SZ

Tiere leiden unter den Baumfällungen
So soll Großvögeln beim Horsten geholfen werden

Ernüchternd ist derzeit der Blick auf die Wälder – hier die Kalteiche mit der Autobahnbrücke am Landeskroner Weiher. Überall fällt das Holz. Auch geeignete Horstplätze werden knapper. In Altfichten brütet beispielsweise der Kolkrabe gern.
2Bilder
  • Ernüchternd ist derzeit der Blick auf die Wälder – hier die Kalteiche mit der Autobahnbrücke am Landeskroner Weiher. Überall fällt das Holz. Auch geeignete Horstplätze werden knapper. In Altfichten brütet beispielsweise der Kolkrabe gern.
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Siegen/Altenkirchen. Unsere Wälder sind zurzeit gar nicht wiederzuerkennen. Ganze Partien stehen in Trauer, sterben oder sind schon schütter, abgestorben, ein Abglanz früherer Zeiten, da alles noch im Saft stand. Drei Jahre mit viel zu wenig Regen und entsprechendem Insektenfraß haben das angerichtet.
Auch im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein ist es zu einem Waldsterben in bisher nicht gekanntem Umfang gekommen. Jetzt ragen inmitten der Fällungen einzeln stehende Bäume auf. Was tun mit Bäumen mit Greifvogelhorsten oder solchen, die schon länger abgestorben sind und Spechten Nahrung und Bruthöhlen bieten? Oft gibt es in diesen Spechtbäumen viele Höhlen, die von anderen Vögeln oder Insekten „nachgenutzt“ werden.

goeb Siegen/Altenkirchen. Unsere Wälder sind zurzeit gar nicht wiederzuerkennen. Ganze Partien stehen in Trauer, sterben oder sind schon schütter, abgestorben, ein Abglanz früherer Zeiten, da alles noch im Saft stand. Drei Jahre mit viel zu wenig Regen und entsprechendem Insektenfraß haben das angerichtet.
Auch im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein ist es zu einem Waldsterben in bisher nicht gekanntem Umfang gekommen. Jetzt ragen inmitten der Fällungen einzeln stehende Bäume auf. Was tun mit Bäumen mit Greifvogelhorsten oder solchen, die schon länger abgestorben sind und Spechten Nahrung und Bruthöhlen bieten? Oft gibt es in diesen Spechtbäumen viele Höhlen, die von anderen Vögeln oder Insekten „nachgenutzt“ werden.

Naturschützer wenden sich mit Appell an das Regionalforstamt

Ein für den Naturschutz nicht unerhebliches Thema stellen diese sogenannten Biotopbäume dar. Gemeinsam mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), der AG Greifvögel in der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft und der SDW (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) im Kreisgebiet hat sich der Naturschutzbund (Nabu) Siegen-Wittgenstein ans Forstamt gewandt, um für die Erhaltung dieser wichtigen Bäume zu werben.
Matthias Mennekes, Naturschutzreferent des Nabu, bedauert, dass es immer wieder zu Verlusten an Bäumen mit Horsten oder Bäumen mit Spechthöhlen kommt.

Bislang sei davon ausgegangen worden, berichtet er, dass Greifvögel die Horste nach dem Absterben des Baumes nicht mehr zur Brut nutzen. Aber: In Einzelfällen gibt es das offenbar doch. Auch auf toten Bäumen – jetzt sogar deutlich sichtbaren – brüten Vögel. Das bestätigte der SZ auch Wolfgang Stock vom BUND jenseits der Landesgrenze. „Wir beobachten mit einer gewissen Sorge einen Schwarzstorchhorst in einem Baum, der jetzt ganz allein steht“, sagte der Niederfischbacher. „Noch brütet der Storch dort.“ Dazu muss man wissen: Die seltenen Schwarzstörche reagieren als sogenannte Kulturflüchter sehr sensibel auf Störungen.

