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Kann und darf man überhaupt in den Urlaub fahren?
Skisaison mit vielen Fragezeichen

Marius Quast hat sich einen Traum erfüllt.  Der Arbeitsplatz des Social-Media-Stars  sind die Skigebiete der Alpen.
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  • Marius Quast hat sich einen Traum erfüllt. Der Arbeitsplatz des Social-Media-Stars sind die Skigebiete der Alpen.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

thor Siegen/Hünsborn. München und Stuttgart. Schöne Städte, ohne Frage. Doch Mitte November definitiv kein „place to be“. Jedenfalls nicht für Julian Witting und Marius Quast. Die beiden Hünsborner, mittlerweile Deutschlands erfolgreichste Ski-Blogger, Influencer und YouTuber, würden jetzt eigentlich tief in den Alpen die Kanten glühen lassen. Hintertux, Sölden, Hochgurgl – so listet Julian die Stationen auf, die eigentlich geplant waren. Eigentlich, das Wort des Jahres 2020. Stattdessen sitzt er beim Video-Chat in seiner Wohnung und harrt der Dinge. Marius telefoniert aus dem schneefreien München: „Normalerweise bin ich um die Zeit viel in Tirol unterwegs.“ 
Die SZ sprach mit den beiden Sauerländern über die bevorstehende Skisaison, die so ganz anders wird als alle anderen vor ihr.

thor Siegen/Hünsborn. München und Stuttgart. Schöne Städte, ohne Frage. Doch Mitte November definitiv kein „place to be“. Jedenfalls nicht für Julian Witting und Marius Quast. Die beiden Hünsborner, mittlerweile Deutschlands erfolgreichste Ski-Blogger, Influencer und YouTuber, würden jetzt eigentlich tief in den Alpen die Kanten glühen lassen. Hintertux, Sölden, Hochgurgl – so listet Julian die Stationen auf, die eigentlich geplant waren. Eigentlich, das Wort des Jahres 2020. Stattdessen sitzt er beim Video-Chat in seiner Wohnung und harrt der Dinge. Marius telefoniert aus dem schneefreien München: „Normalerweise bin ich um die Zeit viel in Tirol unterwegs.“ 
Die SZ sprach mit den beiden Sauerländern über die bevorstehende Skisaison, die so ganz anders wird als alle anderen vor ihr. Die entscheidende Frage: Kann und darf man überhaupt angesichts der völlig unklaren Pandemie-Lage in den Skiurlaub fahren? Beide waren vor Wochen schon auf den Gletschern, wo prächtige Vorsaison-Bedingungen herrschten. Dann kam der von Wien verordnete Lockdown, die Lifte und Gondeln standen still.

"Schwierige Situation für allen Beteiligten“

„Es ist definitv eine sehr schwierige Situation für allen Beteiligten“, sagt Marius zur derzeitigen Stimmungslage in den Alpen. Er wie auch Julian kennen zahlreiche einheimische Gastronomen. Deren Existenzängste sind derzeit größer als die Löcher auf südlich gelegenen Pisten im April. Im Oktober sei die Zuversicht noch groß gewesen, erzählt Julian, davon sei jetzt nur wenig übrig geblieben: „Die sind schon alle sehr angezählt.“ Der erste Lockdown von Mitte März wirke immer noch nach, vielerorts seien die Rücklagen inzwischen aufgebraucht. Der Hünsborner kennt Fälle, wo chinesische Investoren auf eine Übernahme von Hotels warten. „Ich kann nur hoffen, dass die jetzigen Lockdown-Maßnahmen anschlagen.“

Liftbetreiber setzen auf Regeln

Nicht gerade förderlich waren die Bilder, die im Oktober dicht gedrängte Menschenmassen vor den Gondeln zeigten. Überall gebe es zwar Hygienebestimmungen, aber: „Leider haben sich nicht alle Skifahrer an die Appelle gehalten“, kritisiert Marius. Ein gewissener Nachholbedarf der „Freaks“ (Julian) war offensichtlich: „Die waren alle richtig, richtig heiß.“

Gondelbahnen das größte Problem

Dennoch: Aus Sicht von Marius wird auch in der Saison 20/21 Skifahren möglich sein. „Das Problem werden die Gondelbahnen sein. Hier stehen die Betreiber vor einer sehr, sehr großen Aufgabe.“ Auch Julian sieht hier den entscheidenden Engpass: „Mein Tipp, den Tag vorausschauend planen, nicht dann kommen, wenn alle hoch wollen. Das gilt auch für die Hütten.“ Er vergleicht die Situation in den Gondeln mit denen in Straßen- und U-Bahnen: „Ein gewisses Restrisiko wirst du nicht ausschließen können.“
Nun wissen die beiden Sauerländer aus eigener (leidvoller) Erfahrung, dass Familien in NRW nur über Weihnachten oder Ostern Skiferien machen können – im Gegensatz zur „alpinen Hochburg“ Hamburg. Und genau zu diesen Terminen sieht Marius massive Schwierigkeiten, denn der Ansturm werde vor Ort kaum mit den Abstands- und Hygieneregelungen zu vereinbaren sein. Das, so sagt Marius, sei seine persönliche Meinung. Er wisse auch, dass dieses Thema kontrovers diskutiert werde. „Individualtouristen, die sich Zeit und Ort aussuchen können, werden in dieser Saison klar im Vorteil sein.“
Ganz so hart will es Julian nicht formuliert wissen, aber klar: „Es wird allein schwierig werden, die Kinder in der Skischule abzugeben.“ Der 29-Jährige ist selbst betroffen, bietet er doch den Winter über zahlreiche Kurse und Coachings an. Er will nicht ausschließen, dass das eigentliche Geschäft erst im März/April anfängt. Aber viele seiner Kooperationen seien langfristig angelegt, von daher sei er noch ganz entspannt.

Eventuell Skipässe limitieren

Auch wenn Julian und Marius seit Jahren skitechnisch in den Alpen zu Hause sind, so haben sie doch ihre Homespots nicht vergessen und können die Lage dort nach wie vor sehr gut einschätzen. Aber auch jeder heimische Skifahrer weiß, wie es gerade in Winterberg an guten Wochenenden aussieht. „Die müssen sich was einfallen lassen“, drückt es Julian vorsichtig aus. „Die Probleme, die es schon in den Alpen gibt, sind in Winterberg eigentlich gar nicht zu lösen“, sagt Marius und erinnert an Szenen, wenn die Skifahrer „die halbe Piste hoch“ vor den Liften anstehen. Natürlich könne man Liftpässe limitieren – dem gegenüber stünden aber auch hier massive wirtschaftliche Interessen wegen der permanenten Investitionen in die notwendige Beschneiung: „Schnee kostet richtig, richtig Geld.“ Julian sieht ohnehin den Trend, dass Skifahren langfristig wieder zu einem eher exklusiven Sport wird. Leider.
Bei all den Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten: Die Hünsborner bleiben zuversichtlich – sonst wäre sie auch nicht da, wo sie heute sind. Marius: „Mein Thema ist und bleibt, Menschen zu motivieren, raus zu gehen und Sport zu treiben.“ In welcher Form auch immer. Und auch Julian hat für sich beschlossen, in der Krise eine Chance zu sehen. Eine Krise, an die man sich hoffentlich irgendwann wieder im hüfthohen Tiefschnee oder bei endlosen Carving-Turns wie an einen bösen Traum erinnert.  

Wintersport-Artikel liegen wie Blei in Regalen
Marius Quast hat sich einen Traum erfüllt.  Der Arbeitsplatz des Social-Media-Stars  sind die Skigebiete der Alpen.
Ein erfolgreicher Ski-Blogger: Julian Witting aus Hünsborn.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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