wolkenkuckucksheim“ zum Beispiel, oft aber auch in anderen Städten, manchmal in Holland. „Das ist für mich nicht nur ein Job oder eine Finanzierung, das ist das, was ich über alles liebe.

sabe Siegen. Buntes Shirt, freundliches Lachen. Mohammed „Mo“ Kssama wartet vorm „Opa Adam“ in der Sonne der Siegener Oberstadt. Er ist gut drauf, das steckt an. Am Tisch gibt's Masken, Kaffee und guten Smalltalk. Mo erzählt, was er so macht. Von seinem Studium und seiner Halbtagsstelle im Krankenhaus.

Als "DJ Scar" im "Wolkenkuckucksheim"

Er sei dankbar, dass er sich damit auf ein zweites finanzielles Standbein stützen kann. Eigentlich ist seine Leidenschaft aber das Auflegen. Mo ist DJ und als „DJ Scar“ in Clubs, Diskotheken oder Bars unterwegs. Oft in Siegen, im „Wolkenkuckucksheim“ zum Beispiel, oft aber auch in anderen Städten, manchmal in Holland. „Das ist für mich nicht nur ein Job oder eine Finanzierung, das ist das, was ich über alles liebe.“
Angefangen hat er Ende 2018, Tag und Nacht hat er gespielt, sich alles selbst beigebracht. Black Music, Reggaeton, Lateinamerikanisches, das sind die Genres, auf die er setzt. „Ich liebe es, mir neue Songs das erste Mal anzuhören“, sagt er. Sein offenes Grinsen wird noch breiter, untermalt voll Authentizität die Passion für seine Kunst.

Enges Tanzen ist tabu

Erinnerungen, von denen er wohl noch ein bisschen zehren muss. So bald wird Mo als DJ Scar die Massen nicht mehr begeistern können: „Die Clubs wurden als erstes geschlossen und werden wohl als letzte wieder öffnen.“ Enges tanzen, schwitzen, vielleicht einen Drink nehmen – diese Szene scheint unter Pandemiebedingungen fast schon surreal. Verständnis bei Mo und Boran Alaman. Der Mitgeschäftsführer vom Siegener Nachtclub Wolkenkuckucksheim wird Teil der entspannten Kaffeerunde. Mo hat in dem Kultladen vor Corona knapp dreimal im Monat aufgelegt. „Ich hatte da schon eine feste Community hinter mir.“

Partyszene noch in der Entwicklung

Der Nachtclub mit dem interessanten Namen kann Symbolik, kann Kult, gehört fest zum Treffpunkt für Studis und Feierfreudige, ist Teil einer Szene, die in Siegens Innenstadt eigentlich gerade noch dabei war, sich zu entwickeln, die mit hineinreicht in ein verjüngtes Stadtbild und mehr als willkommen scheint für heimische „Junge“, für Studenten von außen, für mehr Lebenskultur in der Stadt.
Wolkenkuckucksheim, der historienschwangere Name, steht für eine Stadt in den Wolken, die sich die Vögel als Zwischenreich gebaut haben. Mittlerweile wird der Begriff synonym gesetzt mit der Vorstellung eines Luftschlosses. Wenn Mo aufgelegt hat, bekam diese Imagination Füllstoff. Weg vom Stress, vom Alltag, der Arbeit oder Uni, hin zu guter Laune, Unbeschwertheit, Freiheit. Gerne erinnert sich der 26-jährige DJ an prall gefüllte Tanzflächen, an Energie, Euphorie, Überschwang. „Ich bin dann beim Auflegen wie in einem Tunnel.“

Einnahmen gleich Null

Corona hat dem „WKH“ die Flügel gestutzt, hat einem ganzen Berufszweig den Wind aus den Segeln genommen. Die Branche kämpft weltweit ums Überleben. Seit März sind die Einnahmen gleich Null. Wann es weitergehen kann? „Wir haben gar keine Infos“, sagt Boran. Der träge Informationsfluss über die Möglichkeiten von „Wie“ und „Wann“, das sei die eigentliche Crux an der Geschichte, findet er. Unter dem gesundheitlichen Aspekt nachvollziehbar, der organisatorische hinkt. Der tief unklare Blick in die Zukunft sorgt: „Die Risiko-Branche, also Eventgastro, wird extrem dezimiert werden.“ 

Streaming ist keine Dauerlösung

Was hilft? Nicht untätig sein, nicht stehenbleiben, irgendwie versuchen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Crowdfunding, Streamingsessions – Ansätze die funktionieren, aber sicherlich keine Dauerlösung sein können, sein sollen. Bei allem Pandemiebewusstsein und dem hohen Gut der Gesundheit. „Vielen fehlt was“, ist sich Mo sicher. Boran nickt. „In Alltagsgesprächen ist die am häufigsten gestellte Frage: Wann macht ihr wieder auf?“
Was bleibt also, wenn die Party vorbei ist? Was sonst vielleicht mit der Antwort einer gemütlichen After-Show-Party mit Freunden beantwortet wurde, vielleicht mit dem Kultbesuch beim Döner an der Siegbrücke nach dem Feiern, bekommt jetzt einen faden Beigeschmack.

In seinem Element: Mohammed Kssama sorgt vor Corona in der Siegener Night-Life-Szene für rhythmische Beats und volle Tanzflächen. Corona hat ihm die Ausübung seiner Leidenschaft vorerst und auf unbestimmte Zeit genommen. Mit der SZ spricht er über die Sorgen der Szene, über das Siegener Nachtleben, Kultur und sich selbst.
Im Gespräch: Boran Alaman, einer der drei Geschäftsführer vom Wolkenkuckucksheim (l.) und Mohammed Kssama, der als DJ Scar in der Siegener Szene bekannt ist. Bei Auftritten im „WKH“ hatte er oft eine feste Community hinter sich.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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