SZ

Obusse waren bis 1969 unterwegs
Siegerländer fahren schon früh auf E-Mobilität ab

1952 fuhr der Obus von Siegen aus auch Ernsdorf an. Die ersten Gefährte wurden auf der Wendeschleife vor dem Gasthof Peter Ernst begeistert empfangen. 1969 war dies die letzte Linie, die vom Netz genommen wurde.
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  • 1952 fuhr der Obus von Siegen aus auch Ernsdorf an. Die ersten Gefährte wurden auf der Wendeschleife vor dem Gasthof Peter Ernst begeistert empfangen. 1969 war dies die letzte Linie, die vom Netz genommen wurde.
  • Foto: Foto: Heinz Krenz, Sammlung Henning Trippe
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Siegen/Kreuztal.  Elektromobilität ist ein Topthema unserer Zeit, ihr Für und Wider wird durchaus energiegeladen diskutiert: Das Netz der Ladestationen für E-Autos, Reichweiten oder die Akku-Herstellung sind kontrovers diskutierte Aspekte. Dass mit ihr bereits weite Teile des Siegerlands verkehrlich erschlossen waren, als das Wort Nachhaltigkeit – von der Haubergswirtschaft einmal abgesehen – noch verständnisloses Stirnrunzeln hervorgerufen haben dürfte, ist jüngeren Semestern gar nicht mehr bekannt. Vor 51 Jahren nämlich war Schluss damit: Anfang Januar 1969 wurde die letzte Obusstrecke der Siegener Kreisbahn vom Netz genommen: Das „O“ steht für Oberleitung und nicht das heute geläufigere „Omnibus“.

nja Siegen/Kreuztal.  Elektromobilität ist ein Topthema unserer Zeit, ihr Für und Wider wird durchaus energiegeladen diskutiert: Das Netz der Ladestationen für E-Autos, Reichweiten oder die Akku-Herstellung sind kontrovers diskutierte Aspekte. Dass mit ihr bereits weite Teile des Siegerlands verkehrlich erschlossen waren, als das Wort Nachhaltigkeit – von der Haubergswirtschaft einmal abgesehen – noch verständnisloses Stirnrunzeln hervorgerufen haben dürfte, ist jüngeren Semestern gar nicht mehr bekannt. Vor 51 Jahren nämlich war Schluss damit: Anfang Januar 1969 wurde die letzte Obusstrecke der Siegener Kreisbahn vom Netz genommen: Das „O“ steht für Oberleitung und nicht das heute geläufigere „Omnibus“.

Linie Siegen-Ernsdorf ging als letzte vom Netz

„Die letzte Obusstrecke der Siegener Kreisbahn ist stillgelegt worden: Seit gestern fahren auf der Linie zwischen Siegen und Kreuztal nur noch dieselgetriebene Gelenk-Omnibusse“, schrieb die SZ am 6. Januar 1969. Aufgemerkt: Genau dort also, wo im vergangenen Jahr von Seiten der heimischen SPD der Gedanke einer elektrisch betriebenen Seilbahn über der HTS ins politische Spiel gebracht wurde. 
Elektrisch unterwegs waren die Siegerländer schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts: Nachdem 1901 die Siegener Kreisbahn gegründet worden war, rollte 1904 die erste Straßenbahn von Kochs Ecke in Siegen knapp 7 Kilometer weit nach Geisweid, das Streckennetz weitete sich nach und nach aus.

Der erste Bus  rollte  1941 Richtung  Niederschelden

Der erste Oberleitungsbus beförderte am 16. Oktober 1941 Passagiere vom Siegener Bahnhof über Eiserfeld nach Niederschelden, kurze Zeit später bis Niederschelderhütte: Gleise wie die Straßenbahn benötigte dieses moderne Verkehrsmittel nicht mehr. Der Zwang im Zweiten Weltkrieg, Treibstoff einzusparen, und auch der zunehmende Berufsverkehr waren Argumente für einen forcierten strombetriebenen ÖPNV. Den „Saft“ zur Beförderung saugte der Obus, wie der Name unzweifelhaft erklärt, über Stromabnehmer aus einer zweipoligen Oberleitung, die über die Straße führt. Damit war auch der Fahrweg flexibler als jener der Straßenbahn – man konnte auch mal ausweichen – aber nicht so unabhängig wie jener der dieselangetriebenen Omnibusse. Die Masten für die Oberleitung standen in einem Abstand von ca. 30 Metern. In sogenannten Unterwerken erfolgte die Umwandlung des Stroms, der „mit einer Verteilungsspannung von 10 kV herangeführt wurde“, auf die „für den Obus erforderliche Betriebsspannung von 600 V Gleichstrom“, ist im umfassenden Nachschlagewerk „Straßenbahnen und Obusse im Siegerland“ aus dem Jahr 2004 nachzulesen.

Rund 47 km

Sukzessive wurde das Netz ausgeweitet. 1943 z. B. wurde Rinsdorf angeschlossen, am 3. Mai Kaan-Marienborn via Oberstadt und am 1. August 1944 die Route von Kreuztal nach Littfeld. Der Schlusspunkt des Streckenausbaus erfolgte Ende Mai 1952 mit der Linie Siegen – Kreuztal/Ernsdorf. Nun zählte das Obusnetz zu den größten Deutschlands.  Nachdem mit 46,2 km Strecke und 74,1 km Linienlänge die maximale Ausdehnung erreicht war, lief ab 1958 die sukzessive Einstellung des Obusbetriebs an. Straßenbaumaßnahmen (u. a. der Ausbau der B 54) hätten eine komplette Erneuerung der Oberleitungsinfrastruktur erforderlich gemacht, moderne Wagen hätten angeschafft werden müssen – und auch der damals recht günstige Dieselpreis ließen das Pendel Richtung Omnibus ausschlagen.

Heute:  kreisweit 419 E-Autos

  • Recht verhalten ist derzeit noch die Nachfrage in Siegerland und Wittgenstein an E-Autos: Ende Juli gab es kreisweit 419 zugelassene Pkw mit Elektroantrieb – bei einem Gesamtbestand von 176 025 Autos sind das gerade einmal 0,23 Prozent. Die Zahl der Pedelecs – also E-Bikes – liegt nicht zuletzt nach dem Boom dieses Jahres - wohl deutlich höher!
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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