Sollte sich Häftling selbst töten?

Staatsanwalt: Zum Schnitt in Pulsadern genötigt / Mitgefangener kommt vor Gericht

kalle/sob Siegen. Ist ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt Siegen von einem Mitgefangenen gezwungen worden, sich die Pulsadern aufzuschneiden? Dieses nicht zuletzt aufgrund der dramatischen Vorgänge in der Vollzugsanstalt Siegburg hochbrisante Thema wird das Schöffengericht Siegen am 9. Januar beschäftigen. Die Pressesprecherin des Landgerichts, Susanne Kuschmann, bestätigte auf Anfrage der SZ den Gerichtstermin.

Die Anklage gegen einen heute 27 Jahre alten Mann lautet auf Körperverletzung und schwere Nötigung durch Androhung von Gewalt. Der Angeklagte soll am 24. Juli in der Vollzugsanstalt in Siegen am Unteren Schloss einen damals gleichaltrigen Mitgefangenen gezwungen haben, sich an beiden Armen die Pulsadern aufzuschneiden. Der Verletzte wurde danach in einem Siegener Krankenhaus ambulant versorgt. Der mutmaßliche Täter soll nach SZ-Informationen in der JVA einen Ersatzfreiheitsentzug abgesessen haben.

Wie der zuständige Leiter der Justizanstalt Attendorn, Michael Wulf, auf SZ-Nachfrage mitteilte, waren das Opfer und der Angeklagte während des Vorfalls in einer so genannten Mehrbelegungszelle mit bis zu sechs Inhaftierten untergebracht. Die anderen Mitgefangenen hätten seiner Kenntnis nach mit dem Vorfall allerdings nichts zu tun.

Nachdem das Opfer nach der ärztlichen Versorgung behauptete, zu den Schnitten gezwungen worden zu sein, habe man umgehend die Polizei eingeschaltet. Der Beschuldigte soll die Tat leugnen. Nach weiteren Vernehmungen sei am 2. August die Staatsanwaltschaft schriftlich über die Vorkommnisse informiert worden. Opfer und mutmaßlicher Täter, so Wulf weiter, sind inzwischen in unterschiedliche Haftanstalten verlegt worden.

Während in diesem Fall die Anklageschrift gefertigt ist, liegt der Siegener Staatsanwaltschaft derzeit noch ein weiterer Fall aus der Siegener Haftanstalt zur Bearbeitung vor. Wie Oberstaatsanwalt Hartmut Fröhlich gegenüber der SZ bestätigte, sind bei ihm zwei Anzeigen von Inhaftierten eingegangen, die »unabhängig von einander erstattet wurden«. In den Anzeigen werfen die Gefangenen der Gefängnisleitung vor, dass sie sich im Rahmen einer Durchsuchungsaktion im Gefängnisflur nackt hätten ausziehen müssen und dabei »von anderen Mithäftlingen gesehen wurden, die dort Hausarbeiten versahen«. Bei einem der beiden Gefangenen soll es sich um einen Moslem handeln. Beide fühlen sich in ihren Menschenrechten verletzt. Zur Klärung des Sachverhalts hat die Staatsanwaltschaft die JVA-Leitung am 2. Oktober zu einer Stellungnahme aufgefordert, die liegt laut Fröhlich aber noch nicht vor.

Gegenüber der SZ wies Anstaltsleiter Michael Wulf die in den Anzeigen erhobenen Vorwürfe zurück. Zwar habe es besagte Durchsuchungsaktion in der Zweier-Zelle gegeben, weil der Verdacht bestanden habe, dass dort illegal Handys und »andere verbotene Gegenstände« gelagert wurden. Weil der für Entkleidungen vorgesehen Raum belegt gewesen sei, hätten die beiden eingesetzten Bediensteten die Häftlinge zur Entkleidung auch auf den Gefängnisflur geführt. Dies sei aber nacheinander geschehen und zudem von Mitgefangenen nicht einsehbar gewesen. Ohnehin werde bei derartigen Aktionen peinlich genau darauf geachtet, dass Nackte nicht zu beobachten seien. Für ihn jedenfalls, so Wulf, sei »der Fall aufgearbeitet«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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