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Diskussion neu entfacht
So denkt der heimische Handel über Sonntagsöffnungen

Der Städte- und Gemeindebund fordert von der Politik eine „Exit-Strategie“ aus der Pandemie. Konkret könnten Sonntagsöffnungen der Händlerschaft Impulse setzen. Die SZ hörte sich mal um.
  • Der Städte- und Gemeindebund fordert von der Politik eine „Exit-Strategie“ aus der Pandemie. Konkret könnten Sonntagsöffnungen der Händlerschaft Impulse setzen. Die SZ hörte sich mal um.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe/ap/sabe Siegen/Bad Berleburg. Die Zwickmühle ist unverkennbar: Einerseits sind die Infektionszahlen im Sinken begriffen, andererseits befindet sich das Land immer noch im Lockdown. Der Einzelhandel hat weiterhin für die Kundschaft geschlossen, dagegen boomt förmlich der Online-Handel. Da stellt sich die Frage, welche Inzidenzwerte nun vorherrschen müssen, damit wenigstens die Geschäfte wieder Umsätze generieren können. Einen Vorstoß unternahm dieser Tage Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der an die Adresse der Politik die Aufforderung schickte, „jetzt klare Perspektiven aufzuzeigen“. Neben Kitas und Grundschulen erwartete dies natürlich die Wirtschaft, die „Signale für eine solide Planung“ brauche.

howe/ap/sabe Siegen/Bad Berleburg. Die Zwickmühle ist unverkennbar: Einerseits sind die Infektionszahlen im Sinken begriffen, andererseits befindet sich das Land immer noch im Lockdown. Der Einzelhandel hat weiterhin für die Kundschaft geschlossen, dagegen boomt förmlich der Online-Handel. Da stellt sich die Frage, welche Inzidenzwerte nun vorherrschen müssen, damit wenigstens die Geschäfte wieder Umsätze generieren können. Einen Vorstoß unternahm dieser Tage Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der an die Adresse der Politik die Aufforderung schickte, „jetzt klare Perspektiven aufzuzeigen“. Neben Kitas und Grundschulen erwartete dies natürlich die Wirtschaft, die „Signale für eine solide Planung“ brauche. Denn dass der Staat über Monate die Verluste durch Zahlungen ausgleichen könne, das sei „realitätsfern.“ Konkret fordert Gerd Landsberg, „durch mehr verkaufsoffene Sonntage zusätzliche Perspektiven zu eröffnen.“

Pro Bad Laasphe nimmt die Anregung gerne auf

Das hört man in der heimischen Region natürlich gerne. „Der Einzelhandel möchte die Menschen wieder zu sich holen“, formuliert Otto Wunderlich von Pro Bad Laasphe. Und am liebsten wolle man nach der Corona-Krise „ein schönes Event“ aus dem Boden stampfen, eine Art Stadtfest mit allem Drum und Dran. Wobei er die Sonntagsöffnungen nicht strapazieren wolle. „In Winterberg zum Beispiel wisse man ja gar nicht mehr, „ob man an einem Dienstag, Donnerstag oder Sonntag dort einkauft.“ Aber für Bad Laasphe könne er sich sehr gut „immer mal wieder Events vorstellen, die genutzt werden, um die Öffnungszeiten zu erweitern. Da finde ich den Gedanken von Gerd Landsberg absolut richtig.“ Otto Wunderlich regt an, die Wittgensteiner Kommunen sowie die angrenzenden sollten sich auf eine gemeinsame Terminkoordination verständigen. „Auf der Ebene Wittgensteins ist das besonders wichtig, damit man sich mit Terminen nicht im Weg steht.“ Im Übrigen, und das betont der Sprecher von Pro Bad Laasphe auch, herrsche trotz der Pandemie-Situation „ein tolles Miteinander unter der Einzelhändlerschaft.“

