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Angsträume in der Krönchenstadt
So gefährlich ist Siegen für Frauen

Vor allem nachts lösen enge Unterführungen und dunkle Ecken ein Gefühl von Unbehagen aus. Um solche Angsträume zu minimieren, werden städtische Bauprojekte in Zusammenarbeit mit dem Kriminalkommissariat Prävention/Opferschutz geplant.
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  • Vor allem nachts lösen enge Unterführungen und dunkle Ecken ein Gefühl von Unbehagen aus. Um solche Angsträume zu minimieren, werden städtische Bauprojekte in Zusammenarbeit mit dem Kriminalkommissariat Prävention/Opferschutz geplant.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Siegen. Der Mord an der Britin Sarah Everard am 3. März hat eine weltweite Diskussion ausgelöst: Wie geschützt können sich Frauen auf dem Nachhauseweg fühlen? Wird genug für ihre Sicherheit getan? Politiker fordern (noch) mehr Prävention und Sensibilität, während tausende Userinnen unter dem Hashtag „#textmewhenyougethome“ – übersetzt: „Schreib mir, wenn du zu Hause bist“ – ihre Erlebnisse in den sozialen Netzwerken teilen. Sie berichten von Übergriffen im öffentlichen Raum und erzählen von der Angst als ständigem Begleiter. Spiegelt sich dieses (Un-)Sicherheitsempfinden auch in den regionalen Zahlen wider?

„Die Frage nach der generellen S

ap Siegen. Der Mord an der Britin Sarah Everard am 3. März hat eine weltweite Diskussion ausgelöst: Wie geschützt können sich Frauen auf dem Nachhauseweg fühlen? Wird genug für ihre Sicherheit getan? Politiker fordern (noch) mehr Prävention und Sensibilität, während tausende Userinnen unter dem Hashtag „#textmewhenyougethome“ – übersetzt: „Schreib mir, wenn du zu Hause bist“ – ihre Erlebnisse in den sozialen Netzwerken teilen. Sie berichten von Übergriffen im öffentlichen Raum und erzählen von der Angst als ständigem Begleiter. Spiegelt sich dieses (Un-)Sicherheitsempfinden auch in den regionalen Zahlen wider?

„Die Frage nach der generellen Sicherheit im Kreisgebiet ist schwer zu beantworten“, nimmt Stefan Pusch, Sachgebietsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein, vorweg. Aus rein objektiver Sicht gebe es jedenfalls kein Sicherheitsproblem in unserer Region: Von 2019 bis 2020 hätten die weiblichen Opferzahlen im Deliktsbereich der Straßenkriminalität sowohl im Kreisgebiet (minus 18 Prozent) als auch im Stadtgebiet Siegen (minus 30 Prozent) abgenommen, teilt der Polizeisprecher auf SZ-Anfrage mit. Im Landesvergleich liege die Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ) mit einem Wert von 903 sogar deutlich unter der KHZ des Landes (1621).

Sicherheitslage ohne Einfluss auf das objektive Empfinden

Auf die reine Zahlenlage folgt jedoch ein großes Aber: „Die objektive Sicherheitslage spiegelt nicht zwingend das subjektive Sicherheitsempfinden wider“ – das wissen auch Stefan Pusch und seine Polizeikollegen. Nicht zuletzt deshalb gebe es die „städtebauliche Kriminalprävention“, bei der das Kriminalkommissariat Prävention/Opferschutz der Stadt bei Baumaßnahmen beratend zur Seite stehe, um Angsträume zu vermeiden sowie das Projekt „Siegen – Sichere Innenstadt“. Bei dieser (Präventions-)Maßnahme erfolgt eine schwerpunktmäßige Bestreifung bereits vorhandener Angsträume. Das können abgelegene Parkplätze, dunkle Unterführungen oder Areale aus Einsatzschwerpunkten, wie beispielsweise der Siegener ZOB und der Bahnhofsbereich, sein. Auch Areale, in denen eine große Anzahl von Gaststättenbesuchern zusammenkommt, werden zu relevanten Zeiten durch Beamte überwacht, um die Zahl der Straftaten möglichst niedrig zu halten.
Grundsätzlich: „Jedes einzelne Opfer ist eines zu viel.“

Susanne Otto gibt Frauen wichtige Tipps

Das findet auch Susanne Otto. Die Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte der KPB Siegen-Wittgenstein verrät deshalb Strategien, mit denen sich Frauen – aber auch Männer – (besser) vor möglichen Angriffen schützen können: „Immer beleuchtete Straßen nutzen, Unterführungen meiden und möglichst nicht allein nach Hause gehen“, empfiehlt Otto. Auch Begleit-Apps wie Wayguard oder das Heimwegtelefon seien gute Möglichkeiten, um mit einem besseren Gefühl den Nachhauseweg anzutreten. Auf Stöpsel oder Musik im Ohr sollte man dabei jedoch verzichten. „Dann bekommt man zu wenig mit, was neben und hinter einem passiert“, warnt die Kriminalhauptkommissarin.

Susanne Otto.

Sollte man tatsächlich jemanden hinter sich bemerken oder sich verfolgt fühlen, rät die Expertin zu einem „krassen“ Richtungswechsel. „Dann sieht man relativ schnell, ob dieses Gefühl berechtigt ist.“ Auch andere Passanten direkt anzusprechen oder nahegelegene Lokalitäten aufzusuchen, könne helfen, Schlimmeres zu verhindern.

Codewort "Wo ist Luisa?" hilft in Kneipen und Gaststätten

Die Kriminalhauptkommissarin macht außerdem auf den verdeckten Hilferuf „Wo ist Luisa?“ aufmerksam. Bei Nennung dieses Codewortes wissen die Mitarbeiter zahlreicher Kneipen und Gaststätten im Stadtgebiet sofort, was zu tun ist: die Frau sicher nach Hause bringen.

Everard im Kopf

Aber auch die Männer selbst können aus Sicht der Siegener Opferschutzbeauftragten ihren Teil dazu beitragen, dass sich Frauen ein Stück weit sicherer fühlen: „Abstand halten, auch mal von sich aus die Straßenseite wechseln, die Kapuze nicht bis übers Gesicht ziehen oder ein freundlicher Blick können da schon viel bewirken.“

Mehr Sicherheit durch Begleitdienste Sowohl das Kreisklinikum als auch die Universität Siegen bieten einen Begleitdienst zum nahegelegenen Parkplatz an. Während der Service des Weidenauer Krankenhauses wegen eines brutalen Überfalls an einer Oberärztin ins Leben gerufen wurde, habe es an der Hochschule keinen konkreten Anlass gegeben, betont Pressesprecher André Zeppenfeld. Jedoch sei die Beleuchtung an vielen Ecken und Parkmöglichkeiten rund um den Campus nicht immer optimal. Während der Pandemie-Zeit pausiere das Begleitangebot zwar, sobald auf dem Haardter Berg aber wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden können, werde der Bedarf erneut geprüft, so Zeppenfeld.
Vor allem nachts lösen enge Unterführungen und dunkle Ecken ein Gefühl von Unbehagen aus. Um solche Angsträume zu minimieren, werden städtische Bauprojekte in Zusammenarbeit mit dem Kriminalkommissariat Prävention/Opferschutz geplant.
Susanne Otto.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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