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Kritik an Helfern am Nürburgring
"So ein Geschwätz regt uns auf"

Rettungsfahrzeuge, so weit das Auge reicht. Dieses Bild bot sich den Helfern des DRK Niederschelden am Nürburgring, dem zentralen Drehkreuz für Einsatzkräfte und Logistik in der Katastrophenregion in der Eifel.
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  • Rettungsfahrzeuge, so weit das Auge reicht. Dieses Bild bot sich den Helfern des DRK Niederschelden am Nürburgring, dem zentralen Drehkreuz für Einsatzkräfte und Logistik in der Katastrophenregion in der Eifel.
  • Foto: DRK Niederschelden
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tip Niederschelden. Lange habe er überlegt – aber dann musste es einmal raus. Mit emotionalen Worten richtet sich Jens Kreutz vom DRK Niederschelden an Menschen, die Hilfskräfte in den Katastrophengebieten kritisieren. Ein in den sozialen Medien oft gelesener Vorwurf: Vor allem am Nürburgring, dem zentralen Drehkreuz für Helfer und Logistik, gebe es viele Fotos „von Rettungskräften, die da einfach nur in der Sonne rumliegen”. Überhaupt seien es ja eher private Initiativen, die vor Ort anpackten und weniger „die Profis“.

„So ein dummes Geschwätz und Fakenews regen uns, die ihre Freizeit opfern und auf Familie verzichten, um unter teils lebensgefährlichen Situationen andere zu retten, schon sehr auf”, so Kreutz. Er selbst war mit seinem Team einige Tage in der Eifel vor Ort.

tip Niederschelden. Lange habe er überlegt – aber dann musste es einmal raus. Mit emotionalen Worten richtet sich Jens Kreutz vom DRK Niederschelden an Menschen, die Hilfskräfte in den Katastrophengebieten kritisieren. Ein in den sozialen Medien oft gelesener Vorwurf: Vor allem am Nürburgring, dem zentralen Drehkreuz für Helfer und Logistik, gebe es viele Fotos „von Rettungskräften, die da einfach nur in der Sonne rumliegen”. Überhaupt seien es ja eher private Initiativen, die vor Ort anpackten und weniger „die Profis“.

„So ein dummes Geschwätz und Fakenews regen uns, die ihre Freizeit opfern und auf Familie verzichten, um unter teils lebensgefährlichen Situationen andere zu retten, schon sehr auf”, so Kreutz. Er selbst war mit seinem Team einige Tage in der Eifel vor Ort. Sein erster Eindruck bei der Ankunft: „Der Treffpunkt war voll besetzt, die Stimmung untypisch getrübt und angespannt. Es fuhren viele Autos über die Döttinger Höhe Richtung Fahrerlager. Es handelte sich aber nicht um Touristenfahrer, Rennfahrer oder die typischen Versorger – alles blinkte blau. Gefühlt fuhren 100 Autos daher – stündlich.”

Ganzen Tag und ganze Nacht durchgearbeitet

Dann der erste Einsatz. Nicht etwa über Straßen ging es zum Ort des Geschehens. Vielmehr waren es allenfalls noch Wege, die zum Ziel führten. „Ortsschilder erinnerten an einen Kinderbasar, denn es waren Pappschilder, gemalt von Menschenhand, die über einen selbstgebauten Feldweg den Weg zum Ort zeigten”, berichtet der Vorsitzende des DRK Niederschelden. Dort angekommen, ging es gleich an die Arbeit. Den ganzen Tag, die ganze Nacht durch. Rettungsdienst, Menschen trösten, bei einem Brand aushelfen.

Völlig erschöpft ruhen sich die Helfer nach einer anstrengenden Nacht erstmal aus.
  • Völlig erschöpft ruhen sich die Helfer nach einer anstrengenden Nacht erstmal aus.
  • Foto: DRK Niederschelden
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An Tag zwei gab es, zurück am Nürburgring, etwas Ruhe für die Helfer. Untätig waren Kreutz und sein Team dennoch nicht. „Personalplanungen waren zu erledigen. Außerdem kümmerte ich mich noch um meinen normalen Job. Und, ganz wichtig: Man sprach untereinander über das Erlebte”, so Kreutz.

"Manchmal kommen die Tränen sofort,
manchmal erst Stunden oder Tage später.“

Jens Kreutz
DRK Niederschelden

Der Niederscheldener hörte einem Kollegen zu. Er hatte Dienst, als die Flut losbrach. „Er berichtete von Einsätzen, die abgebrochen werden mussten – Unglücksort nicht mehr erreichbar. Er erzählte von einem Dutzend toter Pferde, in der Ecke liegend, dem Wasser zum Opfer gefallen. Von Menschen auf Dächern, auf Hilfe wartend, während das Rettungsboot zehn Meter vor dem Haus abbrechen musste, da der Motor des Bootes nicht mehr gegen die Fluten ankam.

Helfer Nachricht von toter Tochter überbracht

Und dann war da noch dieser andere Helfer, ein Freiwilliger. Er war selbst von der Flut betroffen. Er räumte Zeug beiseite, suchte Verletzte, Opfer. Irgendeiner vom Rettungsdienst, vom THW, von der Bundeswehr, von der Polizei musste dann zu ihm, dem Helfer, und ihm mitteilen, dass seine Tochter gefunden wurde – von den Leichensuchhunden.”

Ein Bild der Verwüstung, das die Wassermassen hinterlassen haben.
  • Ein Bild der Verwüstung, das die Wassermassen hinterlassen haben.
  • Foto: DRK Niederschelden
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Kreutz weiter: „Das ist der Grund, warum die Helfer tagsüber zusammensitzen, essen, sich umarmen: Reden, Verarbeiten von dem, was passiert ist, Kraft tanken – mit Glück sogar in der prallen Sonne, denn dann werden die Tränen schneller trocken. Tränen, die manchmal direkt kommen, manchmal aber auch erst Stunden oder Tage später. Manchmal aus dem Nichts, wenn man die Geschichte zum zwanzigsten Mal erzählt.” Ihn mache es wütend, dass man „nach 50, 60 Stunden Einsatz nach Hause kommt, und dann nur dummes Zeug liest: wo die Regierung bleibt, wo wer versagt hat, warum Helfer zu Tausenden dumm rumsitzen und nichts machen. Alles wäre nur Chaos, Autos wären ja noch sauber und so weiter.”

Von Montag bis Donnerstag wieder ins Krisengebiet

Von Montag bis Donnerstag geht es für Jens Kreutz zurück in die Eifel, zurück zum Ring. Er packt, gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des DRK aus Niederschelden, wieder mit an. Rettungsdienst. Es warten anstrengende Schichten auf die ehrenamtlichen Helfer.

Autor:

Tim Plachner

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