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Nachfrage deutlich gestiegen
Sozialkaufhaus schlägt neue Wege ein

Susanna Bodenstein bei ihrer Arbeit im Sozialkaufhaus in Achenbach. Vor drei Wochen ist der Betrieb dort wieder aufgenommen worden, die Nachfrage für Bekleidung und Lebensmittel ist klar gestiegen.
  • Susanna Bodenstein bei ihrer Arbeit im Sozialkaufhaus in Achenbach. Vor drei Wochen ist der Betrieb dort wieder aufgenommen worden, die Nachfrage für Bekleidung und Lebensmittel ist klar gestiegen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

juka Achenbach. Emsig laufen die Mitarbeiter durch den Dschungel von Kleiderständern. Hier wird eine Jacke auf den Bügel gehängt, dort wird ein T-Shirt bei der passenden Größe einsortiert. An diesem Morgen sind es Susanna Bodenstein und Günther Betsch, die im Sozialkaufhaus in Achenbach ihre Schicht verrichten. Neben den beiden ist auch eine Kundin im Laden, begutachtet die Pullover am Eingang ganz genau. Seit gut drei Wochen läuft der Betrieb an der Achenbacher Straße wieder annähernd normal, nachdem die Ladentüren ab März zwei Monate geschlossen bleiben mussten.
Minijobber fielen aus„Die Nachricht kam für uns über Nacht“, blickt Günther Langer, Vorsitzender des Heimatvereins Achenbach, zurück. Doch das Angebot komplett einzustellen, war für die Beteiligten keine Option.

juka Achenbach. Emsig laufen die Mitarbeiter durch den Dschungel von Kleiderständern. Hier wird eine Jacke auf den Bügel gehängt, dort wird ein T-Shirt bei der passenden Größe einsortiert. An diesem Morgen sind es Susanna Bodenstein und Günther Betsch, die im Sozialkaufhaus in Achenbach ihre Schicht verrichten. Neben den beiden ist auch eine Kundin im Laden, begutachtet die Pullover am Eingang ganz genau. Seit gut drei Wochen läuft der Betrieb an der Achenbacher Straße wieder annähernd normal, nachdem die Ladentüren ab März zwei Monate geschlossen bleiben mussten.

Minijobber fielen aus

„Die Nachricht kam für uns über Nacht“, blickt Günther Langer, Vorsitzender des Heimatvereins Achenbach, zurück. Doch das Angebot komplett einzustellen, war für die Beteiligten keine Option. „Denn die Not wird in einer solchen Situation nicht kleiner, sondern größer“, weiß Langer. So brachte der Verein Pakete mit den passenden Größen bis vor die Haustür, stattete auch Übergangswohnheime aus. Problematisch war die personelle Situation während der Corona-Krise. Auf Minijobber oder andere Mitarbeiter konnte der Verein nicht zurückgreifen. „Das lief fast ausschließlich über das Ehrenamt, was aber ganz gut funktioniert hat“, ist der Vorsitzende froh.

Hilfsorganisationen unterstützen sich gegenseitig

Neben dem Bedarf an Bekleidung sei besonders die Nachfrage nach Lebensmitteln eminent gestiegen. Dank der Mithilfe von „Solina“ und „Foodsharing“ habe man das leisten können. Statt 20 Personen, die sich normalerweise im Schnitt im „Café nettwerk“ direkt über dem Kaufhaus einfinden, kamen plötzlich bis zu 170 Menschen. „Diese Größenordnung hatten wir bisher nicht. Alleine hätten wir das nicht bewältigen können“, weiß der Ehrenamtler. „Wir sind finanziell und logistisch ein hohes Risiko eingegangen. Uns war einfach wichtig, die Versorgung aufrecht zu erhalten“, so Langer weiter. Er lobt die Unterstützung des Landes, hätte sich von der Stadt Siegen allerdings mehr erhofft.

Mut aus der Krise schöpfen

Doch seiner Meinung nach kann man aus der Krise auch Mut schöpfen, der Zusammenhalt unter den Menschen sei deutlich stärker geworden. „Das ist schön zu sehen, und das möchten wir auch fördern“, unterstreicht Langer. Auch die Gemeinden untereinander hätten ein starkes Gemeinschaftsgefühl vorgelebt.
Vorleben möchte der Verein die Einstellung zur Arbeit: „Wir möchten den Weg zur Selbsthilfe aufzeigen.“ So seien Gemüsegärten und Grünflächen angelegt worden, von den Mitarbeitern des Kaufhauses seien immer wieder Anfragen gekommen, wann es endlich weitergeht: „Das gibt den Menschen Hoffnung und führt zu einem Umdenken hin zur Eigenständigkeit.“

Vor allem Rentner betroffen

Klar ist aber, dass die Nachfrage steigen, es zu weiteren Notsituationen kommen wird. Viele wirtschaftliche Auswirkungen, da ist sich der Verein sicher, werden sich erst in der Zukunft zeigen. Besonders betroffen sind laut Langer auch Rentner, die sich mit Minijobs etwas zu ihrer Rente hinzuverdienen müssen, plötzlich aber ohne Nebeneinkünfte da standen. „Da mussten wir Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten, dass die Betroffenen Leistungen in Anspruch nehmen, die ihnen zustehen. Das war für viele ein Tabu.“ Genauso wie auf die (teils kostenlosen) Bekleidungsangebote zurückzugreifen.

Bewohnbares Baumhaus

Und es sollen weitere Angebote folgen. Neben dem Kaufhaus wurde eine ehemalige Bäckerei in fünf Wohnungen umgebaut, dazu soll im Garten ein bewohnbares Baumhaus entstehen. In der Innenstadt soll zudem eine Möglichkeit zur Ausgabe von Haushaltsbedarf an Studenten geschaffen werden. Kontrolliert wird dabei vom Verein nicht. „Wir gehen von der Ehrlichkeit aus. Und das funktioniert auch“, freut sich Langer. Denn, und diese Erfahrung haben der Vorsitzende und sein Verein in der vergangenen Zeit gemacht, „in dieser Zeit sind die Menschen wieder näher zusammengerückt“.

Autor:

Julian Kaiser aus Siegen

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