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Nach Impfung mit AstraZeneca
Siegerländerin erleidet Hirnvenenthrombose

Nach der Impfung mit AstraZeneca muss die Siegerländerin ins Krankenhaus. Sie hat eine Hirnvenenthrombose.
  • Nach der Impfung mit AstraZeneca muss die Siegerländerin ins Krankenhaus. Sie hat eine Hirnvenenthrombose.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

vö Siegen. Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns produziert in diesen Tagen beinahe so viele Schlagzeilen wie die Pandemie selbst. AstraZeneca ist spätestens seit den bekannt gewordenen Fällen von Hirnvenenthrombose bei Frauen in aller Munde. Daran ändert auch eine überraschende Namensänderung nichts. In Deutschland wurde das Vakzin zwischenzeitlich nicht mehr verimpft, mittlerweile wird es wieder eingesetzt – allerdings nur noch bei Menschen, die mindestens 60 Jahre alt sind.
Hirnvenenthrombose nach AstraZeneca-Impfung
Deutlich jünger ist eine Frau aus dem südlichen Siegerland, die nach einer AstraZeneca-Impfung auf der Intensivstation des Kreisklinikums landete. Die Diagnose: Hirnvenenthrombose.

Siegen. Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns produziert in diesen Tagen beinahe so viele Schlagzeilen wie die Pandemie selbst. AstraZeneca ist spätestens seit den bekannt gewordenen Fällen von Hirnvenenthrombose bei Frauen in aller Munde. Daran ändert auch eine überraschende Namensänderung nichts. In Deutschland wurde das Vakzin zwischenzeitlich nicht mehr verimpft, mittlerweile wird es wieder eingesetzt – allerdings nur noch bei Menschen, die mindestens 60 Jahre alt sind.

Hirnvenenthrombose nach AstraZeneca-Impfung

Deutlich jünger ist eine Frau aus dem südlichen Siegerland, die nach einer AstraZeneca-Impfung auf der Intensivstation des Kreisklinikums landete. Die Diagnose: Hirnvenenthrombose. Oder, wie sie es im Gespräch mit der SZ formuliert: „Es war ein leichter Schlaganfall, ich hatte noch riesiges Glück.“ Mittlerweile ist die Erzieherin auf dem Weg der Besserung, sie befindet sich in physiotherapeutischer Behandlung: „Die Chancen stehen gut, dass nichts dauerhaft zurück bleibt.“

Vorher nie Probleme bei Impfungen

Sie macht im Gespräch deutlich, dass sie alles andere sei – nur keine Impfgegnerin. Als sie die Terminbenachrichtigung erhalten habe, sei sie positiv und zuversichtlich an die Sache herangegangen. Der Grund: Sie arbeite täglich mit Menschen zusammen, wo die Distanz nicht immer zu halten sei, und im eigenen Haus lebten Menschen aus der Risikogruppe. Von Kolleginnen, die vor ihr mit AstraZeneca geimpft worden seien, habe sie gehört, dass sie sich durchaus auf Schüttelfrost und etwas Fieber einstellen müsse. Zwei, vielleicht drei Tage, dann sei das Thema aber durch. Eines gibt der Südsiegerländerin außerdem Zuversicht: „Ich hatte nie Probleme bei Impfungen.“

Nebenwirkungen zwei Tage später

Geimpft wird mit AstraZeneca an einem Freitag im März. Die spätere Patientin: „Ich habe erst einmal gar keine Nebenwirkungen gemerkt.“ Das ändert sich am Samstag, die Geimpfte spürt ein Kribbeln im Arm – aber sie sei generell ein Typ, der nicht wehleidig unterwegs sei: „Das wird schon so in Ordnung sein.“ Schlimm wird es am Sonntag, zwei Tage nach der Impfung: Die rechte Körperhälfte weist deutliche Taubheitssymptome auf, Arme und Beine funktionieren nicht mehr rund – und im Bein kribbelt es extrem. Die Familie ruft den Rettungswagen und trifft exakt die richtige Entscheidung. „Die Erstdiagnose lautete Verdacht auf Schlaganfall, weil ich auch erhebliche Wortfindungsstörungen hatte.“ Die Patientin des Kreisklinikums fühlt sich dort hervorragend aufgehoben. Sie sei von oben bis unten auf den Kopf gestellt worden, Ärzte und Pflegepersonal hätten nichts dem Zufall überlassen.

Ärzte finden keine Ursache

Diagnostiziert wird – und daran lässt die SZ-Gesprächspartnerin keinen Zweifel – eine Hirnvenenthrombose. Nur: Eine Ursache können die Ärzte nicht finden. Demzufolge sei nur die Impfung als möglicher Auslöser übrig geblieben. Kein Beleg, nur eine starke Vermutung. Das deckt sich mit anderen Fällen in Deutschland und europäischen Nachbarländern. Bei Frauen jüngeren Alters traten Hirnvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfungen auf.

"Jeder sollte eigene Entscheidung treffen"

Einen eindeutigen Nachweis für einen direkten Zusammenhang gibt es allerdings nicht. Dennoch scheint das Vertrauen in den „Stoff“ aus England und Schweden dahin, der Name verbrannt. Würde die Erzieherin aus dem südlichen Siegerland einer Freundin oder Arbeitskollegin nach den eigenen Erfahrungen von einer Impfung mit AstraZeneca abraten? „Nein, das steht mir nicht zu. Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss, individuell und nach Bauchgefühl.“ Sie habe ihre Erfahrungen gesammelt, andere hätten keine Probleme nach der Impfung gehabt. Nur so viel: „Sicher kann ich sagen, dass sich aus meiner Familie niemand mehr für diesen Impfstoff entscheiden wird.“
Die Frau, die der SZ ihre Geschichte nach intensiven Recherchen der Redaktion anvertraut hat, kämpft sich aktuell zurück in den Alltag. Alle Körperfunktionen funktionieren weitgehend wieder, die Hand noch nicht. Aber die benötigt sie, um zurückzukommen in den Beruf.
Der Schlaganfall hat sie nachdenklich gemacht: „Es ist sehr befremdlich, wenn die Gliedmaßen nicht mehr so funktionieren, wie man es gerne möchte.“ Und was ist mit dem zweiten Impftermin, der eigentlich noch anstünde? Sie hoffe, dass ihr Körper genug Antikörper gebildet habe, damit alles andere hinfällig sei: „Ich möchte Corona nicht bekommen, und ich möchte es auch nicht weitergeben.“

Entscheidung für die Anonymität Die Frau, die im Kreisklinikum wegen einer Hirnvenenthrombose – unmittelbar nach einer AstraZeneca-Impfung – behandelt wurde, möchte gerne anonym bleiben. Der Redaktion ist die Person mit Anschrift bekannt. SZ-Recherchen bestätigten auch den Krankenhaus-Aufenthalt und die Diagnose, wenngleich Lara Stockschläder, Sprecherin des Kreisklinikums, darauf verweist, dass das Klinikum in der Öffentlichkeit generell keine Aussagen zu Patienten mache. Noch ein Hinweis in diesem Zusammenhang: Die Südsiegerländerin ist nicht von sich aus auf die SZ-Redaktion zugekommen – die Kontaktaufnahme fand in umgekehrter Richtung statt.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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