Söhne, Handys, Männer

 Mit seiner Lesung „Kolumnen – Best of“ begeisterte am Freitagabend der Zeit-Kolumnist Harald Martenstein im Rahmen der Biennale „Märkte und Menschen“ im Pagodenzelt vor dem Apollo. Foto: la
  • Mit seiner Lesung „Kolumnen – Best of“ begeisterte am Freitagabend der Zeit-Kolumnist Harald Martenstein im Rahmen der Biennale „Märkte und Menschen“ im Pagodenzelt vor dem Apollo. Foto: la
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la - Die Themen liegen „auf der Straße“, möchte man meinen, wenn man dem ZeitMagazin-Kolumnist und Buchautor Harald Martenstein zuhört. Im weißen Theaterzelt vor dem Apollo-Theater las der gebürtige Mainzer am Freitagabend. Kein zusätzlicher Stuhl passte mehr ins Zelt, so groß war der Andrang. Eine Stunde trug der Berliner (u. a. ausgezeichnet mit dem Henri-Nannen-Preis und dem Theodor-Wolff-Preis) Kolumnen vor. Fazit: Selten so gelacht, geschmunzelt über die feine Ironie und anschließend darüber nachgedacht, dass hier bundesdeutsche Reality abläuft.

„Denn meine Themen“, sagt Harald Martenstein im Anschluss an die Lesung im Gespräch mit Prof. Dr. Ralf Schnell (Ex-Rektor der Uni Siegen und Spiritus Rector des Zeltprogramms), „sind nicht erfunden.“ Vielmehr macht sich der Autor, wenn er unterwegs ist, auf kleinen Kärtchen seine Notizen zu Themen, die sich zur wöchentlichen Kolumne „verarbeiten“ lassen. Und setzt sich dann in einen abgedunkelten, kühlen Raum vor seinen Bildschirm und wartet darauf, dass der Bildschirm ihm suggeriert, was er schreiben soll. Ein Schelm, wer es glaubt, doch die Pointe und die Selbstironie ist ganz nach dem Geschmack des Harald Martenstein.

Kinderaufzucht war und ist gelegentlich mal ein Thema, besonders dann, als sein Sohn in die Pubertät kam und die „ewige Lust an der Provokation“ auch am Hause Martenstein nicht vorbei ging. Was ist das Gegenteil von geil? Schwul. Was ist Porno, was ist Psycho, Harald Martenstein hat es erklärt bekommen und damit seine Leser auch. Der Wunsch seines Sohnes nach einem Handy der neuesten Marke, Martensteins Verweigern, der Autor verarbeitet es zu einer Geschichte mit Pointe, wie sie sich jeden Tag in bundesdeutschen Haushalten abspielt. Wenn man Kinder aufzieht. Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle oder einen Praktikumsplatz sind für Martenstein nichts anderes als die Castingshows von heute, es gewinnt immer das Mängelexemplar. Und seine Zuhörer bekamen noch mit, dass weder die Überehrgeizigen und Streber, noch die Langsamen und Dumpfbacken zum Ziel kommen. „Meine Kolumnen werden nichts verändern, ich will unterhalten“, sagte er zum Schluss des Gesprächs mit Prof. Dr. Schnell.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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