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"Monte Schlacko" als eine Top-Sehenswürdigkeit
So denkt das Internet über Siegen

Der Hübbelbummler bringt Farbe in die City. Auf dem bundesweiten Bewertungsportal „golocal“ bekommt er fünf von fünf Sternen. Ein Kommentar lobt: „Man bekommt etwas zu sehen und zu erleben für sein Geld.“
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  • Der Hübbelbummler bringt Farbe in die City. Auf dem bundesweiten Bewertungsportal „golocal“ bekommt er fünf von fünf Sternen. Ein Kommentar lobt: „Man bekommt etwas zu sehen und zu erleben für sein Geld.“
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ihm Siegen. Der Intellektuellen-Gau für das Siegener Stadtmarketing ereignete sich im Jahre 1996, als der Journalist Hanjo Seißler im Magazin der Süddeutschen Zeitung titelte „Was ist schlimmer als Verlieren? Siegen!“ Die Stadt in der fernen Provinz wurde lustvoll in der Luft zerrissen. Man kennt das von Kultur-Rezensionen: Ein richtiger Verriss fließt viel flotter aus der Feder als eine differenzierte Analyse.Hanjo Seißler hat Nachahmer gefunden bei seiner Siegen-Schelte, die meisten von minderer Qualität. Ein verkrachter Student schimpfte, Siegen sei so trostlos wie Polen, eine eingebildete Jungredakteurin klagte über „traurige Nadelwälder“ in der Stadt. Seißler ging 2016 gönnerhaft auf Wiedergutmachungstour und fand dann Siegen gar nicht mehr so schlimm.

ihm Siegen. Der Intellektuellen-Gau für das Siegener Stadtmarketing ereignete sich im Jahre 1996, als der Journalist Hanjo Seißler im Magazin der Süddeutschen Zeitung titelte „Was ist schlimmer als Verlieren? Siegen!“ Die Stadt in der fernen Provinz wurde lustvoll in der Luft zerrissen. Man kennt das von Kultur-Rezensionen: Ein richtiger Verriss fließt viel flotter aus der Feder als eine differenzierte Analyse.Hanjo Seißler hat Nachahmer gefunden bei seiner Siegen-Schelte, die meisten von minderer Qualität. Ein verkrachter Student schimpfte, Siegen sei so trostlos wie Polen, eine eingebildete Jungredakteurin klagte über „traurige Nadelwälder“ in der Stadt. Seißler ging 2016 gönnerhaft auf Wiedergutmachungstour und fand dann Siegen gar nicht mehr so schlimm. Der vernichtende Spruch über die Krönchenstadt aber geistert immer noch durch Internet-Kommentare und Zeitungsspalten.

Wie steht Siegen da im World Wide Web? Was gilt als sehens- und erlebenswert? Tripadvisor, eines der großen Reise- und Ausflugsportale, hat einige Vorschläge für Siegen-Besucher. Siegener werden sich die Augen reiben ...

"Monte Schlacko" als Sehenswürdigkeit

Als eine Top-Sehenswürdigkeit (Platz 2) gilt da zum Beispiel der „Monte Schlacko“. 16 Bewertungen, die meisten super. „Finde es beeindruckend, auf so einem riesigen Schlackeberg der Siegerländer Metallindustriekultur zu stehen“, schreibt Zora3. Nur ein User merkt an, dass es wohl verboten ist, auf die Halde zu klettern. Die meisten geben Tipps, wie man den versteckten Zugang findet.

City-Galerie ganz oben mit dabei

Auf dem ersten Platz der Sehenswürdigkeiten steht die City-Galerie. Einkaufen steht offenbar bei Trip-Advisor-Nutzern hoch im Kurs (85 Bewertungen) – oder der Algorithmus spült Werbliches nach oben.
Nach dem Sieg-Carré listet Tripadvisor das erste kulturelle Highlight: Das Siegerland-Museum. Die meisten Kommentare sind voller Lob für Museum, Schloss und Schlosspark. Damit schneidet das Siegerlandmuseum besser ab als das neuere und hochambitionierte Museum für Gegenwartskunst. Peter J. zum Beispiel urteilt über das Kunstmuseum im alten Telegrafenamt: „Alles in allem, wenn man nicht zu viele Erwartungen hat, okay!“ Oder: „Wir waren schnell durch. Ist nicht jedermann sein Ding“, schreibt muggy09. Enthusiasmus klingt anders.
Auf der PR-Plattform Buzz Feed finden sich „26 Gründe, warum du nicht nach Siegen fahren solltest“. Wer hier Stadt-Bashing erwartet, liegt falsch. Negatives wird durch hübsche Fotos in sein Gegenteil verkehrt. Beispiel: „Siegen, die Stadt ohne Geheimnisse“ – das Foto zeigt den geisterhaft illuminierten Abstieg ins Schaubergwerk am Oberen Schloss. Nette Werbung.

Neue Ufer in Siegen kommen bei Google gut an

Gibt man einfach nur das Stichwort „Siegen“ bei Google ein, liefert die Suchmaschine als ersten Treffer die Website der Stadt. Das ist gut – im Prinzip. Die städtische Startseite allerdings punktet links oben mit dem Abfallkalender. Etwas anregender dürfte es schon werden.
Apropos Google: Auch die Suchmaschine bewertet Siegen. Die neuen Ufer zum Beispiel kommen bei 642 Bewertungen auf eine gute 4,2 (Höchstnote wäre 5). „Ein Muss für alle Siegen-Besucher. Am besten abends wegen der ambientevollen Illumination“, lobt Kirill.
Allzu viele Superlative hat Siegen nicht zu bieten. Einer aber schafft es doch auf manche Website: Die „steilste Einkaufsstraße Deutschlands“ soll die Kölner Straße sein. Ob es stimmt, weiß keiner. Aber als Werbeslogan taugt es auf jeden Fall.

Kooperation statt Konkurrenz Siegerland und Wittgenstein gelten als kleinste touristische Destination im Land Nordrhein-Westfalen und spielen wenigstens für die Statistiker von IT NRW eine Sonderrolle. Das war vielen Lokalpatrioten immer wichtig. Wenn sie von Auswärtigen hörten, dass Siegen ja im Sauerland liege, ließ der Aufschrei keine zehn Sekunden auf sich warten. Mit dem übermächtigen Touristik-Riesen in der Nachbarschaft wollte man nichts zu tun haben, sah ihn gar als Konkurrenz. Das hat sich geändert. Ganz offiziell kooperiert Siegen-Wittgenstein jetzt mit Sauerland-Tourismus. Aber bis man wirklich bei den Großen mitspielen kann, wird es wohl noch dauern. Immer noch gibt es auf der Touristikseite des Kreises keine Möglichkeit, eine direkte Buchungsanfrage zu starten. Anders im Sauerland. Da funktioniert das problemlos. Urlaub für eine Familie mit zwei Kindern im September 2021? 259 Ergebnisse mit Preisangaben und Links zu den Häusern. Die Betriebe im Siegerland und in Wittgenstein aber hat Sauerland-Tourismus leider nicht in der Liste.
Der Hübbelbummler bringt Farbe in die City. Auf dem bundesweiten Bewertungsportal „golocal“ bekommt er fünf von fünf Sternen. Ein Kommentar lobt: „Man bekommt etwas zu sehen und zu erleben für sein Geld.“
Von seiner schönsten Seite zeigt sich Siegen ganz oben: Das Obere Schloss und der Schlosspark sind zwei Pfunde, mit denen das Stadtmarketing wuchern kann.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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