Sigmar Polkes Kartoffelmaschine

Kunstwerk des Monats Mai: Sigmar Polke, Kartoffelmaschine, 1969, Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Rubenspreisträger der Stadt Siegen.  Foto: Museum
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sz Siegen. Ausgerechnet im Keller fand Sigmar Polke, was er suchte: ein Sinnbild für die künstlerische Kreativität: „Ja, wenn es überhaupt etwas gibt, auf das all jenes zutrifft, was immer wieder am Künstler diskutiert wird: Innovationsfreude, Kreativität, Spontanität, Produktivität, das Schaffen ganz aus sich heraus, usw. – dann ist das die Kartoffel.“

Polke hat sich nie zu seinen Arbeiten geäußert und es immer anderen überlassen, die Quellen seiner Bildfindungen aufzuspüren. In dem frühen Text „Wie kamen die Affen in mein Schaffen“, der zum ersten Mal im Tübinger Ausstellungskatalog von 1976 publiziert wurde, macht er eine Ausnahme und schreibt launig über die Ursprünge seiner künstlerischen Arbeit. Im Keller, einem Ort, an dem man wahrlich keine Erleuchtung für Kunst vermutet, wird er fündig: „Man sehe nur, wie sie da, im dunklen Keller liegend, ganz spontan zu keimen beginnt und in schier unerschöpflicher Kreativität Keim um Keim innoviert, und wie sie – ganz hinter ihrem Werk zurücktretend – bald unter ihren Trieben verschwindet und dabei die wunderlichsten Gebilde erschafft!“ Ihren konkreten Niederschlag fand diese Erkenntnis Polkes vor allem im „Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann“ von 1969. Es gibt insgesamt 30 Exemplare dieser Kartoffelmaschine. Die Nr. 26 befindet sich in der Sammlung Lambrecht-Schadeberg im Museum für Gegenwartskunst Siegen. Unter einem hockerartigen Holzgestell ist an einem gebogenen Draht eine Kartoffel aufgespießt. Die zweite Kartoffel liegt auf dem Fußboden darunter. Wenn man den kleinen Motor, dessen Antriebsriemen ein profanes Haushaltsgummiband bildet, einschaltet, versetzt sich die aufgespießte Kartoffel in langsam kreisende Bewegung um die liegende Kartoffel.

Ein Spektrum von kunsthistorischen Bezügen eröffnet sich bei dem Betrachten dieser einfachen Apparatur: man könnte an die Armut des bäuerlichen Lebens, dessen Sinnbild die Kartoffel ist, bei Van Gogh denken. Auch persifliert Polke hier auf wunderbare Weise den Ready-Made-Erfinder Marcel Duchamp und sein „Fahrrad-Rad“, in einer Hoch-Zeit der kinetischen Kunst und der „Eat Art“, noch dazu im Jahr 1969, dem Jahr der Mondlandung, wo sowieso jeder ständig an Planetenbewegungen denken musste.

Im Museum für Gegenwartskunst Siegen, in dieser regionalen Situation, in der die Kartoffel eine herausragende kulinarische Rolle spielt, entfaltet die Arbeit von Sigmar Polke, der 2007 den 11. Rubenspreis der Stadt Siegen erhielt, ihren besonderen augenzwinkernden Charme.

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