So schön auf dem Mond!

Straflyrik von Elsbeth Bellartz – gelesen von René Marik. Foto: ciu

ciu Siegen. Oooh! Der Maulwurf kann einem aber auch leidtun. Seine Liebe verschmäht, seine Sehnsucht ungestillt, sein Leben beim Queren der A 9 ausgelebt. Autschn! – Der Maulwurf ist der heimliche Star an diesem „Abend über die Liebe“, den der Künstler René Marik am Freitag im ausverkauften Schauplatz des Siegener Lÿz’ gestaltete. Der Wahl-Berliner Marik, der im Westerwald aufwuchs, am Rosterberg in Siegen sein Abi baute und auf dem Haardter Berg ein paar Jahre studierte, ist ein genialer Puppenspieler, aber viel mehr als das: ein Darsteller mit fesselnder Ausstrahlung, ein Sänger mit großer Stimme, ein Spaßmacher, der um den bitteren Ernst des Lebens weiß. Seine Puppen spiegeln die Wirklichkeit – mit den vermeintlichen Gewinnern, den notorischen Verlierern und denen, die sich einrichten in den Gegebenheiten.

Die Liebes-Geschichte, die diesen Abend lang trägt, hat einen wunderschön melancholischen Rahmen: „Nature Boy“, den Song von Eden Ahbez, der Nat King Cole berühmt machte. There was a boy ... Da war ein Junge, ein Globetrotter, ein bisschen schüchtern, traurig und sehr, sehr weise. Das Wesentlichste überhaupt, sagt dieser kluge Bursche, sei, zu lieben und geliebt zu werden. Im Lieben ist einer ganz groß: der Maulwurf. Blind schnüffelt und stottert er sich durch seine Welt, ist ein Entdecker und Staunender, Bewundernder. G-G-G-G-G-Gretchen!!! Rapante und Schnewante! Und Barbe. Die Frauen, für die der Maulwurf schwärmt, sind immer langhaarig blond, rank und schlank – und unerreichbar. Manno! Eigentlich kein Zufall, dass der Maulwurf irgendwann auf dem Mond landet, dem Sehnsuchtsplaneten der Liebe. Nur, zwischenmenschlich (oder: -tierisch) klappt es auch im All nicht. Der Wackeldackel will einfach keine eindeutige Antwort geben auf die Frage des Maulwurfs (und die spricht das Publikum, You-Tube-geübt und durchweg absolut begeistert, im Chor mit): „Ist es hier schön auf dem Mond oder ist es hier nicht schön?“

René Marik gibt dem Maulwurf Stimme und Haltung und setzt dem befellten Gesellen ein Gegenüber vor, das nicht liebt, sondern nur geliebt werden will: den eitlen Herr Fahrenhorst, einen Frosch, Schauspieler, der von oben herab auf alles andere schaut. Auch auf den „mäßig begabten Kollegen hier unten“, Marik, der freilich letztlich über Fahrenhorsts Wohl und Wehe verfügt. Der Frosch ist ein Blender. Zu viel mehr als zur Flosse im „Weißen Hai“ und dem Eisberg in „Titanic“ hat es bei ihm nicht gereicht. Was seine Arroganz und Ignoranz nicht schmälert. Leute gibt es ...

Ja, auch Leute wie Kalle, diesen Berliner Typen mit Trainingsanzug und Lidl-Tüte, dem manches egal ist, nur nicht, dass die Love Parade von Berlin nach Zürich (nach Zürich?!?!) gezogen ist. Also fragt er sich rum. In echt. Und was er da zu hören bekommt, macht im Lÿz – auf die Leinwand gebeamt – richtig Spaß. Kalle ist ein Lebenskünstler, der ohne vieles auskommt. Hauptsache am kühlen Blonden mangelt es nicht. Sein Alter Ego sitzt vis-à-vis der untergehenden Titanic: Der Eisbär Kalle, auch er eine Type aus dem Marik’schen Figurenkosmos, hat auch die Ruhe weg. Tschüssikowski!

Kommentiert werden die kleinen und großen Liebestragödien (ja, auch die Lappen haben ein Liebesleben!) von schnulzigen Songs, mit denen Marik gelegentlich, dann ohne die E-Gitarre, durch die Zuschauerreihen streunt, oder von den schrecklichen Versen der Elsbeth Bellartz. Konfetti drüber über diese Momente zwischen dir und mir. Das „Ich liebe dir“ aus Kurt Schwitters „Anna Blume“ hingegen ist wahrhaftig. So wahrhaftig wie unsere Liebe zum Maulwurf. Er wird geliebt. Von uns allen!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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