Klassische Altenheime kaum gefragt
Siegener Senioren möchten ihrem Wohnort treu bleiben

Im Alter möchte die Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer städtischen Umfrage am liebsten ihrer Wohnung, zumindest dem Stadtteil treu bleiben.
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  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz Siegen. Wie sieht altersgerechter Wohnraum in der Stadt Siegen aus? Der Großteil der Bürger möchte auch im Alter selbstbestimmt in der vertrauten Wohnung und im eigenen Stadtteil weiterleben. Um Barrieren zu reduzieren, sind hierzu oft bauliche Maßnahmen in Häusern und Wohnungen notwendig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Bürgerbefragung, welche die Stadt Siegen durchgeführt hat. Neben 1000 zufällig ausgewählten Haushalten, die angeschrieben wurden, bestand für alle übrigen Siegener der Zielgruppe „50 plus“ die Möglichkeit, online teilzunehmen. 522 Frauen und Männer gaben unterm Strich Auskunft.

Immer mehr ältere Bürger

Mehr als 43.000 Siegener Bürger sind 50 Jahre oder älter – ihr Anteil wird aufgrund demografischen Wandels noch weiter zunehmen. Das gilt auch für die Zahl an benötigten Wohnungen und Häusern. Bedürfnisse dieser älteren Bürger an Wohnformen, Ausstattungen, Serviceangebote und Lagequalitäten müssen von der Stadt überprüft und bei Planungen berücksichtigt werden.
Trotz der vergleichsweise kleinen Zahl an Teilnehmern lassen sich aus den Ergebnissen Empfehlungen für die handelnden Akteure im Siegener Wohnungsmarkt ableiten. Als sehr wichtig sind in diesem Zusammenhang unterstützende Initiativen von privater und öffentlicher Seite, beispielhaft genannt – die „Regiestelle Leben im Alter“ der Stadt Siegen, der Verein „Alter Aktiv“ oder auch die Wohnberatung. Unterstützende Dienstleistungen werden ebenfalls von vielen Menschen als Möglichkeit angesehen, an ihrem Wohnort und in ihrer Wohnung zu verbleiben.

Barrierearmen Wohnraum schaffen

„Die bestehenden Serviceleistungen werden in den nächsten Jahren sicherlich noch deutlich ausgebaut werden können und müssen“, so Thomas Daschke von der für die Auswertung zuständigen Arbeitsgruppe Stadtentwicklung. Allerdings gebe es auch viele Personen, die noch im Laufe der nächsten Jahre umziehen möchten. „Da sowohl an den Wohnort als auch an die Wohnung unterschiedliche Anforderungen gestellt werden, sollte bedarfsgerechter, das heißt, barrierearmer Wohnraum nicht nur in bevölkerungsstarken Stadtteilen wie Siegen-Mitte und Weidenau geschaffen werden, sondern auch in den eher ländlicheren Stadtteilen.“

Miete unter 600 Euro

Im Falle eines Umzugs in eine andere Wohnung wünscht sich der Großteil der Teilnehmer eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 60 bis 89 Quadratmetern Wohnfläche. Außerdem sollen die monatlichen Wohnkosten unter 600 Euro liegen. Die Wohnung sollte ein barrierearmes Bad, ausreichend breite Türen und einen stufenlosen Wohnungszugang aufweisen. Zusätzlich wären ein Stellplatz, eine Terrasse oder ähnliches sowie ein Garten wünschenswert.
Die Wohnform, die die Befragten bei einer künftigen Wohnungssuche am ehesten berücksichtigen würden, ist das barrierearme Wohnen ohne Serviceleistungen, gefolgt vom barrierearmen Wohnen mit Serviceleistungen. Hier leben die Bewohner in ihren eigenen vier Wänden, werden aber bei Bedarf durch diverse Serviceangebote unterstützt.
Das innovative Mehrgenerationenwohnen, bei dem Jung und Alt zwar räumlich getrennt voneinander wohnen, aber sich gegenseitig im Alltag unterstützen können, ist eine Wohnform, in der sich jeder dritte Befragte sein künftiges Leben vorstellen kann. Klassische, auf Senioren ausgerichtete Wohnformen wie Alten- und Pflegeheime werden zwar auch nachgefragt, jedoch nur vereinzelt.

Große Heimatverbundenheit

Da im Alter die Mobilität zurückgeht oder erschwert wird, sind kurze Erreichbarkeiten zu Ärzten und Versorgungseinrichtungen sowie eine gute ÖPNV-Anbindung notwendig, um das selbstständige Leben gewährleisten zu können. In der Umfrage werden die vorgegebenen Wohnortsmerkmale fast ausnahmslos als (sehr) wichtig bewertet.
Zudem ergab die Umfrage, dass in Siegen eine große Heimatverbundenheit herrscht und ein Großteil der Menschen nicht umziehen möchte – und wenn doch, dann am liebsten im gleichen Stadtteil bleiben will. Daher sollten auch die ländlichen Stadtteile gut erschlossen und nahversorgt sein. Auch im ländlichen Raum sind altengerechte Wohnformen gefragt.
Schließlich wünschen sich die Befragten flächendeckende Dienstleistungen und Serviceangebote, damit ein Verbleib in den eigenen vier Wänden erleichtert wird. Zusätzlich würde der barrierereduzierende Umbau der eigenen Wohnung dazu beitragen, dass die Wohnwünsche von einem Großteil der Siegener Bevölkerung über 50 Jahren erfüllt werden können.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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