SZ

Kommunalwahl (mit Kommentar)
Souveräner Sieg für Landrat Andreas Müller

Faust an Faust: Arne Fries (r.) gratuliert dem Wahlgewinner Andreas Müller.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Klarer können Verhältnisse kaum sein: Landrat Andreas Müller (SPD) sitzt auch für die kommenden fünf Jahre auf dem Chefsessel im Glashaus an der Koblenzer Straße. 54,4 Prozent der Wähler gab dem 37-Jährigen, der seit 2014 amtiert, ihre Stimme. Herausforderer Arne Fries von der CDU landete abgeschlagen mit 33,91 Prozent auf dem zweiten Platz. Laura Kraft, der grünen Kandidatin, gelang mit 11,69 Prozent ein Achtungserfolg. Schon als die ersten Wahllokale ihre Ergebnisse an die Datenverarbeitungszentrale in Frechen meldeten, war Müller auf der Siegerstraße. Zu keinem Zeitpunkt lag Arne Fries in Front. Der CDU-Mann verfolgte mit seiner Ehefrau die peu à peu einlaufenden Auszählungsergebnisse im Kreishaus-Foyer.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Klarer können Verhältnisse kaum sein: Landrat Andreas Müller (SPD) sitzt auch für die kommenden fünf Jahre auf dem Chefsessel im Glashaus an der Koblenzer Straße. 54,4 Prozent der Wähler gab dem 37-Jährigen, der seit 2014 amtiert, ihre Stimme. Herausforderer Arne Fries von der CDU landete abgeschlagen mit 33,91 Prozent auf dem zweiten Platz. Laura Kraft, der grünen Kandidatin, gelang mit 11,69 Prozent ein Achtungserfolg. Schon als die ersten Wahllokale ihre Ergebnisse an die Datenverarbeitungszentrale in Frechen meldeten, war Müller auf der Siegerstraße. Zu keinem Zeitpunkt lag Arne Fries in Front. Der CDU-Mann verfolgte mit seiner Ehefrau die peu à peu einlaufenden Auszählungsergebnisse im Kreishaus-Foyer. Um ihn herum saßen die Parteifreunde, denen die Enttäuschung immer deutlicher anzusehen war. „Zumindest eine Stichwahl hätte ich mir doch gewünscht“, gab Fries zu. Aber Andreas Müller heimste einen Stimmbezirk nach dem anderen ein und lag schon bald uneinholbar vorne. Der Wahlsieger kam erst ins Kreishaus, nachdem für ihn nichts mehr anbrennen konnte. „Ich habe den Tag wartend im Garten verbracht“, gab er zu Protokoll. „Ich habe damit gerechnet, dass ich gewinnen würde, aber dass der Vorsprung so groß ist und es zu keiner Stichwahl kommt, das war nicht abzusehen.“

Arne Fries scheitert an nicht vorhandener Wechselstimmung

Ein bisschen ratlos wirkte der CDU-Kreisvorsitzende Volkmar Klein (MdB), der trotz der Niederlage seines Parteifreunds von „sehr positiver Resonanz in Gesprächen auf der Straße“ und „gewaltigem Rückenwind“ sprach, den er gespürt habe. Dass es am Ende nur zu dem historisch schlechten Ergebnis gereicht hat, konnte er letztlich nicht erklären.

Kommentar: Der Amtsbonus zog Das war ein Sieg mit Ansage. Andreas Müller, der junge Landrat, der sich so locker gibt und mit den Leuten so mühelos ins Gespräch kommt, hat die Sympathien vieler Wähler auf seiner Seite. Die Abstimmung über den Landrat ist ebenso wie bei den Bürgermeistern eine Persönlichkeitswahl. Die Wähler unterscheiden offensichtlich immer genauer zwischen Person und Partei. Dass die CDU ihren Vorsprung vor der SPD im Kreistag sogar noch ausbauen konnte, aber gleichzeitig die krachende Niederlange ihres Landratskandidaten verschmerzen muss, zeigt diese Differenzierung in drastischen Zahlen. Dass Arne Fries sich mit einem Drittel der Stimmen begnügen muss, lag gewiss nicht an persönlicher Unzulänglichkeit. Verwaltungskompetenz und Verankerung in der Region kann man ihm nicht absprechen. Arne Fries hatte vor allem ein Problem, und das hieß Andreas Müller. Gegen diesen Landrat hatte er schlicht von vornherein keine Chance. Die Unkerei von Polit-Insidern, dass Müller zu wenig politische Substanz und zu viel Sinn für den großen Auftritt mitbringe, findet nach sechs Jahren an der Kreishausspitze keinen Widerhall mehr in der Bürgerschaft. Der Amtsbonus hatte also großes Gewicht bei dieser Corona-Wahl. Der Fairness halber muss man aber anmerken: Andreas Müller musste auch mit einem Malus zurechtkommen. Die Minister aus Düsseldorf, die Arne Fries am Schluss im Zwei-Tages-Takt zur Seite sprangen, konnte der SPD-Mann nicht auffahren. Genutzt hat Fries die Parteiprominenz am Ende nicht. Die Politik im Kreistag wird in den kommenden Jahren nicht leichter. Die Grünen gewinnen deutlich an Gewicht, FDP, UWG und AfD liegen Kopf an Kopf. Die Mehrheiten, die es zu organisieren gibt, werden wohl nicht immer in den gleichen Farben schillern. Um so wichtiger, dass der Landrat eine moderierende und politisch nach mehreren Seiten offene Rolle spielt.

Es sei offenkundig keine Wechselstimmung vorhanden gewesen, stellte Arne Fries selbst fest. Der Wahlkampf unter Corona-Vorzeichen sei für ihn nicht leicht gewesen, da habe der Amtsbonus womöglich noch stärkeres Gewicht gehabt als in „normalen“ Zeiten.

Laura Kraft hätte sich mehr erhofft

„Ein bisschen mehr hätte ich mir schon erhofft“, sagte Laura Kraft, die die erste grüne Landrätin im Kreis hatte werden wollen. Mit 11,7 Prozent reichte es nicht. „Mir fehlte natürlich der Bekanntheitsgrad, und viele Veranstaltungen sind wegen Corona einfach weggefallen.“ Die 29-Jährige gab sich dennoch kämpferisch: „Ich bin ja auch Spitzenkandidatin für den Kreistag, und nach der Wahl ist vor der Wahl!“ Dass die Corona-Krise ihm als Amtsinhaber eher genützt habe, gab Andreas Müller im Gespräch mit der SZ zu. „Als Krisenmanager kann man da punkten, wenn man keine großen Fehler macht.“ Das sei ihm und seinem Team gelungen: „Darauf bin ich auch stolz.“ Im Kreistag, der ab 1. November ebenso bunt aussieht wie bisher, werde es nun darauf ankommen, Mehrheiten zu organisieren: „Aber das haben wir ja die vergangenen sechs Jahre geübt!“

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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