Siegener Polizei nimmt eine »tote« Betrügerin fest

Manuela H. erklärte sich tot und kassierte Versicherungen ab

mavo Siegen. Als Tote lässt es sich in Saus und Braus leben. Um 270000 e reicher, kein Ärger mit den Behörden und nie wieder Steuern zahlen. Manuela H. (34) aus Siegen hat das Leben im Nichts geführt. Bis ihr die Siegener Kripo auf die Schliche kam. Der kuriose Fall im Detail. Gleich bei mehreren Versicherungsgesellschaften schloss Manuela H. vor zwei Jahren Risikolebensversicherungen ab. Im Vertrag festgehalten: Im Todesfall soll Geld an ihren Mann ausgezahlt werden – insgesamt 700000 e.

Ihren eigenen Tod muss die Siegenerin bei der Unterschrift ganz genau geplant haben. Im Oktober 2002 flog sie in die USA, um ihr Ableben formell zu regeln. Unter einem Vorwand organisierte sie sich die Geburtsurkunde einer amerikanischen Bürgerin. Diese kopierte Manuela H. Bei der amerikanischen Polizei meldete sie dann einen Diebstahl, bekam von der Behörde eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt. Anschließend besorgte sie sich Unterlagen eines Krankenhauses. Wieder kopierte die 34-Jährige die Papiere, bastelte sich Briefköpfe.

Manuela H. bescheinigte sich damit ihren eigenen Tod. Bei einem Verkehrsunfall sei sie ums Leben gekommen, schrieb sie sich in ihren Totenschein. Mit der Überschrift »Rest in Peace« fügte sie sogar noch die gefälschte Bescheinigung eines Bestattungsunternehmers hinzu!

Zurück in Deutschland reichte sie selbst unter fremden Namen die Bescheinigungen bei den Versicherungen ein. Manuela H. ging gründlich vor. Auch bei ihrer Krankenkasse beantragte sie für sich das Sterbegeld. Michael Schneider von der Siegener Polizei: »Ihr Plan ging zunächst auf. Offenbar überzeugten die gefälschten Unterlagen.«

Zwei Versicherungen zahlten im Januar – insgesamt 270000 e. Der größte Batzen kam von der Allianz. Die drei anderen Gesellschaften waren nicht so schnell. Polizeisprecher Schneider: »Einer der Versicherer beauftragte einen Mitarbeiter mit der Überprüfung des Falls vor Ort. Dem kamen Zweifel, er hat uns dann informiert.« Recherchen mehrerer Kripobeamten ergaben: Vor zwei Wochen wurde die Tote in einem Autohaus gesehen. Anfang der Wochen klickten die Handschellen. Die Polizei nahm die auf dem Papier für tot erklärte Frau in Siegen fest. Manuela H. sitzt in Gelsenkirchen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft will sie wegen Betruges anklagen.

Vor dem Haftrichter hat Manuela H. ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Siegener Anwalt Christian Schlephorst vertritt die 34-Jährige. Der Jurist im Gespräch mit der SZ: »Meine Mandantin wird versuchen, den Schaden so gut es geht wieder rückgängig zu machen.« Mit einem Teil der 270000 e habe sie ausstehende Rechnungen und Kredite abgelöst. Der Rest des Geldes liegt auf einem Girokonto. Wie kam Manuela H. auf diese kuriose Betrugsidee? Christian Schlephorst: »Sie sagt, es sei eine spontane Idee gewesen. Als sie gesehen habe, wie einfach der Betrug funktioniere, sei die Geschichte zum Selbstläufer geworden.« Der Hintergrund der Tat: offenbar akute Geldsorgen.

Die Allianz Lebensversicherung AG wollte sich gestern auf Anfrage der SZ nicht zum Vorfall äußern. Unternehmenssprecher Markus Schwarzer: »Das ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich.« Schwarzer wollte sich auch nicht dazu äußern, wie die Allianz versucht, entsprechende Betrugsversuche zu verhindern. Auch dazu verbiete ihm das Strafgesetzbuch jeglichen Kommentar. Es gebe Präventivmaßnahmen.

Offenbar sind die nicht wirksam genug. Manuela H. hat es jedenfalls geschafft, noch zu Lebzeiten Begünstigte der eigenen Lebensversicherung zu sein.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen