BIS AUF WEITERES
Sinfonie des Grauens

SZ-Redakteur Jan Schäfer.
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Nur Geduld. Irgendwann wird sich schon jemand erbarmen. Wird sich deines Anliegens annehmen, die gesuchte Lösung für dein Problem haben, den ersehnten Termin rausrücken. So lange heißt’s entspannen, zurücklehnen – und die Musik genießen …

Wenn das doch nur so einfach wäre. Nicht nur, dass Geduld zu den seltenen Tugenden in unserer hektisch getakteten Gesellschaft gehört, gerade in diesen Pandemiezeiten aber so bitternötig ist. Nein, auch das, was uns da auf die Ohren kommt, ist nicht selten die reinste Zumutung. Kaum etwas ist so schwer zu ertragen, wie die musikalische Untermalung einer Warteschleife.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass wir immer wieder aufgeschmissen und zum telekommunikativen Hintenanstellen verdammt sind. Dann, wenn ein Termin beim stets überbuchten Facharzt abgemacht werden soll. Wenn das Müllauto schon wieder gleich die ganze Abfalltonne verschluckt hat und natürlich erst der nächste Sachbearbeiter bei der zuständigen Beschwerdestelle für uns reserviert ist. Wenn uns mal wieder der unzuverlässige Internetanbieter aus dem Homeoffice in die Arbeitsunfähigkeit wirft und wir den dringenden Appell zur Abhilfe loswerden müssen. Oder wenn wir an zentraler Stelle um einen befreienden Impftermin betteln möchten. Immer dann kommt er ins Spiel, der Soundtrack zur Warteschleife. Gruseliges Gedudel, ohrenbetäubende Computerklänge, die Sinfonie des Grauens. Dabei wäre der Zeitraub an sich nicht schon brutal genug, ganz ohne akustische Pein.

Da macht es fast schon keinen Unterschied, ob der Angerufene mich mit lizenzfreier Billigmelodie oder kostspieliger Auftragskomposition quält. Und Ludwig van B. hätte sich für Elise sicher auch eine andere Karriere vorgestellt als die eines Quälgeistes, der sich in einer Klimperkasteninterpretation allzu oft und unerbittlich in die Ohrmuschel bohrt. Genug gejammert, ich muss aufhören – der nächste Gesprächspartner ist schon für mich reserviert.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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