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100 Jahre Caritasverband Siegen-Wittgenstein
"Sozial braucht digital" - aber wie viel ist zu viel?

80 Folien in einer Stunde - Ägidius Engel hatte sich einiges vorgenommen. Die Gäste hörten trotz vieler Informationen zum Thema Digitalisierung interessiert zu.
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sos Geisweid. Digitalisierung ist allgegenwärtig. Wer versucht, sich ihr zu entziehen, oder nicht die technischen Möglichkeiten hat, der kann teilweise gar nicht mehr an am sozialen Leben teilnehmen, weil es online stattfindet. Nicht nur, aber oft. Die einen sehen darin die absolute Erfüllung, die anderen den wahr gewordenen Albtraum. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Oder wie Ägidius Engel es ausdrückte: „Das Thema ist ein dicker Elefant.“ Der Geschäftsführer des Diözesan-Ethikrats des Caritasverbands für das Erzbistum Paderborn sprach am Samstagabend im Technologiezentrum in Geisweid beim sechsten sozialen Forum im Dekanat Siegen, im Rahmen dessen der 100. Geburtstag des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein gefeiert wurde.

sos Geisweid. Digitalisierung ist allgegenwärtig. Wer versucht, sich ihr zu entziehen, oder nicht die technischen Möglichkeiten hat, der kann teilweise gar nicht mehr an am sozialen Leben teilnehmen, weil es online stattfindet. Nicht nur, aber oft. Die einen sehen darin die absolute Erfüllung, die anderen den wahr gewordenen Albtraum. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Oder wie Ägidius Engel es ausdrückte: „Das Thema ist ein dicker Elefant.“ Der Geschäftsführer des Diözesan-Ethikrats des Caritasverbands für das Erzbistum Paderborn sprach am Samstagabend im Technologiezentrum in Geisweid beim sechsten sozialen Forum im Dekanat Siegen, im Rahmen dessen der 100. Geburtstag des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein gefeiert wurde. Die Gründung kurz nach dem Ersten Weltkrieg habe viel mit der Bekämpfung von Hunger und Armut zu tun gehabt, hatte Matthias Vitt, Vorsitzender des Caritas-Verbandes zuvor erinnert. „Engagierte Christen sahen die Not und haben Hilfe organisiert.“ Dementsprechend laute das Motto des Verbandes: „Not sehen und handeln.

"Sozial braucht digital"

Der Samstagabend hingegen stand unter einer anderen Überschrift; er lehnte sich an die Caritas-Kampagne: „Sozial braucht digital“ an. Ägidius Engel malte seinen Zuhörern das Bild von drei Blinden und einem Elefant. Der erste Mann fühlt den Rüssel des Tieres, der zweite ein Bein, der dritte den Schwanz. Was also ist es, das sie da vor sich haben: ein Reifen, eine Säule, ein Seil? Nichts von alledem ist richtig. Hätten sie miteinander gesprochen, wären sie der Lösung vielleicht auf die Spur gekommen. Ein wichtiger Punkt bezüglich der Digitalisierung ist also die Kommunikation, schloss Ägidius Engel. Miteinander reden, und zwar über Gefahren, aber auch über Vorteile. Letztendlich sei doch die Frage, die sich alle stellen müssten: „Wie wollen wir leben?“ 

Maschinen ersetzen Menschen

Ein Beispiel aus der Pflege hatte er gleich parat: Mithilfe einer Roboterrobbe, einem sozio-empathischen System, sollen Menschen mit Demenz zur Ruhe kommen. Das mag den Pflegekräften im Alltag vielleicht helfen, „aber dürfen wir das?“ Schließlich werde jemandem vorgegaukelt, dass er ein echtes Tier in den Händen hält, dabei handelt es sich um eine Maschine.
Um der Einsamkeit im Alter etwas entgegenzusetzen, nutzten viele Senioren Sprachsteuerungssysteme. „Die Stasi würde sich freuen“, so Engel. Schließlich werde damit das gesamte Haus verwanzt. „Unsere Pflegefachkräfte dürfen deswegen nur arbeiten, wenn das Gerät ausgestellt ist. Hier muss man aufpassen.“ Positiv bewertete er hingegen den Roboterarm, mit dessen Hilfe Patienten sich einen Kaffee ausschenken oder Wasser kochen könnten. So würden eine bessere Teilhabe sowie mehr Autonomie ermöglicht.

