40 Prozent fallen bei Schuleingangsuntersuchung auf
Siegener "Sorgenkinder"

Schuleingangsuntersuchungen vom Amtsarzt finden in diesem Jahr nicht statt – die Auswertung von zwei Vor-Corona-Jahrgängen geben indes aufschlussreiche Einblicke. Die Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind teilweise sehr deutlich.
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js Siegen. Vier von zehn Siegener Kindern sind in ihrer Entwicklung „auffällig“, wenn ihre Einschulung bevorsteht. Damit liegt der Schnitt in der Krönchenstadt etwas über dem des Landes NRW, bei dem bei 34 Prozent der Jungen und Mädchen in mindestens einem der angefragten Bereiche Zählen, Zahlen- und Mengenvorwissen, Visiomotorik, visuelles Wahrnehmen, Pseudowörter nachsprechen oder Körperkoordination nicht den Anforderungen entsprechen. Das geht aus der Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen für die Schuljahre 2018/19 und 2019/20 hervor, die im aktuellen Sozialmonitoring der Stadt Siegen eingeflossen sind.

Entwicklungsstand

1313 Siegener Vorschulkinder wurden in den beiden genannten Vor-Corona-Jahrgängen vom Jugendamt des Kreises Siegen-Wittgenstein untersucht. Die anonym dokumentierten Ergebnisse können nun relativ kleinräumigen Sozialstatistikbezirken zugeordnet werden. Was die eingangs genannten Auffälligkeiten anbelangt, so lassen sich beispielsweise deutliche Unterschiede zwischen Stadtbezirken ausmachen: Während in Kaan-Marienborn weniger als 25 Prozent der untersuchten Kinder in mindestens einem Punkt auffielen, waren es in Geisweid-Mitte 71,1 Prozent.

Gewicht

Der altbewährte Body-Mass-Index, der Aufschluss über Abweichungen vom Normalgewicht gibt, war bei mehr als jedem fünften Siegener Kind außer der Reihe: 10,4 Prozent gingen als übergewichtig oder gar adipös in die Statistik ein, 10,5 Prozent wiederum als (deutlich) untergewichtig. Damit entspricht Siegen insgesamt dem NRW-Schnitt.

Die sportlichen Kinder haben in der Regel nicht mit Übergewicht zu kämpfen.
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Aber auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Wohnbezirken: Im Siegener Zentrum, in Setzen, Trupbach, Seelbach, Niederschelden-Ost, Wellers- und Giersberg waren weniger als 5 Prozent der Einschulungskinder zu dick. In Weidenau-Mitte und Langenholdinghausen hingehen lag ihr Anteil bei mehr als 20 Prozent. Am anderen Ende der Waage, beim Untergewicht, schert der Giersberg mit 22,4 Prozent am deutlichsten aus.

Körperkoordination

Gleichgewicht und Ausdauer gehören in diesen Untersuchungsbereich. Knapp 70 Prozent der Siegener Kinder waren hier unauffällig, das liegt nur knapp unter dem NRW-Schnitt (73,3). Als „grenzwertig bis auffällig“ gingen in Niederschelden-Ost 46,7 Prozent und in Geisweid-Mitte 45 Prozent der Kinder ein. Auf dem Giersberg lag deren Anteil bei nur 13,6 Prozent.

Selektive Aufmerksamkeit

Auch ein Check von Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeitsfokussierung und Impulshemmung gehört zum Prozedere. Hier liegen die Siegener Kinder fast genau im Landesschnitt: 81,3 Prozent von ihnen waren bei der Untersuchung unauffällig. Den höchsten Anteil der Auffälligen gab es in Geisweid-Mitte (34,2 Prozent) sowie im weitaus kinderärmeren Bezirk Hammerhütte (35,3 Prozent). Die „Bestnote“ in dieser Sparte bekam der Giersberg: Nur 4,4 Prozent der Kinder hatten Aufmerksamkeitsprobleme.

Sprache

Zur Grundausstattung für die Schullaufbahn gehört das Sprachvermögen, entsprechende Bedeutung hat der Blick auf diesen Untersuchungsbereich. Zwei Drittel der Siegener Kinder sprechen zu Hause als Erstsprache Deutsch, bei gut 35 Prozent wird eine andere Sprache gesprochen im heimischen Umfeld. Die Unterschiede zwischen den Stadtbezirken sind hier extrem groß. Während in den ländlichen Bereichen wie Setzen, Trupbach, Oberschelden/Gosenbach in mehr als 90 Prozent der Haushalte Deutsch gesprochen wird, ist es am Fischbacherberg und am Lindenberg mit 35,3 bzw 46,9 Prozent weniger als die Hälfte. Den niedrigsten Wert weist Geisweid-Mitte auf: drei Viertel der Kinder sprechen hier zu Hause in erster Linie eine andere Sprache als die deutsche.

Bei einigen Kindern ist das Sprachvermögen in frühen Jahren stark ausgeprägt, bei anderen eher weniger.
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Auch bei der Bewertung der Sprachkompetenz lassen sich diese Unterschiede festmachen – und Analogien erkennen. Altersgerecht ist diese bei zwei Dritteln der Siegener Kinder (leicht unter NRW-Schnitt). Der höchste Anteil von Jungen und Mädchen, deren Sprachkompetenz nicht altersgerecht war, findet sich in Geisweid-Mitte mit 78,9 Prozent.

Zahlen und Mengen

Beim altersgemäße Umgang mit Zahlen und Mengen waren etwa 80 Prozent der Siegener Kinder unauffällig. Auch hier lag der Anteil der auffälligen angehenden Schüler in Geisweid-Mitte mit 43,6 Prozent am höchsten. Hohe Anteile gab es zudem im Bereich Hammerhütte (38,5 Prozent) und im Schatten der Uni – auf dem Haardter Berg (ebenfalls 38,5 Prozent).

Schuluntersuchungen derzeit ausgesetzt Der Entwicklungsstand der angehenden Schulkinder in Siegen wie auch im Rest des Kreises Siegen-Wittgenstein bleibt in diesem Jahr ein großes Geheimnis. Wegen der Coronapandemie hat das zuständige Kreisjugendamt die normalerweise verpflichtenden und flächendeckenden Schuleingangsuntersuchungen ausgesetzt – allein in begründeten Fällen, etwa wenn es um Förderbedarf geht, werden die Amtsärzte tätig.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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