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Missbrauchsprozess am Landgericht
Siegener vergreift sich an Sechsjährigen

Im Missbrauchsprozess gegen einen 37-jährigen Siegener vor dem Landgericht kamen weitere Details ans Licht.
  • Im Missbrauchsprozess gegen einen 37-jährigen Siegener vor dem Landgericht kamen weitere Details ans Licht.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

juka Siegen. Der Grat zwischen Fantasie und Wirklichkeit, zwischen dem Austausch von Gedankenspielen in Chats und der Umsetzung in der Realität kann schmal sein. Äußerst schmal sogar. Damit musste sich am Montag auch das Siegener Landgericht im Prozess gegen Claus K. beschäftigen. Der heute 37-Jährige muss sich wegen sexuellem Missbrauch von Kindern sowie des Besitzes und der Anfertigung von kinderpornografischem Material verantworten. „Die Fantasien fangen mit Jungs im Alter von acht bis neun Jahren an“, gab der Angeklagte am Montag zu. „Aber die Fantasie ist das eine. Ich glaube nicht, dass ich da übergriffig werden würde. Aber ich mag es, sie anzuschauen. Das stimmt.

juka Siegen. Der Grat zwischen Fantasie und Wirklichkeit, zwischen dem Austausch von Gedankenspielen in Chats und der Umsetzung in der Realität kann schmal sein. Äußerst schmal sogar. Damit musste sich am Montag auch das Siegener Landgericht im Prozess gegen Claus K. beschäftigen. Der heute 37-Jährige muss sich wegen sexuellem Missbrauch von Kindern sowie des Besitzes und der Anfertigung von kinderpornografischem Material verantworten. „Die Fantasien fangen mit Jungs im Alter von acht bis neun Jahren an“, gab der Angeklagte am Montag zu. „Aber die Fantasie ist das eine. Ich glaube nicht, dass ich da übergriffig werden würde. Aber ich mag es, sie anzuschauen. Das stimmt.“

Erste sexuelle Kontakte mit eigenem Bruder

Am Montag ging es insbesondere um die Vita des 37-Jährigen, die von Missbrauchsfällen und Übergriffen gezeichnet ist. Seine ersten sexuellen Kontakte machte K. nach eigenen Angaben bereits im Alter von zehn Jahren. Als Opfer. Sein eigener Bruder, vier Jahre älter, habe ihn dazu gebracht. „Er hat mich für seine Fantasien genommen“, blickt K. zurück. Über zwei Jahre sei das gegangen, immer wenn die Eltern aus dem Haus waren. Bis sein Bruder für die Ausbildung in eine andere Stadt ging.

Mit 13 Jahren in der Psychiatrie

Als der Angeklagte 13 Jahre alt ist, lernt er beim Zeitungaustragen Kinder zwischen sechs und sieben Jahren kennen. Er geht mit ihnen spazieren, vergreift sich an ihnen, lässt sexuelle Handlungen ausführen. „Das war nicht geplant, ich habe mir nur gedacht: ,Warum sollte ich das nicht machen’“, reflektiert K. am Montag, als sei es das Normalste auf der Welt. Die Geschehnisse fliegen auf, der damals 13-Jährige wird angezeigt, ist aber noch nicht strafmündig, wird jedoch in die Psychiatrie nach Herborn gebracht, wo er sich ein Jahr aufhält. „Mir war nicht schlüssig, was ich eigentlich falsch gemacht hatte“, so K. „Ich habe mich irgendwann damit abgefunden, dort zu sein.“

Fotos von Kindern gespeichert

Auch in Herborn kommt es zu sexuellen Handlungen, die Beteiligte als nicht gewollt bezeichnen. Dass es sich um Übergriffe handelte, konnte aber nicht bewiesen werden. Dennoch wird er in die Kinder- und Jugendpsychiatrie nach Viersen überbracht, wo schwerpunktmäßig auch Jugendliche mit sexuellen Auffälligkeiten behandelt werden. Dort sei ihm seine Homosexualität erst richtig bewusst geworden, so der Angeklagte. Nach der Zeit in Viersen und dem Tod seines Vaters habe er erstmals Bilder von Kindern aus dem Internet gespeichert. Zu Beginn Nacktfotos von Kindern zwischen zehn und 16 Jahren. Bewusst danach gesucht haben will der Angeklagte aber nie. Auch als strafrechtlich relevant habe er dies nie empfunden. Nach einem weiteren Vorfall mit dem 14-jährigen Sohn eines Arbeitskollegen, dem er Beträge zwischen 10 und 200 Euro für Leistungen bezahlt haben will und in dessen Folge er 2005 seinen Job verlor, wollte K. sich erneut Hilfe suchen. Fand aber nach eigenen Angaben keine Anlaufstelle. „Ich hatte das Gefühl, dass mir keiner helfen wollte oder konnte.“ Ein Umzug kam für ihn nie ernsthaft infrage, da er seine Mutter nach dem Tod des Vaters nicht im Stich lassen wollte.

Keine Beschwerden aus Schiedsrichter-Zeit

Privat betätigte sich K. als Fußball-Schiedsrichter. Lange Zeit pfiff er dabei auch Spiele im Juniorenbereich. Kontakte will er dabei nicht gesucht haben. „Ich habe mich dort einfach frei gefühlt und hatte keine Probleme“, so der Angeklagte. Nach anonymen Hinweisen beim Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) wurde K. allerdings von Jugendspielen abgezogen, leitete in der Folge nur noch Spiele von Erwachsenen. „Etwas mit Kindern“ stehe im Raum, blickt ein Zeuge auf die Hinweise zurück. Man habe mit K. ein Gespräch gesucht und die Entscheidung so getroffen. Beschwerde gegen den heute 37-jährigen aus dem Fußballbereich habe es aber nicht gegeben, so der Zeuge. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

Autor:

Julian Kaiser aus Siegen

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