Auch in Bad Berleburg plädiert man für Sonntagsöffnungen

Karsten Wolter, Vorsitzender von Bad Berleburg Markt und Tourismus, pflichtet Gerd Landsberg und dessen Forderungen nur bedingt bei. „Im Rahmen der Kurorte-Regelung sollte man die Sonntagsöffnungen möglich machen.“ Bad Berleburg sei Klinikstandort, „hier haben am Wochenende die Klinikpatienten, Besucher und Gäste die einzige Gelegenheit, einzukaufen.“ Der Bad Berleburger Händlerschaft komme es dabei nicht auf die vielen Sonntagsdienste an. „Es gibt nämlich Grenzen der Machbarkeit“, so Karsten Wolter. Die meisten Händler seien inhabergeführte Geschäfte, die alle Familien hätten. Da habe die Sonntagsöffnung sicher Grenzen. „Aber ein gesundes Mittelmaß, das auf die Bedürfnisse der Stadt abgestimmt ist, das wäre gut. Da wünschen wir uns Freiheiten in der Gestaltung der offenen Sonntage.“ Wohlgemerkt: im Sinne der Kurorte-Regelung.

Sonntagsöffnungen dienen der ganzen Stadt

Diese Sonntagsöffnungen, erläutert Karsten Wolter, dienten der ganzen Stadt. „Und sie dienen der Sicherung des Kliniken-Standorts.“ Außerdem, und das beobachtet Markt und Tourismus eindeutig, profitierten die Gastronomen in der Bad Berleburger Ober- und Unterstadt von den Patienten „in nicht unerheblichem Maße“. Ähnlich wie Karsten Wolter schätzt auch Karin Geßner vom Verein Handel, Handwerk und Gewerbe aus Erndtebrück die Situation ein. Ob die kleinen Einzelhändler von weiteren Sonntagsöffnungen profitierten, sei die Frage. Zumal die zusätzliche Öffnung an Sonntagen immer mit zusätzlichem Aufwand verbunden sei. Die lauter werdenden politischen Forderungen, Sonntagssöffnungen nach dem „Lockdown“ zu ermöglichen, stützt Karina Brühmann vom Handelsverband Südwestfalen energisch.
„Wir stehen da ganz offen zu, das war schon unsere Forderung während des Weihnachtsgeschäfts“, so die für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiterin. Man habe es momentan mit einer Ausnahmesituation zu tun, die verlange, dem Handel Hilfestellung anzubieten. Sonntagsöffnungen können demnach nicht nur für Pandemie-gerechte Entzerrung und Kundenströme sorgen, sondern – weitergedacht – auch Arbeitsplätze retten.

Kleiner Händler schaut in die Röhre Zwei Einzelhändler hat sich die SZ-Redaktion herausgepickt. sie äußern sich zu möglichen Sonntagsöffnungen. Dennis Henkel, Moanet Siegen: „Ich finde das lange überfällig. Ich empfinde es als eine sehr sehr gute Idee, weil man die Stadt so wieder belebter macht. Die klassischen Öffnungszeiten gibt es sowieso nicht mehr – der Online-Handel hat ja auch 24 Stunden offen. Ich finde aber, trotzdem sollte jeder selbst entscheiden dürfen, ob er sonntags öffnen möchte. Wir als Laden würden das mit Sicherheit machen. Daniel Bätzing, Ausdauer Betzdorf/ Absolut Run Ausdauer, Siegen: „Meiner Ansicht nach trüge es nicht dazu bei, das Infektionsgeschehen weiter unten zu halten. Aus der Erfahrung ist an verkaufsoffenen Sonntagen immer viel los. Daher denke ich, dass jeder Einzelhändler in seinem Fall über eine Verlängerung der Öffnungszeiten nachdenken sollte statt sonntags zu öffnen. Außerdem bin ich der Ansicht, dass von solchen Öffnungen wieder nur die Filialisten profitieren, da sie die Kunden mit Rabatten zum Kauf locken würden und der kleine Händler in die Röhre schaut.
Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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