„Sormas“ nicht in Gebrauch
Software fürs Gesundheitsamt macht Probleme

Corona-Infektionsketten sollen über kommunale grenzen hinweg nachverfolgbar sein.
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ihm Siegen/Düsseldorf. Die Landesregierung macht Druck: Bis zum 30. September 2021 sollen die Kreisgesundheitsämter den elektronischen Datenaustausch zwischen den Ämtern untereinander und dem Land NRW ans Laufen bringen. Ein entsprechender Erlass ist ergangen.

Kreis Siegen-Wittgenstein benutzt „Mikado“

Seit Beginn der Pandemie, als die Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter einer der entscheidenden Hebel zur Bekämpfung wurde, ist die Ausstattung der Gesundheitsämter in der Diskussion. Wurde zu Beginn vielerorts noch mit Listen hantiert, sind inzwischen unterschiedliche Computerprogramme installiert. Deren Aufgaben: Erfassung eines Falls mit Kontaktpersonen, Quarantäne-Anordnung, Überprüfungen, Testdokumentation, Entlassung aus der Quarantäne usw.
Der Kreis Siegen-Wittgenstein nutzt die Software „Mikado “, während das Land die vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung entwickelte Software Sormas präferiert. Sormas ist zwar im Amt an der Siegener St.-Johann-Straße eingerichtet, aber es wird nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit nicht genutzt, „da es keine wesentlichen Erleichterungen bei der Fallbearbeitung gibt“. Schnittstellen existierten und würden ständig weiterentwickelt.

Sormas bietet keine wesentliche Erleichterung

„Mikado, eine Software, die gut in interne Arbeitsabläufe integriert ist und arbeitsbereichübergreifend eingesetzt wird, bleibt das Hauptwerkzeug in der Pandemie.“ Man erwarte derzeit die Implementierung von „Iris Gateways“ für die Kontaktpersonennachverfolgung. Sobald sie verfügbar sei, werde das Gesundheitsamt vollständig an die digitale Kontaktnachverfolgungsinfrastruktur angeschlossen sein.
„Sormas bietet keine wesentlichen Erleichterungen im Arbeitsablauf, benötigt aber umfassende Schulung der Nutzer und Veränderungen von internen Prozessen.“ Zudem sei derzeit noch unklar, inwiefern Sormas als einheitliche Lösung für den allgemeinen Infektionsschutz Unterstützung durch Land/Bund erhalten werde.

Nachholbedarf bei digitalem Datenaustausch

Das NRW-Gesundheitsministerium erklärt, dass der elektronische Datenaustausch unter anderen durch die Software Sormas Exchange (Sormas-X) gewährleistet werden könne. „Dadurch wird eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, um Corona-Infektionsketten über kommunale Grenzen hinweg zu verfolgen, gezielte Infektionsschutzmaßnahmen schnell einzuleiten und zur weiteren Eindämmung des Infektionsgeschehens beizutragen.“

Die Formulierung „unter anderem“ deutet darauf hin, dass das Land dieses eine Programm nicht verpflichtend machen will. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagt es so: „Beim digitalen Datenaustausch sehen wir Nachholbedarf. Wir müssen bei den aktuell niedrigen Inzidenzen daher so schnell wie möglich zusehen, dass digitale Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten, wie sie zum Beispiel bei Sormas-X zur Verfügung stehen, genutzt werden.“

Sormas ist ein wichtiger digitaler Baustein

Entscheidend ist nach Ansicht der Landesregierung, dass die Digitalisierung in den einzelnen Gesundheitsämtern weiter vorangetrieben und die digitale Kontaktpersonennachverfolgung sowie der sichere Datenaustausch zwischen den Ämtern flächendeckend sichergestellt werden. Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart: „Dann sind wir in Nordrhein-Westfalen für eine mögliche vierte Corona-Welle im Herbst sehr gut gerüstet.“

,,Sormas bietet keine wesentlichen Erleichterungen im Arbeitsablauf, benötigt aber umfassende Schulung der Nutzer und Veränderungen von internen Prozessen.''
Gesundheitsamt
Kreis Siegen-Wittgenstein

Siegen-Wittgenstein ist nicht der einzige Kreis, der nicht mit Sormas arbeitet. Zwar haben alle 31 Landkreise den Nutzensvertrag für Sormas unterschrieben. Soweit es Verzögerungen bei der Inbetriebnahme gebe, liege das vor allem an technischen Problemen auf Seiten des Betreibers. Dazu Martin Klein, Hauptgeschäftsführer des Landkreistags: „Nach wie vor fehlen wichtige Schnittstellen zu bestehenden Infektionsschutzgesetz-Fachanwendungen, die für die Arbeit der Gesundheitsämter erforderlich sind. Sormas ist ein wichtiger digitaler Baustein in der Pandemie-Bekämpfung, kann aber nicht alles. Der Nutzungsumfang der bestehenden Fachanwendungen geht weit über die Möglichkeiten von Sormas hinaus, daher sind bidirektionale Schnittstellen für einen effizienten Datenaustausch so wichtig.“

Der kreisübergreifende Austausch von Fällen, das Hauptargument für die bundesweite Einführung, funktioniert unter Sormas nach Informationen des Landkreistags weiterhin noch nicht. „Auch der Rollout auf Sormas-X läuft nur schleppend. Ein neues Rollout-Konzept wurde erst vor wenigen Wochen eingeführt“, beklagt Martin Klein.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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