Achtsamkeit im Alltag

Wenn man nun die Ethik in die Diskussion einbeziehe, dann gehe es seiner Meinung nach grundsätzlich darum, mit Anständigkeit durchs Leben zu gehen. „Sie alle bemühen sich, Signale der Achtsamkeit zu geben", richtete der Diplom-Theologe sich direkt an die Caritas-Mitarbeiter. "Du darfst sein, auch wenn Du ein Handicap hast."

Ethisches Dilemma

Auf der sozialen Ebene sei man im Umgang miteinander geübt. Bei einigen technischen Entwicklungen aber stoße man an Grenzen. Exemplarisch nannte er das automone Fahren, hinter dem ein ethisches Dilemma stecke: Was ist, wenn ein Auto mit vier Insassen nicht mehr bremsen kann und auf vier Menschen auf einem Zebrastreifen zurast? Wer darf unbeschadet bleiben? Die Antwort auf die Frage liege in der Programmierung des Systems, und die Prioritäten könnten sich von Kultur zu Kultur durchaus unterscheiden, zum Beispiel wenn es darum gehe, einen Senior oder ein Kind zu retten.

Werte-Rucksack packen

Unterm Strich müsse sich jeder selbst intensiv mit dem Thema beschäftigen und sich einen „Werte-Rucksack“ packen. Einige Fragen sollte man sich stets stellen und für sich die richtige Antwort finden. Grundsätzlich gelte es, immer der Souverän der eigenen Daten zu bleiben. Und wenn die künstliche Intelligenz gerecht und nicht unschädlich ist, wohltut und Autonomie verschafft, dann sei vermutlich nichts dagegen einzuwenden. Ägidius Engel betonte aber auch, dass die Menschlichkeit immer mit dabei sein müsse. Respekt, Zeit, Verständnis für Unzulänglichkeiten – all das sollte trotz aller technischen Fortschritte noch immer eine große, vielleicht die größte Rolle spielen. „Nehmen Sie den dicken Elefanten selbst unter die Lupe“, appellierte er, „wir kriegen das geschafft“. 

Sozialpreis verliehen

Dass die Nächstenliebe im Alltag nicht zu kurz kommt, dafür setzen sich viele Menschen ehrenamtlich ein. Um ihre Arbeit zu würdigen, verlieh Wolfgang Winkelmann für die kath. Sozialstiftung am Samstag  den Sozialpreis an gleich drei Projekte, die einen Spendenscheck in Höhe von je 3333 Euro erhielten. 

Ökumenisches Netzwerk Wilnsdorf

Martina Müller und Marianne Lottmann vertraten das ökumenische Netzwerk Wilnsdorf, das Ende 2015 entstand, als zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Vier Kirchengemeinden schlossen sich zusammen und eröffneten den Wilnsdorfer Laden sowie eine Ausgabestelle der Siegener Tafel. „Das ist eine lohnenswerte Aufgabe“, erklärte Martina Müller ihre Motivation. 

Starthilfe

Mit dem Projekt Starthilfe verschafft die Siegerländer Frauenhilfe Müttern Entlastung, indem sogenannte Zeitstifterinnen die Familien unterstützen. „Geht es der Mutter gut, geht es den Kindern gut“, so Karin Frerichs-Schneider, die den Scheck gemeinsam mit Erika Denker dankend entgegennahm. 

Mittagstisch

Der Mittagstisch „Guten Appetit“ des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein bietet Menschen mit geringem Einkommen dreimal in der Woche eine warme Mahlzeit, Kaffee oder Tee und die Aussprache. „Menschen finden bei uns ein Zuhause“, beschrieb Katharina Werthebach ihre ehrenamtliche Arbeit. Und Annemarie Utsch betonte, dass man auch immer etwas von den Gästen zurückbekomme.

Nächstenliebe nicht vergessen

Die Caritas ist ein Beispiel dafür, dass der Dienst am Menschen gelebt wird. Doch schon zu Jesu Zeiten war es offenbar gar nicht so leicht, das auch immer im Blick zu behalten. Das wurde im Festgottesdienst mit Caritas-Pfarrer Friedhelm Rüsche und Dechant Karl-Hans Köhle deutlich, der vor Beginn des sozialen Forums in der Pfarrkirche St. Josef stattfand. Während Jesus die zwei Bereiche – den Dienst für Gott und den Dienst am Nächsten – in sich vereinen konnte, taten sich seine Jünger schwer damit; für sie war die „Arbeit“ mit der Verkündigung des Reiches Gottes beendet. Auch die Kirche laufe Gefahr, dass der Gottesdienst den Schwerpunkt bilde. Eine Überprüfung tue deshalb immer wieder Not.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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