Spannende Kontraste

Ein kontrastreiches Haydn-/Bartók-Programm, das mit sehr langem Schlussapplaus belohnt wurde, gab die Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Russell N. Harris am Freitagabend im Apollo-Theater.  Foto: aww
  • Ein kontrastreiches Haydn-/Bartók-Programm, das mit sehr langem Schlussapplaus belohnt wurde, gab die Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Russell N. Harris am Freitagabend im Apollo-Theater. Foto: aww
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aww Siegen. Wiener Klassik und die Tonsprache des 20. Jahrhunderts – viel im besten Sinne Gefälliges, Schönes gab es beim einen, manch dem Gehör sich weniger leicht Einprägendes, nichtsdestotrotz Mitreißendes und unmittelbar Ansprechendes beim anderen: Die Philharmonie Südwestfalen hatte für ihr Sinfoniekonzert am Freitagabend im vollbesetzten Siegener Apollo-Theater ein spannungsgeladenes Kontrastprogramm einstudiert. Und ebenso wie der Kontrast stückimmanent ein probates Gestaltungsmittel ist, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu fesseln, ist er auch werkübergreifend, bei der Zusammenstellung einer Konzertfolge, bestens geeignet, jene Funktion zu erfüllen. Der dankbare, sehr lange Beifall meldete Chefdirigent Russell N. Harris und seinen Instrumentalisten am Ende zurück, dass sich das Publikum sehr gut unterhalten fühlte.

Joseph Haydns Sinfonie C-Dur Nr. 82 („Der Bär“), die das Orchester erst unlängst im Dahlbrucher Busch-Theater gegeben hatte, entstand gute anderthalb Jahrhunderte vor Béla Bartóks Konzert für Orchester (1943). So groß die Unterschiede in musikalischem Material und Orchesterbesetzung, ergänzten sich beide Kompositionen doch recht gut zu einem runden Ganzen, zu einem Konzertabend, dem es, obschon kein Solist im Rampenlicht stand, an nichts fehlte. Dazu trug bei, dass sich das gut aufgelegte, spielfreudige Orchester virtuos und klangprächtig präsentieren konnte.

Schon die Haydn-Sinfonie stellte hohe Anforderungen an die Musiker; insbesondere die Streicher hatten in den flotten Ecksätzen ihre Fingerfertigkeit zu beweisen. Wunderbar gelangen vor allem die innen gelegenen Sätze: das liebliche, dynamisch fein zurückgenommene Allegretto und das würdevoll schreitende Menuett. Ein glanzvoller Auftakt mit einer herrlichen Musik, die deutlich machte, warum sich Haydn auch 200 Jahre nach seinem Tod ungebrochener Popularität erfreut.

Effektvolle Klangfarben waren in Bartóks Orchester-Konzert zu hören. Schon die düster-geheimnisvolle Streichereinleitung mit ihren sich „heranschleichenden“ Geigen-Dissonanzen bannte die Hörerschaft, die es in der Folge mit einem ausgesprochen vielgestaltigen, intensiven Klangerlebnis etwa mit kraftvollen dynamischen bzw. rhythmischen Steigerungen zu tun hatte.

Im zweiten Satz, „Giuoco delle coppie. Allegretto scherzando“ durften sich die Holzbläser so recht produzieren, erst die Fagotte, dann nacheinander die Oboen, die Klarinetten, die Flöten, wozu die Streicher einen bewegten Kontrapunkt setzten, und auch das Blech ließ mit einer sehr ansprechenden, fast choralartigen Melodie aufhorchen.Dynamische Extreme bot die „Elegia“, während der vierte Satz, „Intermezzo interrotto. Allegretto“, der eine ganz andere musikalische Sprache spricht als der Rest, auf verstörende Weise eingängig und teils (scheinbar) idyllisch daherkam. Im rasanten Finale eilten die Streicher pfeilschnell durch den Satz, den punktuell die Blechbläser und die beiden Harfen ihrerseits mit schönen Akzenten veredelten – eine hochvirtuose Orchesterleistung. Russell N. Harris tat recht daran, die Musiker beim rauschenden Schlussapplaus sich in einzelnen Gruppen präsentieren zu lassen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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