Stehendes Totholz – hier ein Beispiel aus Unglinghausen – ist ein Biotop für sich: für Spechte, Hornissen, Käfer und Eulen.
  • Stehendes Totholz – hier ein Beispiel aus Unglinghausen – ist ein Biotop für sich: für Spechte, Hornissen, Käfer und Eulen.
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

„Ich kann mir das nur so erklären, dass das Angebot an tauglichen Brutbäumen schon knapp geworden ist und deshalb auch solche Horstbäume für die Vögel in Betracht kommen“, teilt Mennekes seine Einschätzung mit.
Die Naturschutzverbände haben deshalb eine Bitte an den Leiter des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein, Manfred Gertz, herangetragen. Die Verbände fragten an, ob Horstbäume ebenso wie Biotopbäume, wenn sie entdeckt werden, bei Fällungen mit einem Schutzkranz von Bäumen zunächst einmal bewahrt werden könnten.

Forstamt möchte die Waldbesitzer beraten

Leitender Forstdirektor Manfred Gertz habe das Ansinnen grundsätzlich positiv beantwortet und die Unterstützung des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein im Natur- und Artenschutz zugesichert. Im Staatswald und im vom Forstamt betreuten Privat- und Kommunalwald berücksichtige man den Artenschutz immer, versicherte Gertz. Das bedeutet: Auch die Waldbesitzer werden in diesem Sinne beraten.

Zupass kommt der Behörde sicherlich auch ein entsprechendes Programm zur forstlichen Förderung. So sehe die aktuelle Förderrichtlinie zur Räumung von Kalamitätsflächen nach Extremwetterereignissen (Sturm, Hitze, Fraß) vor, dass nicht forstschutzrelevantes Totholz auf der Fläche stehen bleiben darf. Konkret: Mindestens zehn Bäume je Hektar sollen auf der Fläche stehend oder liegend bleiben dürfen, wenn nicht gerade Straßen oder Wege vorbeiführen.

Einzelbäume auf Schadflächen stehen lassen

Die Biotopbäume, oft von Pilzen besiedelt, erfüllen einen wertvollen ökologischen Beitrag als Schlafplätze, Nahrungsbäume oder aber Zufluchtsort für andere Baumbewohner, wie z. B. Eulen und Käuze, Großkäfer, Hornissen oder Fledermäuse.
Die Beförsterung im Kreis Altenkirchen geht in die gleiche Richtung. Zusätzlich, sagte Forstamtsleiter Michael Weber auf Nachfrage, belasse man in Absprache mit den Waldbesitzern abgestorbene Einzelbäume und Baumgruppen auf den abgeernteten Schadflächen, und zwar unabhängig vom Vorhandensein von Horstbäumen. „Reguläre Kahlschläge werden nicht durchgeführt und sind nach unserem Waldrecht verboten“, so Weber. Dieses stehende Totholz diene u. a. Greifvögeln als Sitzplatz bei der Beutesuche.

Ernüchternd ist derzeit der Blick auf die Wälder – hier die Kalteiche mit der Autobahnbrücke am Landeskroner Weiher. Überall fällt das Holz. Auch geeignete Horstplätze werden knapper. In Altfichten brütet beispielsweise der Kolkrabe gern.
Stehendes Totholz – hier ein Beispiel aus Unglinghausen – ist ein Biotop für sich: für Spechte, Hornissen, Käfer und Eulen.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Spar-Abo der Siegener Zeitung
Schnell abonnieren und bares Geld sparen!

Das Abonnement der Siegener Zeitung ist der bequemste Weg, um jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten aus Siegen, dem Siegerland, Wittgenstein, Altenkirchen und Olpe zu in kompakter Form zu lesen ‒ als gedruckte Zeitung direkt aus dem Briefkasten oder als digitale Version in Form eines E-Papers. Das E-Paper lesen Sie bequem am PC oder ganz mobil mit unserer App für Android und Apple. Schnell Abo buchen und bares Geld sparenSchnell sein lohnt sich jetzt, denn je früher Sie bestellen, desto mehr...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen