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Gemeinsam gegen Corona
SoliNa Siegen vermittelt Hilfe im Alltag

Mohammad Eibo möchte seine älteren und kranken Mitmenschen unterstützen, indem er beispielsweise für sie einkaufen geht. Er ist aber nicht der Einzige; inzwischen haben sich viele Helfer zusammengetan, die nur darauf warten, dass sie gebraucht werden.
  • Mohammad Eibo möchte seine älteren und kranken Mitmenschen unterstützen, indem er beispielsweise für sie einkaufen geht. Er ist aber nicht der Einzige; inzwischen haben sich viele Helfer zusammengetan, die nur darauf warten, dass sie gebraucht werden.
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sos Siegen. Was tun, wenn der Uni-Start sich verschiebt, die Geschäfte geschlossen bleiben und soziale Kontakte vermieden werden sollen? Man gründet eine Hilfsorganisation. Normalerweise ist das vermutlich nicht der erste Impuls, in Zeiten von Corona und großer Ansteckungsgefahr aber eben doch. Mohammad Eibo zum Beispiel kam diese Idee sofort. „Ich saß allein zu Hause und wollte etwas für die Gesellschaft machen“, sagt der 21-Jährige, der vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland kam und jetzt in Geisweid lebt. Dank Facebook wurden aus dem Gedanken schnell Taten, und der erste Post, in dem er seine Hilfe anbot, war in der Welt.
Viele hatten die gleiche IdeeWeil sich sofort etliche weitere Studenten gemeldet hatten, gründete er eine Facebook-Gruppe.

sos Siegen. Was tun, wenn der Uni-Start sich verschiebt, die Geschäfte geschlossen bleiben und soziale Kontakte vermieden werden sollen? Man gründet eine Hilfsorganisation. Normalerweise ist das vermutlich nicht der erste Impuls, in Zeiten von Corona und großer Ansteckungsgefahr aber eben doch. Mohammad Eibo zum Beispiel kam diese Idee sofort. „Ich saß allein zu Hause und wollte etwas für die Gesellschaft machen“, sagt der 21-Jährige, der vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland kam und jetzt in Geisweid lebt. Dank Facebook wurden aus dem Gedanken schnell Taten, und der erste Post, in dem er seine Hilfe anbot, war in der Welt.

Viele hatten die gleiche Idee

Weil sich sofort etliche weitere Studenten gemeldet hatten, gründete er eine Facebook-Gruppe. „Innerhalb von sieben Stunden sind ungefähr 150 Leute eingetreten“, beschreibt er die große Solidarität, die im Netz deutlich wurde. Und er erkannte schnell: Er war nicht der einzige, der diese Idee hatte. Also schloss er sich mit zwei anderen Gruppen zusammen, das Netzwerk „Solidarität und Nachbarschaft Siegen“ (SoliNa) entstand, und inzwischen liegt die Mitgliederzahl bei über 600.

Das ganze Siegerland ist abgedeckt

Entsprechend hoch sei der Arbeitsaufwand  gewesen; rund zehn Stunden am Stück hätten er und seine elf federführenden Mitstreiter den Zusammenschluss organisiert und Strukturen entwickelt. „Wir kannten uns nicht, aber haben uns vertraut und wie eine Familie gearbeitet.“ Mittlerweile haben sich über einen Anmeldebogen 339 (Stand Samstagmittag) Helfer fest angemeldet, die über Tel. (0170) 676 8713 vermittelt werden. „Mit ihnen können wir das ganze Siegerland abdecken“, sagt Stefan Jäkel, der für die PR-Arbeit zuständig ist. Jeder einzelne wird dabei auch gefragt, ob er oder sie vor Kurzem aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist – diese Leute fallen natürlich raus. Wobei eine Überprüfung der Angaben im Grunde nicht möglich ist. „Wir bauen auf den gesunden Menschenverstand.“

1:1-Betreuung ist das Ziel

Die Hilfeleistungen beziehen sich hauptsächlich auf Einkäufe, anderweitige Besorgungen oder Gassigehen. Jäkel weiß, dass nicht jeder eine solche Hilfe braucht. „Viele organisieren sich auch selbst mit ihren Kindern und Enkeln.“ Und das sei gut so, denn „SoliNa“ wolle auch dazu motivieren, möglichst im eigenen Bekannten- oder Verwandtenkreis zu bleiben und dort aktiv zu sein. Überall sei das aber eben nicht möglich. Und da möchte die bunt gemischte Gruppe, der nicht nur Studenten angehören, ansetzen. Im besten Fall werde eine 1:1-Betreuung eingerichtet, sodass so wenige Menschen wie möglich miteinander in Kontakt kommen. „Am praktikabelsten ist es, wenn sich jeder um seine Nachbarschaft kümmert“, erklärt der 31-Jährige.
Um immer bestens informiert zu sein, stehen die SoliNa-Mitglieder in engem Kontakt zum DRK, zu den Maltesern und dem Gesundheitsamt des Kreises. „Wir begreifen uns nicht als Konkurrenz“, betont Jäkel. Es werde genau geschaut, was sinnvoll und was machbar ist.

Senioren über Flugblätter erreichen

Etliche Freiwillige aus dem ganzen Siegerland gibt es schon, fehlen nur noch die Hilfesuchenden. Denn was durch die Facebook-Aktion auch deutlich wurde: Die sozialen Medien sind definitiv nicht die richtige Plattform, um ältere Menschen zu erreichen. Deswegen wurden – ganz altmodisch – Flugblätter verteilt, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden und seit Mittwoch im Wohnumfeld in Apotheken, Supermärkten und bei Ärzten verteilt werden. Dadurch erhoffen sich die teilweise frischgebackenen Ehrenamtler einen „Auftragsschub“. Bislang wurden zehn Hilfegesuche vermittelt, eine Steigerung ist also definitiv möglich – und gewünscht: „Die Leute sollen aktiv werden und das Gefühl haben, dass sie Teil des Teams sind“, sagt Mohammad Eibo.

Online-Banking funktioniert selten

Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Bezahlung – nicht die der Helfer, sondern die der Lebensmittel. „Wir können in Vorleistung treten, und das Geld wird uns dann in einem Umschlag vor die Tür gelegt“, erklärt Stefan Jäkel. Bargeld auszutauschen ist nicht die beste Lösung, Online-Banking ist bei der Zielgruppe aber eben nicht die Regel. Eine Krücke, zumal der „Klient“ das Geld passend im Haus haben muss. Was derzeit immer hilft, sind Handschuhe und Desinfektionsmittel.

Das Virus gemeinsam besiegen

Das ist mühsam, aber sonst könnte das gut gemeinte Engagement leider schnell ins Gegenteil umschlagen. Doch die Anstrengungen nehmen die Helfer gerne in Kauf. Die Abwehrkräfte des Einzelnen mögen schwach sein, so Eibo. Das Immunsystem der Gesellschaft aber sei die Solidarität – „und damit können wir das Virus besiegen“, ist der 21-Jährige sicher.

+++

Zahlreiche Vereine, Institutionen, Kommunen und Privatpersonen sind in den vergangenen Tagen auf die SZ zugekommen mit ihrem Angebot, alten oder vorerkrankten Menschen im Rahmen von Einkäufen oder Ähnlichem zu helfen. Viele davon bündelt der Kreis Siegen-Wittgenstein unter der Überschrift „siwiHilft“. Nur exemplarisch kann an dieser Stelle dokumentiert werden, wie stark sich vielerorts eingesetzt wird.

  • Die Stadt Siegen hat eine Anlaufstelle für Helfer und Hilfesuchende eingerichtet, in der unter Tel. (02 71) 404-12 39 Kontakte vermittelt werden. Das entsprechende Formular gibt es auf www.serviceportal-siegen.de unter dem Hashtag „coronabeSIEGEN“.
  • Die Netphener Stadtverwaltung hat unter (0 27 38) 603-146 die Infohotline „Netphen hilft Netphen“ eingerichtet, um Anliegen der Bevölkerung aufzunehmen und Hilfe zu koordinieren.
  • Der Freundeskreis der Diakoniestation organisiert mit der Diakoniestation Kreuztal einen ehrenamtlichen Einkaufsdienst, erreichbar unter Tel. (0 27 32) 58 24 70 oder (0 27 32) 2 15 18.
  • Der Heimatverein Achenbach bietet selbstständigen Klein- und Mittelbetrieben beispielsweise an, ihnen bei Behördengängen zu helfen, zum Beispiel in Sachen Kurzarbeitergeld. Sieben Unternehmen aus Achenbach haben dies laut dem Vorsitzenden Günther Langer bereits wahrgenommen.
Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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